Regionalbad Wörgl

„Intransparent und unprofessionell“: Grüne planen bei Wörgler Bad nicht mehr mit

Auf diesem Feld soll das neue Bad gebaut werden. Noch sind zahlreiche Fragen zum Projekt - von der Widmung bis zu Finanzierung und Beteiligung des Land - offen.
© Harald Angerer

Im sogenannten „Wörgler Bäderbeirat“ soll das neue Regionalbad geplant werden. Die Grünen wollen nicht länger Teil davon sein, sie kritisieren die „intransparente“ und „unprofessionelle“ Arbeitsweise der Gruppe.

Wörgl – Das Thema Schwimmbad lässt in Wörgl die Wogen regelmäßig hoch gehen. Sei es das stillgelegte Wave, das 2026 abgerissen werden soll, oder das neue Regionalbad, das am sogenannten „Scheiberfeld“ geplant wird. Die politische Auseinandersetzung darum ist nun um eine Facette reicher: Die Wörgler Grünen verlassen mit sofortiger Wirkung jenes Gremium, in dem die im Gemeinderat vertretenen Fraktionen, das neue Regionalbad planen.

Damit sind sie neben der Liste „Wir für Wörgl“ die zweite Fraktion, die im sogenannten „Wörgler Bäderbeirat“ nicht (mehr) mitmacht. Als Grund nennen sie in einer Aussendung, die „unprofessionelle und intransparente“ Vorgangsweise in dem Gremium. So wären in den vergangenen Monaten „zentrale Planungsgrundlagen für das Projekt mehrfach und teils massiv verändert worden – ohne nachvollziehbare Information oder ernsthafte Diskussion im Bäderbeirat“, so Catarina Becherstorfer, die die Grünen in dem Gremium vertritt.

„Alibi-Politik“ und „Marketing-Gag“?

Dazu würden unter anderem überdimensionierte Parkdecks oder meterhohe Lärmschutzwände zählen, die „den AnrainerInnen faktisch vor die Haustüre gesetzt worden wären.“ Eine Umsetzung davon sei für die Grünen nicht akzeptabel. Hinzu käme, dass wesentliche Entscheidung gar nicht im Bäderbeirat getroffen würden – „es wurde ein ‘kleiner Bäderbeirat’ eingerichtet, kritische Fraktionen waren plötzlich nicht mehr eingebunden.“ Becherstorfer kritisiert den Beirat als „reine Alibipolitik. Die vom Bürgermeister immer wieder beschworene gute Zusammenarbeit entpuppt sich als Marketing-Gag.“

Kahn fordert Kostenwahrheit

Auch Iris Kahn, Fraktionsführerin der Wörgler Grünen, übt scharfe Kritik am eingeschlagenen Kurs beim Bad: „Wir sprechen mittlerweile von Projektkosten in der Höhe von rund 27 Millionen Euro. Selbst mit einer Förderung durch das Land würde ein Bau noch unsere Nachkommen für Jahrzehnte massiv belasten.“ Der Bäderbeirat habe bis heute keine detaillierte Finanzierungsaufstellung gesehen. „Entscheidungen mit enormen finanziellen Auswirkungen werden hinter verschlossenen Türen vorbereitet“, kritisiert Kahn.

Bei der Diskussion über die Leistbarkeit blieben ferner oft die geschätzten Betriebskosten, die Pacht für das neue Schwimmbadgrundstück sowie der immer noch laufende Kredit für die Wave-Abzahlung unberücksichtigt – „eine jährliche Summe von über 1,5 Millionen, die ebenso zu stemmen ist“, so Kahn, die Transparenz und Kostenwahrheit einmahnt.

Die Wörgler Grünen würden zwar weiterhin für eine nachhaltige und wirtschaftlich verantwortbare Lösung im Bäderbereich stehen, „solange jedoch Intransparenz und Unprofessionalität den Kurs bestimmen, ist eine Mitarbeit im Bäderbeirat nicht verantwortbar.“

Kritik von vielen Seiten

Die Liste „Wir für Wörgl“ von Vizebürgermeister Roland Ponholzer wollte sich von Anfang an nicht an den Planungen für das neue Bad beteiligen, zu viele Fragen seien dazu aber auch zum stillgelegten Wave offen. Man könne die Arbeitsweise des Wörgler Bäderbeirats insofern nicht unterstützen. Und auch der Fraktionsführer der Liste Hedi Wechner und SPÖ-Landtagsabgeordneter Christian Kovaecvic hatte die Arbeit des Gremiums Anfang Dezember hinterfragt: Er kritisiert, dass noch nichts beim Land eingereicht wurde – was in Anbetracht der Förderung, die man sich aus den Mitteln des Bädertopfs des Landes erhoffe, unverantwortlich sei.

All das war einmal mehr zentrales Thema in der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres, dort nahm der politische Dauerbrenner „Schwimmbad“ mehr Raum ein als das Budget für 2026.

„Entscheidung im Gemeinderat“

Bürgermeister Michael Riedhart (ÖVP) auf TT-Nachfrage zum Austritt in einem schriftlichen Statement: „Der Bäderbeirat begleitet das Projekt beratend. Die Verantwortung für die damit zusammenhängenden Entscheidungen liegt jedoch klar beim Gemeinderat. Das Regionalbadprojekt wird transparent, strukturiert und jedenfalls im Sinne der Bevölkerung weitergeführt und geplant, unabhängig davon, ob einzelne Fraktionen ihre Mitarbeit einstellen.“

Bäderbeirats-Obmann Andreas Schmidt (ehemals LHW) und sein Stellvertreter Christopher Lentsch von der FPÖ können die Entscheidung der Grünen nicht nachvollziehen und sehen keine Intransparenz im Gremium. Sie verweisen in dem Statement der Presseabteilung der Stadt Wörgl darauf, dass Vorarbeiten „in kleineren Gruppen notwendig sind, um dem Gremium fundierte Entscheidungsgrundlagen liefern zu können.“

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