Warum Selenskyj einen populären Haudegen an seine Seite geholt hat
General Kyrylo Budanow wechselt vom Schlachtfeld in die Präsidentschaftskanzlei. Das hat innen- und außenpolitische Konsequenzen.
Kiew – Überraschendes politisches Manöver in der Ukraine: Präsident Wolodymyr Selenskyj holt den bisherigen Chef des Militärgeheimdienstes, Kyrylo Budanow, an seine Seite. Als Chef der Präsidentschaftskanzlei wird der erst 39-jährige General zur Drehscheibe der Verhandlungen mit Amerikanern, Russen und Europäern. Der Präsident verfolgt möglicherweise auch innenpolitische Motive.
Budanow gilt als unerschrockener Haudegen. Unter seiner Führung gelangen dem ukrainischen Militärgeheimdienst HUR spektakuläre Angriffe tief in Russland. Er hat damit die Grenzen dessen, was der Ukraine an Gegenwehr zugestanden wurde, immer weiter hinausgeschoben. Der General hat auch selbst an Kommandoaktionen teilgenommen und wurde dabei verletzt.
Von der CIA ausgebildet
All das macht ihn in der Ukraine populär, obwohl er eigentlich im Geheimen operiert. Er hatte als möglicher Rivale von Selenskyj bei der nächsten Präsidentenwahl gegolten, auf die jetzt auch die USA drängen. Als Leiter des Präsidialamts kann er aber kaum gegen seinen Chef antreten und muss stattdessen überlegen, wie die Wahlen organisiert werden können.
Interessant ist die Personalie aber auch außenpolitisch. Budanow unterhält enge Kontakte zu den USA. Er wurde einst von der CIA ausgebildet und genoss die seltene Ehre für einen Ausländer, im Walter-Reed-Militärspital in Washington behandelt zu werden, wie die New York Times schrieb.
Kontakte nach Moskau
Auch zum Feind gibt es offenbar einen guten Draht. Zwar führt Russland Budanow offiziell als Terroristen. Das hinderte Moskau aber nicht daran, mit dem General einen Gefangenenaustausch nach dem anderen abzuwickeln – was stets gut funktioniert hat.
Seine Kontakte und sein Insider-Wissen können Budanow in den Verhandlungen nützlich sein – besonders, wenn es einmal um das Kleingedruckte geht. Und anders als sein Vorgänger in der Präsidentschaftskanzlei, der über einen Korruptionsskandal gestolpert ist, gilt er bisher als integer.