Katastrophe von Crans Montana: Viele Minderjährige unter den Toten
Mehr als 20 Todesopfer der Brandkatastrophe in dem Schweizer Skiort wurden inzwischen identifiziert, darunter befinden sich elf Minderjährige. Für Freitag wurde ein nationaler Trauertag angesetzt.
Crans-Montana/Bern – Nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana sind 16 weitere Todesopfer identifiziert worden. Es handelt sich um vier Schweizerinnen, sechs Schweizer, zwei Italiener sowie je einen italienisch-emiratischen, rumänischen, französischen und türkischen Staatsangehörigen. Sie sind zwischen 14 und 39 Jahre alt, teilte die Walliser Kantonspolizei am Sonntag mit. Für Freitag wurde ein nationaler Trauertag angesetzt.
Laut aktuellem Ermittlungsstand sind bei dem Großfeuer in einer Bar in der Silvesternacht 40 Menschen ums Leben gekommen. Bisher wurden 24 von ihnen identifiziert. Bei den weiteren Identifizierten handelt es sich um vier Schweizerinnen und vier Schweizer im Alter zwischen 16 und 24 Jahren. 119 Personen erlitten überwiegend schwere Brandverletzungen.
Spitalsdirektor: „Sind ständig den Tränen nahe“
Der Walliser Spitalsdirektor Eric Bonvin schildert die Behandlung der jungen Patientinnen und Patienten als emotional äußerst belastend. „Wir alle sind ständig den Tränen nahe“, sagte Bonvin. Die meisten hätten schwere Verbrennungen im Gesicht und an den Händen. „Sie haben eine sehr lange Heilungsphase vor sich – und werden oft ein Leben lang durch Narben gezeichnet sein.“ Sie seien im Moment auch mental äußerst verletzlich.
Große Sorgen bereiteten ihm „grausame Kommentare“ in den sozialen Medien, etwa, dass es sich bei den Opfern „sowieso nur um Reiche“ handle. Er hoffe, dass die Grausamkeit der Online-Netzwerke die Situation der Betroffenen nicht verschlimmere.
Gegen die Betreiber des Lokals wurden Ermittlungen eingeleitet. Ihnen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen. Den Ermittlern zufolge wurde die Feuersbrunst offenbar durch Feuerwerksfontänen ausgelöst, die an Champagnerflaschen angebracht waren und zu nahe an die Zimmerdecke gehalten wurden.
Nationaler Trauertag am 9. Jänner
Der Bund plant mit den Kirchen des Landes für Freitag (9. Jänner) einen nationalen Trauertag. Das gab der Schweizer Präsident Guy Parmelin in einem Interview mit dem „SonntagsBlick" bekannt. Als ein weiteres Zeichen der nationalen Verbundenheit sollen laut Parmelin am Freitag um 14.00 Uhr in der ganzen Schweiz die Kirchenglocken läuten. Zudem sei zu diesem Zeitpunkt eine Schweigeminute vorgesehen, sagte das Staatsoberhaupt in dem am Sonntag veröffentlichten Interview. “In diesem Moment der Einkehr können alle Menschen in der Schweiz persönlich der Opfer der Katastrophe gedenken", sagte er.
Die Schweigeminute und das Läuten der Kirchenglocken sollen gleichzeitig mit Beginn der Trauerfeier in Crans-Montana erfolgen. Am 9. Jänner ist in der Walliser Gemeinde eine offizielle Gedenkzeremonie für die Opfer, ihre Angehörigen und die breitere Öffentlichkeit vorgesehen, schrieb die Gemeinde auf ihrer Webseite.
Bei den ersten drei italienischen Todesopfern, die offiziell identifiziert worden sind, handelt sich um 16-jährige Burschen, bestätigte Italiens Botschafter in der Schweiz, Gian Lorenzo Cornado. Zudem teilte der Präsident der Region Lombardei, Attilio Fontana, mit, dass auch eine 16-jährige Mailänderin ums Leben gekommen ist. Eine offizielle Identifizierung steht in diesem Fall noch aus. Die Zahl der verletzten Italiener stieg von 13 auf 14.
Viele Verletzte in kritischem Zustand
Die 119 Verletzten konnten mit wenigen Ausnahmen formell identifiziert werden. Darunter sind 71 Schweizerinnen und Schweizer, 14 französische und elf italienische Staatsangehörige. Die meisten Patientinnen und Patienten befinden sich mit schweren Brandverletzungen in kritischem Zustand. (APA/sda)
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