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Dutzende Menschen bei US-Militäreinsatz in Venezuela getötet

Insgesamt sollen mehr als 80 Menschen getötet worden sein
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Bei dem US-Militäreinsatz in Venezuela sind Dutzende Menschen getötet worden. "Infolge des kriminellen Angriffs der US-Regierung" auf Venezuela seien "32 Kubaner bei Kampfhandlungen ums Leben gekommen", erklärte die Regierung in Havanna am Sonntag (Ortszeit) im Staatsfernsehen. Caracas zufolge wurden außerdem Armeeangehörige und Zivilisten getötet. Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf einen ranghohen venezolanischen Beamten von mehr als 80 Toten.

Bei den Getöteten handelte es sich Havanna zufolge um Angehörige der kubanischen Streitkräfte sowie des Innenministeriums, die "auf Bitte der venezolanischen Behörden" nach Caracas entsandt worden seien. Am Montag wurde eine zweitägige Staatstrauer in dem Land ausgerufen.

Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino López erklärte, ein "großer Teil" von Maduros Sicherheitsteam sei "kaltblütig" getötet worden. Außerdem seien Armeeangehörige und Zivilisten bei dem US-Einsatz gestorben. Aus Militärkreisen erfuhr AFP wiederum, dass mindestens 15 Menschen getötet worden seien.

Zuvor hatte Venezuelas geschäftsführende Präsidentin Delcy Rodríguez am Wochenende verletzte Soldaten besucht. Padrino begleitete sie bei der Visite in einem Militärhospital in der Hauptstadt Caracas, wie die staatliche Nachrichtenagentur AVN am Montag meldete.

US-Präsident Donald Trump zufolge wurden keine US-Staatsbürger bei dem Militäreinsatz getötet, dafür jedoch "viele Kubaner". Nach der Festnahme Maduros stehe Kuba dem Zusammenbruch nahe, erklärte Trump vor Journalisten an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One. Militärische Maßnahmen gegenüber dem wirtschaftlich geschwächten Land ziehe er nicht in Betracht. "Ich glaube nicht, dass wir etwas unternehmen müssen. Es sieht so aus, als würde es (Kuba) untergehen", sagte der US-Präsident.

Kuba und Venezuela sind enge Verbündete, beide von US-Wirtschaftssanktionen betroffen. Caracas unterstützte Kuba außerdem seit Jahrzehnten in wirtschaftlicher Hinsicht. Der US-Militäreinsatz wurde von Kuba und weiteren engen Verbündeten Maduros scharf verurteilt.

Kuba wird seit dem Sieg der Revolution 1959 autoritär regiert. Die Kommunistische Partei kontrolliert Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Andere Parteien sind auf der sozialistischen Karibikinsel nicht zugelassen. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten sind über 1.000 politische Gefangene in Haft. Die Beziehungen zwischen Havanna und Washington sind seit Jahrzehnten angespannt - Schritte zu einer vorsichtigen Annäherung unter US-Präsident Barack Obama hat Trump wieder rückgängig gemacht.

US-Außenminister Marco Rubio bezeichnete die Regierung in Kuba am Sonntag als "riesiges Problem". Das sagte er im US-Sender NBC News auf die Frage, ob nach dem US-Angriff auf Venezuela nun ein Einsatz gegen Kuba folgen werde. Zwar wolle er nicht über zukünftige Schritte der US-Regierung mit Blick auf Kuba sprechen. "Aber ich denke, es ist kein Geheimnis, dass wir keine großen Fans des kubanischen Regimes sind." Dieses habe Venezuelas entmachteten Staatschef Maduro unterstützt, sagte Rubio weiter.

In der Nacht zum Samstag hatten US-Streitkräfte bei einem groß angelegten Militäreinsatz Ziele in Venezuela angegriffen, den venezolanischen Staatschef Maduro und dessen Frau Cilia Flores gefangen genommen und in die USA gebracht. Maduro soll nun unter anderem wegen "Verschwörung zum Drogenterrorismus" und der Einfuhr von Kokain in die Vereinigten Staaten der Prozess gemacht werden.

Maduro, der im New Yorker Stadtteil Brooklyn festgehalten wird, sollte später erstmals einem Gericht vorgeführt werden. Die Anhörung ist für 18.00 Uhr MEZ angesetzt. Bilder im US-Fernsehen zeigten Maduro auf dem Weg ins Gericht in Handschellen und in Begleitung mehrerer schwer bewaffneter Sicherheitskräfte.

Nach der Festnahme Maduros waren die Blicke auf dessen Stellvertreterin Delcy Rodríguez gerichtet, die vom Obersten Gericht Venezuelas zur Interimspräsidentin ernannt worden war. Die US-Regierung erklärte sich grundsätzlich zur Zusammenarbeit mit ihr bereit, drohte ihr aber zugleich massiv: "Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen müssen, wahrscheinlich einen höheren als Maduro", sagte Trump. Der US-Präsident verlangte von Rodríguez "totalen Zugang", unter anderem zum Erdöl des Landes.

Am späten Sonntagabend zeigte Rodríguez erstmals die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Washington. Nach ihrer ersten Kabinettssitzung drang sie auf eine "ausgewogene und respektvolle" Beziehung zwischen den USA und Venezuela. "Wir laden die US-Regierung dazu ein, gemeinsam an einem Programm für die Zusammenarbeit zu arbeiten", erklärte Rodríguez.

In Caracas demonstrierten unterdessen rund 2.000 Anhänger Maduros gegen dessen Festnahme, darunter mit Gewehren bewaffnete Motorradfahrer. In der Menge waren venezolanische Flaggen zu sehen. Die Maduro nahestehende Armee des Landes erklärte ihre Unterstützung für Rodríguez und rief zu Ruhe auf.

Der US-Militäreinsatz wurde von Kuba und weiteren engen Verbündeten Venezuelas scharf verurteilt. Peking forderte die sofortige Freilassung Maduros und bezeichnete den US-Einsatz als "eindeutige Verletzung des Völkerrechts". Moskau und Teheran verurteilten das Vorgehen Washingtons ebenfalls.

Die EU forderte eine Einbindung der Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado in den Übergangsprozess in Venezuela. Die Ereignisse vom Wochenende böten "die Gelegenheit für einen demokratischen Übergang, angeführt vom venezolanischen Volk", sagte Kommissionssprecherin Paula Pinho am Montag in Brüssel.

Friedensnobelpreisträgerin Machado hatte nach Maduros Festnahme von einer "Stunde der Freiheit" gesprochen. Trump hatte am Samstag eine Spitzenposition für Machado im künftigen Venezuela jedoch ausgeschlossen. "Sie hat nicht die Unterstützung und den Respekt im Land", sagte der US-Präsident.

Trump hatte Caracas in den vergangenen Monaten immer wieder vorgeworfen, den Drogenschmuggel in die USA aktiv zu fördern und damit die Sicherheit der USA und ihrer Bürger zu gefährden. Die venezolanische Regierung warf den USA dagegen vor, es allein auf die riesigen Ölreserven des Landes abgesehen zu haben.