Syrische Armee beschießt kurdische Stadtviertel von Aleppo
Nach Gefechten mit kurdischen Kämpfern hat die syrische Armee am Mittwoch die kurdischen Stadtviertel der Großstadt Aleppo mit Artillerie beschossen. Die Armee hatte die zwei kurdisch kontrollierten Stadtviertel Sheikh Maqsoud und Ashrafieh zuvor zu militärischem Sperrgebiet erklärt und Zivilisten aufgefordert, die Bezirke bis 13.00 Uhr MEZ zu verlassen. Zahlreiche Menschen, darunter auch Familien mit Kindern, ergriffen die Flucht, wie AFP-Korrespondenten berichteten.
In Syrien sind bei erneuten Kämpfen zwischen Truppen der Übergangsregierung und kurdischen Kräften in der Großstadt Aleppo insgesamt mindestens neun Menschen getötet worden. Nach Angaben der mehrheitlich kurdischen Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) wurden am Dienstag in den kurdischen Vierteln Sheikh Maqsoud und Ashrafieh der Hafenstadt vier Zivilisten getötet, die staatliche Nachrichtenagentur SANA berichtete ihrerseits von insgesamt fünf Toten, darunter vier Zivilisten. Nach Angaben des Kurdischen Zentrums für Öffentlichkeitsarbeit in Berlin, Civaka Azad, wurden am Dienstag mindestens sieben Zivilisten getötet und 52 weitere verletzt.
Wie SANA weiter meldete, unterbrach die Luftfahrtbehörde des Landes alle Flüge von und nach Aleppo für 24 Stunden und leitete sie zum Flughafen der Hauptstadt Damaskus um.
Im Oktober hatte Syrien nach Zusammenstößen in den Bezirken der zweitgrößten Stadt des Landes eine Waffenruhe mit kurdischen Kräften verkündet. Es kam jedoch weiterhin zu Spannungen, im Dezember wurden laut Staatsmedien mindestens drei Menschen bei Zusammenstößen in den kurdischen Vierteln getötet.
Seit dem Sturz des langjährigen syrischen Machthabers Bashar al-Assad im Dezember 2024 steht Aleppo unter Verwaltung der neuen islamistischen Übergangsregierung. Nur Sheikh Maqsoud und Ashrafieh stehen weiterhin unter der Kontrolle kurdischer Einheiten mit Verbindungen zu den SDF und weiteren örtlichen kurdischen Sicherheitskräften.
Gemäß einem im März zwischen Damaskus und den SDF geschlossenen Abkommen sollten die zivilen und militärischen Institutionen der Kurden bis zum Jahresende in die syrische Zentralregierung integriert werden. Doch trotz internationalen Drucks hat sich die Umsetzung des Abkommens aufgrund von Differenzen verzögert.