Aktuelle Zahlen zu Familien

Weniger Scheidungen: Die Ehe als stabiler Faktor in unsicheren Zeiten

Scheidungen sind teuer und deshalb in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für viele Menschen keine Option.
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Wirtschaftskrise und Zuwanderung drücken die Scheidungsraten, vor allem in der Bundeshauptstadt. Die „Nesthocker“-Quote bleibt indes stabil.

In Österreich wurde zuletzt wieder öfter geheiratet. 2024 ist die Zahl der Eheschließungen laut dem Österreichischen Institut für Familienforschung (ÖIF) auf 6 pro 1000 Erwachsene gestiegen. Gleichzeitig ging dem aktuellen Bericht ­„Familie in Zahlen“ zufolge die seit Jahren sinkende Gesamtscheidungsrate weiter zurück auf 36,5 Prozent. Die Gründe dafür liegen in der Zuwanderung und der anhaltenden Wirtschaftskrise.

Stabilität erwünscht

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit würden Menschen Scheidungspläne eher nach hinten verschieben, meinte dazu Soziologin Ulrike Zartler-Griessl von der Universität Wien. „Unsicherheit politischer oder wirtschaftlicher Art verringert die Scheidungsraten, dieser Zusammenhang ist gut dokumentiert.“ Klar ist auch: In schwierigen Zeiten könne man sich eine Scheidung noch schlechter leisten. „Wenn rundherum alles instabil ist, dann bleibt man vielleicht doch in dieser stabilen Beziehung – auch wenn sie möglicherweise nicht befriedigend ist“, warnt Zartler-Griessl davor, geringere Scheidungsraten mit mehr glücklichen Ehen gleichzusetzen.

Der Rückgang bei der Scheidungsrate hat aber auch mit der veränderten Zusammensetzung der Bevölkerung hierzulande zu tun. Zugewanderte Menschen würden nämlich häufiger und früher heiraten, früher Kinder bekommen und sich seltener scheiden lassen, fasst Zartler-Griessl die Studienlage zusammen. Die Geburtenrate ist etwa zuletzt auf 1,31 bzw. bei Österreicherinnen auf 1,22 gesunken, die von Müttern mit ausländischer Staatsbürgerschaft lag 2024 mit 1,58 allerdings deutlich darüber.

Sonderfall Wien

In Wien schlägt der vergleichsweise große Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund bei mehreren Indikatoren durch: Das mittlere Erstheiratsalter liegt hier mit 31,2 Jahren bei den Frauen und 33,0 bei den Männern deutlich unter dem Österreich-Schnitt. Der Anteil an Patchworkfamilien ist in Wien mit 5,1 Prozent wiederum deutlich geringer als im Österreich-Schnitt (7,9); in Kärnten, der Steiermark und dem Burgenland ist der Anteil gar mehr als doppelt so groß wie in Wien.

Die Zuwanderung hat laut Zartler-Griessl auch dazu geführt, dass Wien nach Jahrzehnten bei den Scheidungsraten nicht mehr einsam an der Spitze liegt. Mit zuletzt 39,7 Prozent landete die Bundeshauptstadt 2024 de facto gleichauf mit Niederösterreich, Kärnten und Vorarlberg.

Kein Land der „Nesthocker“

Deutlich weniger Einfluss als auf die Scheidungsquoten hatten die jüngsten Krisen laut Eurostat-Daten in „Familie in Zahlen“ auf die Wohnsituation junger Erwachsener: Der Anteil an 25- bis 29-Jährigen, die noch bei ihren Eltern wohnen, hat sich im Vergleich zur Zeit vor Corona kaum verändert. Mit zuletzt 27,4 Prozent gibt es in Österreich immer noch deutlich weniger „Nesthocker“ als im EU-Schnitt (41,4) und nur einen Bruchteil von Ländern wie der Slowakei, Polen, Spanien, Italien oder Irland, wo die Hälfte bis drei Viertel der 25- bis 29-Jährigen noch nicht aus der Wohnung ihrer Eltern ausgezogen sind. In Österreich gibt es im Vergleich zu anderen EU-Staaten mehr leistbaren Wohnraum in WGs und Studentenheimen. (TT, APA)