Offizielle Gedenkfeier

Trauertag in der Schweiz um Tote von Crans-Montana

Die Veranstalter der Trauerfeier sprachen von rund 700 Gästen, darunter etwa 150 Angehörige.
© MAXIME SCHMID

Am Nachmittag werden rund 1000 Angehörige und Spitzenpolitiker bei einer Trauerfeier in Martigny in der Nähe von Crans-Montana erwartet. Auf der Gästeliste stehen unter anderem die Präsidenten Frankreichs und Italiens, Emmanuel Macron und Sergio Mattarella.

Crans-Montana – Nach dem tödlichen Silvester-Brand in einer Bar im Skiort Crans-Montana haben die Menschen in der Schweiz der 40 Todesopfer gedacht. Begleitet vom Glockengeläut der Kirchen hielt das Land am Freitag um 14 Uhr eine Schweigeminute ab. Kurz zuvor hatte in Martigny westlich von Crans-Montana eine Trauerfeier begonnen, zu der neben Bundespräsident Guy Parmelin auch Gäste aus dem Ausland wie der französische Präsident Emmanuel Macron anreisten.

Bei der Brandkatastrophe in der Silvesternacht waren 40 Menschen ums Leben gekommen. Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig; das jüngste war erst 14 Jahre alt, das älteste 39. Außerdem wurden 116 Menschen verletzt, viele von ihnen sehr schwer. Einige von ihnen werden in auf Brandverletzungen spezialisierten Kliniken in Deutschland behandelt.

Die Brandkatastrophe hat in der Schweiz große Erschütterung und Trauer ausgelöst. Bundespräsident Guy Parmelin nannte den Brand „eine der schlimmsten Tragödien, die unser Land erlebt hat“. Der Walliser Staatsratspräsident Mathias Reynard versprach bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer von Crans-Montana am Freitag in Martigny volle Aufklärung der Ursachen und Verantwortlichkeiten der Brandkatastrophe.

Am nationalen Trauertag für die Brandkatastrophe im Skiort Crans-Montana hat der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin Opferfamilien und Überlebenden sein Beileid und Mitgefühl ausgesprochen.
© FABRICE COFFRINI

Der erste Tag im neuen Jahr sei zum Alptraum geworden, sagte Reynard im voll besetzten Kongresszentrum in Martigny. Diese jungen Menschen in der Bar „Le Constellation“ hätten nur feiern und ihren Traum leben wollen. „Heute sind wir hier, um Euch zu ehren, um Euch zu sagen: Wir werden Euch nie vergessen. Aber Worte und Schweigen werden nicht reichen. Heute müssen wir auch reden – darüber, wer die Verantwortung für das Unglück trägt“, sagte der Politiker mit bewegter und teils gebrochener Stimme.

Reynard dankte den Rettungskräften, den Spitälern im In- und Ausland, allen, die solidarisch waren. An die Jugend gerichtet sagte er: „Ihr dürft weinen, aber ihr dürft auch wieder lachen.“ Aus der gemeinsamen Erinnerung könne Kraft gewonnen werden.

Diskussion um Brandschutz in Bar

Ersten Ermittlungserkenntnissen zufolge wurde der Brand im Keller der Bar offenbar durch Feuerwerksfontänen ausgelöst, die an Sektflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke gehalten wurden. Die Ermittlungen konzentrieren sich unter anderem auf die Frage, ob die Schaumstoffdämmung an der Kellerdecke den Brandschutzvorschriften entsprach.

Unterdessen steht fest, dass der Kanton Wallis keinen Brandschutz-Bericht aus Crans-Montana erhalten hat. Die Behörden in Sitten gingen dennoch davon aus, dass die Kontrollen durchgeführt wurden – auch in der Unglücksbar „Le Constellation“. Auch wenn keine Berichte der Gemeinden vorliegen, gehe man davon aus, dass die gesetzlichen Brandschutzkontrollen durchgeführt wurden, erklärte Philipp Hildbrand, Leiter des Walliser Kantonalen Amtes für Feuerwesen. Er bestätigte in Interviews mit dem „Walliser Boten“ und dem Schweizer Radio und Fernsehen SRF, dass der Kanton im Falle der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana keinen Bericht erhalten habe.

Abgesehen vom Bau einer Veranda habe die Behörde keine weiteren Inspektionsberichte zu diesem Gebäude erhalten, sagte er. Wenn man keinen Bericht erhalten habe, gehe man davon aus, dass alles in Ordnung sei. Für die Kontrollen auf ihrem Gebiet seien die Gemeinden verantwortlich. Hildbrand räumte ein, dass die kantonale Brandschutzbehörde jedes Jahr eine große Anzahl von Berichten erhalten sollte, dass es in Wirklichkeit aber nur sehr wenige seien.

Was „Le Constellation“ in Crans-Montana betrifft, hatten die Gemeindebehörden am Dienstag zugegeben, dass die letzte Kontrolle der Bar aus dem Jahr 2019 stammt, obwohl gemäß Walliser Gesetzgebung eine jährliche Kontrolle vorgeschrieben ist. Hildbrand merkte an, dass diese Kontrollen in anderen Kantonen wie Bern oder Zürich nur alle fünf oder zehn Jahre stattfänden.

Roms Justiz fordert Obduktionen

Die Staatsanwaltschaft Rom hat indes eine Untersuchung zum Brand in Crans-Montana eingeleitet, bei dem auch sechs italienische Jugendliche ums Leben gekommen sind. Die Ermittler ordneten die Obduktionen der Leichen der italienischen Opfer an, die bisher nicht durchgeführt wurden, berichteten italienische Medien. Die römische Staatsanwaltschaft prüft mögliche Anklagen wegen fahrlässiger Tötung und Brandstiftung. Es ist ihre Aufgabe, Verbrechen im Ausland zu untersuchen, wenn italienische Staatsbürger betroffen sind.

Die Eltern der sechs verstorbenen Italiener machten inzwischen Druck auf die Regierung in Rom, damit diese als Zivilklägerin an einem Verfahren gegen die Betreiber der Bar teilnehmen. Elf italienische Verletzte kämpfen noch mit schweren Brandwunden im Mailänder Krankenhaus Niguarda um ihr Leben. (APA/dpa/sda)

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