Cobra-Beamter beschuldigt

Leiche von vermisster Steirerin gefunden: Polizei gibt Details bekannt

Rene Kornberger vom Landeskriminalamt, Landespolizeidirektor Gerald Ortner und Staatsanwalt Christian Kroschl (v.l.) gaben am Mittwochvormittag den Ermittlungsstand bekannt.
© APA/ERWIN SCHERIAU

Die entdeckte Leiche wurde als die 34-jährige Vermisste identifiziert. Der beschuldigte Polizist soll die Frau nahe seines Wohnorts vergraben haben. Ihr Handy habe er aus dem Auto geworfen. Die Behörden sprechen (zumindest noch) von einem „Vorfall“, nicht von einem Tötungsdelikt. Man wolle die Obduktion abwarten.

Graz – Die seit Freitag in der Steiermark vermisste 34-Jährige ist tot. Ihre Leiche wurde nun in einem Waldstück vergraben gefunden, bestätigten am Mittwoch Ermittler bei einer Pressekonferenz in der Landespolizeidirektion Steiermark.

„Es ist nun traurige Gewissheit“, sagte der steirische Landespolizeidirektor Gerald Ortner. Als tatverdächtig gilt ein 30-jähriger Mann, der die Polizei zum Fundort der Leiche führte, ein Wald nahe seines Wohnorts. Eine Obduktion wurde angeordnet.

📽️ Video | Pressekonferenz

Cobra-Beamter im Visier

Der verdächtige Polizeibeamte, der der Spezialeinheit Cobra angehört und im Bezirk Südoststeiermark in seinem Elternhaus lebt, soll „an dem Vorfall beteiligt gewesen sein, an dem sie zu Tode gekommen ist“, sagte Rene Kornberger vom Landeskriminalamt Steiermark. Im Anschluss habe der Verdächtige die Frau vergraben. Tatzeit dürfte am Freitag zwischen 19.00 Uhr und Mitternacht gewesen sein, hieß es seitens der Ermittler.

Das Mobiltelefon des Opfers war zuletzt am Freitag im Bereich Kirchberg ins Netz eingeloggt. Hinweise auf Mittäter gibt es bisher keine. Spuren im Schnee am Fundort der Leiche würden ebenfalls nicht darauf hindeuten, dass ihm jemand beim Vergraben geholfen habe.

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Keine Angaben zu Tötungsart

Weitere Details, etwa über die Tötungsart, wurden nicht genannt. Man wolle die Obduktion abwarten, sagte Christian Kroschl von der Staatsanwaltschaft Graz. Außerdem wolle man aus kriminaltaktischen Gründen manche Angaben noch nicht veröffentlichen.

Auch Spekulationen über eine mögliche Schwangerschaft des Opfers wurden nicht kommentiert. Diesbezüglich sei auch das Obduktionsergebnis abzuwarten. Als fix gilt, dass der 30-Jährige mit der Frau am 9. Jänner in ihrer Wohnung war. Wo die Frau zu Tode gekommen ist – in der Wohnung, in einem Auto oder im Bereich von Leibnitz – und unter welchen Umständen, sei unklar.

Auf den 30-Jährigen war man durch eine Freundin des Opfers gekommen. Sie hatte Nachrichten der 34-Jährigen am Mobiltelefon, die nahelegten, dass sie Freitagnachmittag mit dem Verdächtigen unterwegs war. Zunächst hatte der Polizist noch behauptet, dass er mit dem Opfer zuletzt im Dezember Kontakt hatte, dann gab er zu, mit der Frau am 9. Jänner – am Tag ihres Verschwindens – zusammen gewesen zu sein. Gesucht wird immer noch das Mobiltelefon der 34-Jährigen. Das soll der Mann zwischen Leibnitz und seinem Wohnort aus dem fahrenden Auto geworfen haben. Mehrere Sucheinsätze verliefen bisher allerdings ohne Erfolg.

Untersuchungshaft beantragt

Nach dem Teilgeständnis wurde der 30-Jährige noch Dienstagabend in die Justizanstalt Graz-Jakomini gebracht. Die Untersuchungshaft wurde beantragt und könnte noch am Mittwoch verhängt werden. Die Ermittlungen werden weiterhin vom Landeskriminalamt Steiermark geführt.

Polizeidirektor Ortner schloss eine mögliche Befangenheit aus, da das Einsatzkommando Cobra gar nicht der steirischen Polizei zugeordnet sei. Seit 2021 sei der Verdächtige Teil der Spezialeinheit.

Gestohlene Waffen entdeckt

Details wurden auch zu den gefundenen Waffen im Haus des Verdächtigen genannt: Neben jenen, die er legal besessen habe, wurde auch eine Dienstwaffe der Marke Glock gefunden, die 2019 bei der Polizeiinspektion Halbenrain in der Südsteiermark als gestohlen gemeldet wurde. Entdeckt wurde auch eine Trainingspistole, die in Wiener Neustadt gestohlen wurde.

Auch dienstrechtlich gibt es offene Fragen: Wie das Innenministerium am Mittwoch mitteilte, wurde der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit beauftragt, zu prüfen, wie der Verdächtige in den Besitz einer fremden Dienstwaffe – zusätzlich zu seinen privaten, legal besessenen Faustfeuerwaffen – gelangt ist. Auch, wie er zu der Übungspistole – einem einer Glock-Dienstpistole ähnlich sehenden blauen Gegenstand, der nicht abgefeuert werden kann und daher auch nicht im waffenrechtlichen Sinn als Waffe gilt – kam, soll überprüft werden, erläuterte ein Sprecher des Innenministeriums. Darüber hinaus geht es um die Frage, wie der Cobra-Beamte an die größere Menge Munition gelangt ist, die bei ihm gefunden wurde.

„Der Generaldirektor für die öffentliche Sicherheit wurde beauftragt, die internen Abläufe beim Einsatzkommando Cobra - Außenstelle Süd zu prüfen“, hieß es wörtlich. Die interne Prüfung solle die Direktion für Spezialeinheiten, zu der das Eko Cobra gehört, „unter Einbindung von Fachkräften und Experten des Innenministeriums“ durchführen. (APA)

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