Verfahren gegen Kursleiterin

Zwei Tiroler unter Opfern: Ermittlungen nach Lawinenabgang mit vier Toten im Pongau

Drei Männer und eine Frau kamen bei dem Lawinenabgang am Samstag ums Leben.
© APA/HUNDESTAFFEL BERGRETTUNG

Nach dem Lawinenunglück mit vier Toten am Samstag in Großarl wurde ein Ermittlungsverfahren gegen die Kursleiterin wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Ein Sachverständiger wurde bestellt.

Großarl – Nach dem Lawinenunfall einer Alpenvereinsgruppe im Großarltal im Pongau mit vier Toten am Samstag hat die Staatsanwaltschaft Salzburg ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ermittelt wird gegen die Bergführerin, die die Gruppe geführt hatte, wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, sagte die stellvertretende Mediensprecherin Elena Haslinger am Montag. Außerdem wurde noch am Wochenende ein Sachverständiger bestellt, der die Unfallursache ermitteln soll. Mehr könne sie derzeit noch nicht sagen, weil die Ermittlungen noch am Anfang stehen, betonte Haslinger.

Zwei Tiroler unter Opfern

Die Lawine war Samstagnachmittag unterhalb des Thronecks auf einer Seehöhe von etwa 2000 Metern abgegangen. Die Schneemassen erfassten die Richtung Finsterkopf aufsteigende siebenköpfige Skitourengruppe, rissen sie mit und verschütteten alle völlig. Für zwei Männer aus Tirol im Alter von 65 und 63 Jahren, eine 60-Jährige aus der Steiermark sowie einen 53-Jährigen aus Oberösterreich kam jede Hilfe zu spät. Sie konnten nur mehr tot ausgegraben werden.

Ein 58-jähriger Salzburger konnte sich selbst aus den Schneemassen befreien. Er blieb unverletzt, setzte die Rettungskette in Gang und begann sofort, seine Kameraden zu suchen und auszugraben. Alle Kursteilnehmer hatten Lawinenverschütteten-Suchgeräte (LVS) bei sich. Ein Mann und eine Frau konnten noch lebend aus der Lawine befreit werden.

Gruppe war erfahren

Bei der Gruppe handelte es sich um einen Kurs im Rahmen des regulären Winterausbildungsprogramms des Alpenvereins. Laut Gerald Zagler, Sprecher des Alpenvereins, war der Kurs für erfahrene Tourengeher von einer Bergführerin geleitet worden. Die Ermittler der Alpinpolizei und Sachverständige müssen nun klären, ob die Frau Mitschuld am Unglück trägt.

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Laut Josef Hettegger, stellvertretender Bezirksleiter der Bergrettung Pongau, wird sich an der teils kritischen Schneelage in absehbarer Zeit wenig ändern. „Wir haben viele labile Auflagen, wo die Verbindung zum Untergrund ganz schlecht ist, die schon bei geringer Belastung abgehen können. Das ist ganz schwer einzuschätzen“, sagte er bei einem Mediengespräch am Montag. Er appellierte auch, sich auf das Bauchgefühl zu verlassen. „Das Ziel ist nicht der Gipfel, sondern wieder gesund nach Hause zu kommen.“

Bezirksleiter Gerhard Kremser sprach von einer schwierigen Zeit für seine Organisation. „Wir hatten im Pongau auf sehr kleinem Raum in sieben Tagen sieben Totbergungen, sechs Lawinentote und einen erfrorenen Urlauber. Einige Retter waren bei der Bergung von sechs Toten dabei, darunter ein 13-jähriges Kind. Das ist sehr belastend.“ Die Bergrettung habe zum Glück schon vor 20 Jahren begonnen, Peers auszubilden, die nach solchen Einsätzen die Kameraden betreuen können, ergänzte Hettegger.

Bei einer weiteren Lawine in Bad Hofgastein kam ebenfalls am Samstag noch eine Skitourengeherin vor den Augen ihres Mannes ums Leben. (APA, TT.com)