„Sie nannten mich Daddy“: US-Präsident Trump sorgt mit wirrer Rede in Davos für Kopfschütteln
Bei seiner Rede in Davos sorgte US-Präsident Donald Trump mit teils kuriosen Aussagen für Kopfschütteln und Gelächter. Während er unter anderem Grönland mit Island verwechselte, blieben geplante Treffen mit europäischen Staatschefs aufgrund von Verspätungen und Absagen aus.
Davos – Zwei südafrikanische Geschäftsleute brechen immer wieder in Gelächter aus, als sie im Foyer des Konferenzzentrums in Davos die Rede von US-Präsident Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum am Bildschirm verfolgen. Auch andere Besucher, die keinen Platz mehr im Saal bekommen haben, rollen mit den Augen und greifen sich an den Kopf, als Trump sich zahlreicher Großtaten brüstet, Grönland mit Island verwechselt, auf Windräder schimpft und sich über Medikamentenpreise entrüstet.
„Einfach nur lächerlich“, sagt ein Besucher. Wegen des Streits um das von Trump mit Vehemenz für die USA eingeforderte Grönland galt die Rede schon im Voraus als Höhepunkt des Treffens. Lange bevor der US-Präsident überhaupt eingetroffen war, bildeten sich lange Schlangen im Konferenzzentrum. Würde er aggressiv auftreten? Sich versöhnlich zeigen?
Am Ende tritt Trump in seiner Lieblingsrolle auf – einer Mischung aus narzisstischem Politiker und gutmütigem Onkel, der seine undankbaren Neffen maßregelt. Zu denen zählt etwa die NATO, die ihm Grönland vorenthalten wolle – obwohl sie ihn doch eigentlich ganz gern habe. „Sie haben mich Daddy genannt“, sagt er mit Blick auf NATO-Generalsekretär Mark Rutte.
Zur Beruhigung vieler verspricht Trump mit Blick auf Grönland immerhin, „keine Gewalt“ anzuwenden. Trotzdem untermauerte Trump den Besitzanspruch der USA auf Grönland. Die Vereinigten Staaten bräuchten es für die „nationale und internationale Sicherheit“ - und nur die USA könnten „dieses riesige Landgebiet, dieses riesige Stück Eis, schützen, erschließen und verbessern“. In seiner gut einstündigen Ansprache verwechselt der 79-Jährige Grönland mehrfach mit Island.
Begeisterungsstürme löst er in Davos damit nicht aus. Bei seiner Ankunft und am Ende seiner Rede stehen zwar viele im Saal auf – aber eher um mit dem Mobiltelefon zu fotografieren, als um zu applaudieren.
Lob für eigene Zollpolitik
In seiner Rede lobte Trump zudem seine eigene, stark umstrittene Wirtschafts- und Zollpolitik. „Anstatt Steuern zu erhöhen oder einheimische Produzenten zu fördern, senken wir diese und erhöhen die Zölle für ausländische Nationen, um für die Schäden aufzukommen, die sie verursachen“, so Trump.
Auch seine – bei Ökonomen stark umstrittene Haushaltspolitik – lobte der US-Präsident: „Wir haben die Bundesausgaben um 100 Milliarden Dollar gekürzt und das Haushaltsdefizit des Bundes in einem einzigen Jahr um 27 Prozent gesenkt. Es wird noch deutlich weiter sinken, wodurch die Inflation von den Rekordhöhen der Biden-Regierung deutlich zurückgehen wird.“
Seinen angeordneten Eingriff in Venezuela rechtfertigte der US-Präsident und kündigte goldene Zeiten für das südamerikanische Land an. Die 50 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter), die die USA aus Venezuela erhalten würden, würden zwischen beiden Ländern aufgeteilt, so Trump. „Vor 20 Jahren war (Venezuela) ein großartiges Land, aber jetzt haben sie Probleme“, sagte Trump. Aber die USA würden nun helfen. „Venezuela wird in den nächsten sechs Monaten mehr Geld verdienen als in den vergangenen 20 Jahren, alle großen Ölkonzerne kommen ins Land. Es ist unglaublich“, sagte Trump. Dem Land werde es großartig gehen. Auch die US-Gasproduktion sei unter seiner Führung gestiegen und jetzt auf einem Allzeithoch, sagte der Staatschef.
„Tougher“ Macron und kein Treffen mit Merz
Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz, der schon einen Tag vor seiner für Donnerstag geplanten Rede nach Davos gereist war, trifft am Ende doch nicht mit Trump zusammen – wegen technischer Probleme seines Flugzeugs musste der US-Präsident die Maschine wechseln und trifft mit zweistündiger Verspätung in Davos ein. Merz hatte angesichts der Grönland-Krise und der jüngsten Zolldrohungen erklärt, sich um ein Treffen mit Trump bemühen zu wollen. Stattdessen wollte der US-Präsident in Davos die Staats- und Regierungschefs von Polen, Belgien und Ägypten treffen, wie seine Sprecherin mitteilte.
Der französische Präsident Emmanuel Macron war bereits am Vorabend wieder abgereist – ihn scheint Trump gerade besonders auf dem Kieker zu haben. „Ich habe ihn gestern mit seiner Sonnenbrille gesehen“, sagt er in seiner Rede. Macron sei „schon irgendwie tough“, fügt er ironisch hinzu. Ein Grund dürfte Frankreichs Ablehnung sein, dem von Trump geplanten „Friedensrat“ beizutreten.
Diesem Gremium will Trump seinen zweiten Tag im verschneiten Davos widmen. Mehr als 50 Staaten hat der US-Präsident eingeladen, für eine Milliarde Dollar dauerhafte Mitglieder in dem Gremium zu werden, das der UNO Konkurrenz machen soll. Neben Frankreich haben auch Schweden, Norwegen und Italien bereits abgelehnt, der Institution beizutreten, der Trump nach eigenen Plänen mit sehr weitreichenden Befugnissen vorsitzen soll.
Unklar blieb noch, ob der US-Präsident in Davos noch den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen wird. In seiner Rede wähnte Trump ihn am Mittwoch „im Publikum“, woraufhin das ukrainische Präsidialamt erklärte, dass Selenskyj sich in Kiew befinde. Eigentlich hätte die Zukunft der Ukraine eines der wichtigsten Themen der Davos-Konferenz sein sollen. Aber dann schob sich „ein Stück Eis“ dazwischen, wie Trump Grönland beschrieb. (APA)
Keine Strafzölle für EU
Einigung statt Eskalation: Streit im Weißen Haus über Trumps Grönland-Kurs
Bei Rede in Davos