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Der Moment, der alles änderte: „Blind Climber“ Andy Holzer spricht über seinen Schicksalstag

Mit Marianne Hengl hat Andy Holzer zum ersten Mal darüber gesprochen, was ihm im vergangenen Sommer zugestoßen ist.
© RollOn/Andrea Lindner

Der Osttiroler Alpinist lag im vergangenen Jahr mehrere Wochen im künstlichen Tiefschlaf. Er hatte eine schwere Hirnblutung erlitten. Mit Marianne Hengl spricht er in den „LICHTblicken“ erstmals über den Weg zurück ins Leben.

Tristach – Es gibt Tage, die sind fest im Gedächtnis von Andy Holzer, der als „Blind Climber“ bekannt ist, verankert. Der 16. August 1975 zum Beispiel, an dem der von Geburt an blinde Bub zum ersten Mal auf dem Gipfel des Spitzkogels in den Osttiroler Dolomiten stand. „Es war die erste Bergtour mit meinen Eltern. Als wir oben waren, habe ich das Gipfelkreuz umarmt.“ Auch den 21. Mai 2017 wird er nie vergessen: Mit seinen beiden Begleitern Wolfgang Klocker und Klemens Bichler bezwang er den Mount Everest. „Ich war der zweite blinde Mensch, der auf dem Gipfel stand und der erste Blinde, der über die tibetische Nordroute aufgestiegen ist“, sagt der Osttiroler.

In der neuen Ausgabe der „LICHTblicke & Wegweiser“ spricht Andy Holzer mit Marianne Hengl nun zum ersten Mal über den 22. Juli 2025. „Bis jetzt wusste niemand, was mir passiert ist. Als Marianne bei mir angerufen hat, wollte ich den Moment nutzen und öffentlich darüber reden“, erklärt Andy Holzer. Er wolle seine Geschichte mit jemandem teilen, der selbst alle Höhen und Tiefen des Lebens kennt.

📽️ Video | Marianne Hengl im Gespräch mit Andy Holzer

„Es war ein Dienstag, um 9.30 Uhr, ich war in meinem Haus in Tristach. Das Wetter war schön“, erinnert sich der 59-Jährige. „Plötzlich hatte ich das Gefühl, ein Lkw fährt über mich darüber.“ Er konnte noch zweimal den Namen seiner Partnerin rufen, sich mit einem Pfiff bemerkbar machen, dann brach er zusammen.

Er selbst nennt es einen „Rohrbruch im Gehirn“. „Ich hatte ein Aneurysma, es folgte eine schwere Hirnblutung.“ Seine Lebensgefährtin Gabi sezte den Notruf ab, vom Lienzer Krankenhaus wurde er sofort in die Innsbrucker Klinik geflogen. Nach der Operation lag er mehrere Wochen im künstlichen Tiefschlaf. „Es war ein ganz langsames Aufwachen“, sagt Andy Holzer. Es folgten weitere Wochen auf der Intensivstation im Krankenhaus Lienz und die Reha in Hochzirl. „Ich war bis Mitte November unterwegs.“

Egal, was kommt im Leben: Mit dem letzten Atemzug kannst du nicht mehr viel tun. Aber mit dem vorletzten Atemzug kannst du noch alles machen
Andy Holzer

Eigentlich, so erzählt er Marianne Hengl, hatte er gedacht, er sei jetzt in einem „gemütlicheren Lebensabschnitt“ angekommen. Nun musste er den Weg zurück ins Leben finden. Dass er gut trainiert war, hat ihm sicher geholfen. „Aber Heilung haben mir die Menschen gebracht. Jemand, der bei einem steht, der einen nicht fallen lässt“, ist Andy Holzer überzeugt. Seine Partnerin Gabi, aber auch seine Familie, waren die Menschen an seiner Seite.

Als Bergsteiger hat er viele Erfolge gefeiert. „Was ich mit viel Schmerzen, viel Tränen und Traurigkeit erfahren musste, ist, dass Leistung auf höchstem Niveau, wie ich sie betrieben habe, zwar gut und recht ist, aber das nicht das Ende der Bergspitze ist.“ Es seien die einfachen Dinge, die zählen, betont er. Und er will mit seiner Geschichte Mut machen. „Egal, was kommt im Leben: Mit dem letzten Atemzug kannst du nicht mehr viel tun, da ist es vorbei. Aber mit dem vorletzten Atemzug kannst du noch alles machen.“

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Catharina Oblasser

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