Mehrere Menschen erfroren

Schneegestöber, Flugchaos, Hunderttausende ohne Strom: Wintersturm legt Teile der USA lahm

Vor dem Capitol in Washington wird Wintersport betrieben.
© IMAGO/Andrew Leyden

Die Auswirkungen des Wintersturms in den USA werden immer weitreichender. Stromausfälle häufen sich. In den nächsten Tagen bleibt es eiskalt - Millionen US-Amerikaner müssen sich weiter auf Einschränkungen einstellen.

Beim winterlichen Unwetter in den USA sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Die Zeitung USA Today berichtete unter Berufung auf örtliche Behörden von mindestens 13 Toten in fünf US-Bundesstaaten seit dem Wochenende, der Sender CNN von mindestens elf. Die in den US-Medien genannten Zahlen schwankten, je nachdem, wie eindeutig die Todesursachen mit dem Extrem-Winter in Zusammenhang gebracht wurden, der weite Teile Nordamerikas im Griff hat.

Als vermutlich erfroren galten demnach fünf Menschen, die laut New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani am Wochenende in der Millionenmetropole tot im Freien gefunden wurden. Eine offizielle Todesursache wurde jedoch bisher nicht festgestellt. Tod durch Unterkühlung galt auch in den Fällen von drei Menschen in den US-Bundesstaaten Kansas, Michigan und Texas laut Behörden als wahrscheinlich. Deren Leichen wurden – teils nach stundenlanger Suche – jeweils in eisiger Kälte gefunden. Bereits am Sonntag hatte die zuständige Gesundheitsbehörde im Caddo Parish im Bundesstaat Louisiana den Tod zweier Männer an Unterkühlung gemeldet.

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Glätteunfälle endeten tragisch

Eisglätte und Sturm führten vielerorts zu schweren Verkehrsunfällen und Massenkarambolagen. In den südlichen Bundesstaaten Texas und Tennessee starben dabei mindestens zwei Menschen. In Tennessee meldeten die Behörden insgesamt drei Tote in Verbindung mit dem Wetter, wobei unklar war, inwiefern die Zahl der Behörden den Verkehrstoten einschloss.

Zu den Opfern des harschen Winters zählte USA Today zudem einen 17-Jährigen im Bundesstaat Arkansas, der sich von einem Quadfahrzeug auf einem Schlitten hatte ziehen lassen und dabei gegen einen Baum prallte. Der Jugendliche erlag nach Angaben des Sheriff-Büros noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen.

Einer der verheerendsten Winterstürme der vergangenen Jahre hat in vielen Regionen der USA den Alltag mit Stromausfällen, gestrichenen Flügen und geschlossenen Schulen weitgehend lahmgelegt. Auch in den nächsten Tagen bleibt es in der Region eiskalt.

New York im Schneechaos.
© IMAGO/Bryan Smith

Mehr als eine Million Haushalte ohne Strom

Der Internetseite PowerOutage.com zufolge waren Sonntagabend mehr als eine Million Haushalte vor allem im Süden der USA ohne Strom. Im US-Staat Tennessee waren es mehr als 330.000 Haushalte, in Mississippi mehr als 170.000, in Louisiana mehr als 140.000 und in Texas mehr als 90.000.

Der Wetterbehörde NWS zufolge könnten die Stromausfälle länger andauern. Sie warnte zudem vor großen Schäden an Bäumen und „sehr gefährlichen“ Verkehrsbedingungen mit erheblichen Einschränkungen.

An mehreren großen Flughäfen wie in Washington, Philadelphia und New York wurden am Sonntag fast alle Flüge gestrichen. Der Internetseite Flightaware.com zufolge fielen landesweit fast 15.000 Flüge aus. Viele staatliche Behörden sollen am Montag geschlossen bleiben.

Der Sturm zieht seit Samstag über weite Teile der USA, Heimatschutzministerin Kristi Noem hatte im Vorfeld vor einem „historischen Wintersturm“ gewarnt. Die Meteorologen gehen davon aus, dass mindestens 160 Millionen Menschen im ganzen Land von dem Sturm betroffen sein werden.

Der Flughafen in Washington bleibt leer.
© IMAGO/Mehmet Eser

Wintersport mitten in New York und Washington

Trotz der angespannten Lage prägen auch fröhliche Winterszenen das Stadtbild: In der Millionenmetropole New York etwa fahren Leute Ski. Mitten in Washington sieht man Kinder an den verschneiten Hängen des US-Kapitols Schlitten fahren. Auch hier sind Menschen auf Skiern unterwegs.

Die Einwohner der Hauptstadt wurden aufgerufen, Taschenlampen bereitzulegen und ihre Handys vorsorglich aufzuladen. Die Büros der Bundesbehörden sollen heute geschlossen bleiben.

Mit Skiern in New York unterwegs – ein seltener Anblick.
© IMAGO/JOHN ANGELILLO

Trump mahnt zur Vorsicht

US-Präsident Donald Trump mahnte die Bürgerinnen und Bürger zur Vorsicht. „Bleiben Sie sicher und bleiben Sie warm“, erklärte er in seinem Onlinedienst Truth Social. Der bekennende Klimaskeptiker nahm den Sturm außerdem zum Anlass, erneut seine Zweifel an dem Klimawandel zu äußern: „Könnten die Klima-Aufrührer mir bitte erklären: Was ist mit der Erderwärmung passiert?“

Die extreme Wetterlage wird ausgelöst durch eine Verformung des Polarwirbels, dadurch gelangt kalte Luft von der Arktis nach Süden. Forschende gehen davon aus, dass das gehäufte Auftreten dieses Phänomens mit dem Klimawandel zusammenhängen könnte.

Wie lange bleibt es noch so?

Der Nationale Wetterdienst warnt weiterhin vor Eisregen, der die Straßen gefährlich glatt macht. Eisige Temperaturen sind auch für die nächsten Tage vorhergesagt. Der Sturm werde von der Ostküste am Montag Richtung Atlantik weiterziehen, hieß es. (dpa)