Wie Trump jetzt versucht, den politischen Schaden zu begrenzen
Der US-Präsident entzieht Heimatschutzministerin Kristi Noem und ihrem Kommandeur Gregory Bovino den Einsatz in Minneapolis.
Zwei Tage nach den tödlichen Schüssen von US-Bundesbeamten auf den Pfleger Alex Pretti hat die Trump-Administration den Rückwärtsgang eingelegt. Am Montag wurden vier Maßnahmen bekannt, die offenkundig den politischen Schaden begrenzen sollen.
Erstens mäßigte das Weiße Haus den Tonfall. Sprecherin Karoline Leavitt sprach von einer „Tragödie“, deren Untersuchung abzuwarten sei. Am Wochenende hatte die Regierung das Opfer noch als linken Gewalttäter abgestempelt.
Bovino verliert Titel und Account
Zweitens will das Weiße Haus laut Medien Gregory Bovino aus Minneapolis abberufen. Der Einsatzleiter der Grenzschutz-Truppen war zum Gesicht der Einwanderer-Razzien in US-Metropolen geworden. Mit ihm sollen weitere Bundesbeamte abziehen.
Den Berichten zufolge verliert Bovino auch seinen Titel „Commander at large“ und seinen Social-Media-Account, auf dem er oft Clips von Einsätzen postete, die wie Actionfilme wirkten. Der 56-Jährige war auch durch einen Mantel aufgefallen, der an Nazi-Offiziere erinnert. Er soll nun wieder für die Überwachung eines Abschnitts an der Grenze zu Mexiko zuständig sein.
Versuch des Dialogs mit Demokraten
Drittens rief Präsident Donald Trump den Gouverneur von Minnesota an, den Demokraten Tim Walz. Das Telefonat sei sehr gut gewesen, teilte Trump danach mit. Bis dahin hatte er Walz als u.a. durchgeknallt und als Versager beschimpft. Auch den Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, rief der Präsident an. Die Demokraten fordern von ihm den Rückzug der Bundesbeamten.
Viertens hat Trump offenbar seine Heimatschutzministerin Kristi Noem ausgebootet, die Vorgesetzte von Bovino und politisch unmittelbar Zuständige für die Brutalität der Bundesbeamten. Er kündigte an, dass stattdessen sein „Grenz-Zar“ Tom Homan den Einsatz in Minneapolis übernehmen soll. Homan ist Trump direkt unterstellt und soll mit Noem im Streit liegen.
Todesschüsse wurden zur politischen Belastung
Als ein möglicher Grund für die Kurskorrektur des Weißen Hauses gilt die Drohung der Demokraten, den Haushaltsentwurf zu blockieren. Außerdem wurde die Erschießung von Pretti rasch zur politischen Belastung. Videos widerlegen die Darstellung von Bovino, Noem und anderen Hardlinern in der Trump-Administration, wonach die Bundesbeamten in Notwehr geschossen hätten.
Dazu kommt, dass die öffentliche Meinung ein Dreivierteljahr vor den Kongresswahlen immer stärker gegen die Massendeportationen dreht. Trump soll deshalb am Wochenende zahlreiche Anrufe von besorgten Republikanern erhalten haben.