Biennale von Venedig: Österreichs Pavillon wird 2027 zur Bühne für Bosnien
Österreich setzt ein Zeichen europäischer Solidarität: Für die Architekturbiennale 2027 wird der heimische Pavillon in Venedig Bosnien und Herzegowina zur Verfügung gestellt. Ein bosnisch-österreichisches Kuratorenteam will dabei an die bewegte Geschichte des Holiday Inn in Sarajevo erinnern und einen Ort der Begegnung schaffen.
Österreich wird seinen Biennale-Pavillon in Venedig für die 20. Architekturbiennale 2027 Bosnien und Herzegowina zur Verfügung stellen. Dies werde „ein starkes kulturpolitisches Zeichen setzen“, zeigte sich Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) am Dienstag bei der Präsentation des interdisziplinären bosnisch-österreichischen Kuratorenteams überzeugt. Adna Babahmetović, Ajna Babahmetović und Sebastian Höglinger wollen dabei an die Lobby des Holiday Inn in Sarajevo erinnern.
Das von einer unabhängigen Jury vorgeschlagene Projekt mit dem Titel „Koncesija / Konzession / Concessione“ sei „ein mutiger, ein kluger und ein zutiefst politischer Vorschlag“, so der Vizekanzler. Die Architekturbiennale sei ein Ort, an dem auch gesellschaftliche Fragen verhandelt werden, deswegen sei die Entscheidung nicht nur „gelebte europäische Solidarität“ mit einem Land, mit dem es vielfältige Verbindungen und Verflechtungen gebe, sondern passe auch inhaltlich, indem die teilweise nachgebaute Hotellobby als Vermittlungsraum genutzt werde: „Der Hoffmann-Pavillon wird zum diplomatischen Parkett, zur Bühne für ein diplomatisches Rollenspiel.“
Die Biennale di Venezia
Die Biennale di Venezia ist eine der bedeutendsten internationalen Kunst- und Kulturausstellungen weltweit. Sie findet seit 1895 in Venedig statt.
Im jährlichen Wechsel werden die Kunstbiennale und die Architekturbiennale veranstaltet.
Das Herzstück der Ausstellung sind die nationalen Pavillons in den Giardini della Biennale, in denen die teilnehmenden Länder ihre Beiträge präsentieren.
Der österreichische Pavillon wurde 1934 nach Plänen von Josef Hoffmann errichtet und steht unter Denkmalschutz.
Lobbying in der Lobby
Bosnien-Herzegowina hat keinen eigenen Biennale-Pavillon. Die Zwillingsschwestern Ajna und Adna Babahmetović, die an der TU Graz Architektur studierten, wollen die fragmentarische Replik der Lobby auch für das Lobbying für einen künftigen eigenen Biennale-Pavillon ihres Landes nutzen. Österreich stellt wie 2025, als der Pavillon unter dem Titel „Agency for Better Living“ die Wohnungskrise in Wien und Rom thematisierte, 600.000 Euro zur Verfügung.
Das Holiday Inn in Sarajevo, vor den Olympischen Winterspielen 1984 eröffnet, ist zugleich ein architektonisches und ein zeithistorisches Denkmal. Während der Belagerung von Sarajevo in den 1990er-Jahren wurde der an der „Sniper Alley“ gelegene Hotelkomplex schwer beschädigt und war zugleich Unterkunft für internationale Journalisten. In Venedig soll eine „fragmentarische Replika“ der Lobby entstehen, die sich am ikonischen geometrischen Muster des Fliesenbodens orientiert.
„We come from the future“
Im Pavillon soll ein vielfältiges Austauschprogramm realisiert werden. „In Bosnien ist schon viel passiert, was Europa erst erleben wird“, meinten die Kuratorinnen. Ein Schwerpunkt wird ein Filmprogramm sein, für das mit dem Sarajevo Film Festival und der Viennale kooperiert wird. Der Besuch des Pavillons solle aber nicht nur nachdenklich stimmen, sondern „auch lustvoll“ sein, betonte Ex-Diagonale-Co-Leiter Sebastian Höglinger. Man biete „eine invasive Erfahrung“ und hoffe „auf das Kopfkino der Besucher“. Höglingers Motto: „Es muss getanzt werden, es muss vernetzt werden.“ (APA)