Schäumendes Bad für Offroad-Ikone: Die G-Klasse ist mit allen Wassern gewaschen
Im 47. Jahr seines Bestehens ist der Geländewagen-Klassiker von Mercedes so vielseitig wie nie: Mit Diesel, Turbobenziner oder einem Elektromotoren-Quartett meistert der Offroader abenteuerliche Hindernisse.
Es ist einerseits paradox, einen Sportwagen übers Berggelände und durchs Wasser zu peitschen, andererseits mutet es widersprüchlich an, einen rustikalen Geländewagen über die Rundstrecke zu jagen. Das Paradoxe hat Gestalt angenommen, und zwar als G-Klasse von Mercedes. Mit dem kann der Nutzer oder die Nutzerin allerlei machen, und zwar viel mehr, als die äußere Darstellung vermuten ließe.
Beginnen wir mit dem kastenartigen Aufbau, mit der großzügigen Bodenfreiheit, die mit größeren Böschungs- und Rampenwinkeln einhergeht. Setzen wir fort mit üppigen Trittbrettern an der Seite, einem umfassenden Unterfahrschutz, einem Ersatzreifen auf der seitlich angeschlagenen Hecktür. Und beenden wir die Aufzählung vorläufig mit der Beschreibung des Antriebssystems, das offroadgerecht ausgeführt ist. Untersetzungsgetriebe und drei manuell aktivierbare Differenzialsperren (bei Verwendung konventioneller Verbrennungsmotoren) geben einen Hinweis darauf, dass die G-Klasse fürs Steile, fürs Steinige, fürs Sandige und fürs Schlammige gemacht ist. Schräglagen (bis zu 35 Grad), Steigungen (bis zu 100 Prozent) und Wasserstellen (bis zu 900 mm Wattiefe im Falle der vollelektrischen Version G 580 EQ) sind der G-Klasse zuzumuten.
Der Zumutungen gibt es viele – doch kein Problem für den Offroader
Die Zumutungen sind nicht zu Ende: Die G-Klasse quält sich nicht nur im Gelände, sondern auch auf Asphalt. Sie legt sich genussvoll mit physikalischen Gesetzen an, etwa als AMG-Variante, die mit einem aufgebohrten V8-Turbobenziner längsdynamisch das Temperament eines Supersportwagens offenbart und querdynamisch die Haftgrenzen ausreizt. Elektronische Hilfsmittel sind ihr nicht fremd, um Ausritte oder Kippneigungen zu unterbinden.
Erstaunlich ist die Spreizung, die die G-Klasse vollzieht: Geht es zuerst steil hinauf, und zwar polternd übers Felsgestein, folgt das Modell souverän kriechend den rutschigen Abhang hinunter; sprintet der Geländewagen zügig über die Gerade und wedelt flott durch die Slalomgasse, watet er betulich durch die Wasserfurt. Den krönenden Abschluss liefert dann noch der vollelektrische G 580 EQ, dessen vier radnahe E-Motoren dank G-Steering einerseits enge Kurvenradi ermöglichen und dank G-Turn andererseits eine doppelte 360-Grad-Drehung im Stand erlauben.
Mehr Pirouette als Roulette
Damit die hier exerzierten Erlebnisse nicht zu einem Glücksspiel ausarten, bedarf es entweder einschlägiger Erfahrungen oder einer fachkundigen Anleitung von Instruktoren – etwa jener, die wir im G-Class Experience Center in Graz erleben durften (Info: g-class-experience.com).