Künstliche Intelligenz als Chance

Die KI verlegt kein Heizungsrohr

Gerade handwerklichen Lehrberufen, die praxisbezogen sind und auf Geschick und Können basieren, droht durch KI keine Gefahr. Dagegen können KI-Tools etwa bei der Planung äußerst hilfreich sein.
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Für den Fachkräftekoordinator der WK Tirol stellt KI keine Bedrohung für Lehre und Handwerk dar. Ganz im Gegenteil.

Die seit einigen Jahren stetig zunehmende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz hat auch große Auswirkungen auf das Berufsleben. David Narr, Fachkräftekoordinator der WK Tirol, sieht KI als nützliches Werkzeug.

In welchen Bereichen der Lehre wird KI künftig eine Rolle spielen? Was ist Ihre Vision für die Lehre der Zukunft?

David Narr: KI wird in der Fachberufslehre dort eingesetzt werden, wo heute schon digital gearbeitet wird: in Planung, Organisation, Dokumentation, Kalkulation oder Kundenkommunikation. Das betrifft technische, kaufmännische und auch viele handwerkliche Lehrberufe. Meine Vision ist klar: Die Lehre bleibt praxisnah und menschlich, wird aber dort digitaler, wo es sinnvoll ist. Die KI hat keine Hände. Sie kann unterstützen und vorbereiten, aber nicht auf der Baustelle entscheiden oder Probleme vor Ort lösen. Diese Kombination macht die Lehre absolut zukunftsfit.

Welche Chancen bietet KI-Einsatz in der Lehre? Welche Berufsfelder könnte KI revolutionieren?

Narr: KI kann Lehrlinge entlasten und ihre Ausbildung verbessern – etwa durch Lernunterstützung oder effizientere Arbeitsvorbereitung. Stark verändern wird sie vor allem Tätigkeiten mit viel Wissensarbeit, Routinen oder Textverarbeitung, also klassische Büroberufe. Im Handwerk sehe ich weniger eine Revolution als eine Ergänzung: bessere Planung, genauere Messungen, effizientere Abläufe. Wer ein Handwerk beherrscht und KI richtig nutzt, wird aufgewertet, nicht ersetzt.

„Wer ein Handwerk beherrscht und KI richtig nutzt, wird aufgewertet, nicht ersetzt.“

Davd Narr, Fachkräftekoordinator Wirtschaftskammer Tirol

Wie muss die Lehrlingsausbildung angepasst werden, um Lehrlinge nicht nur zu Anwendern, sondern zu kompetenten Gestaltern im Umgang mit KI-Werkzeugen zu machen? Wie kann den Tiroler Betrieben diese Umstellung gelingen?

Narr: Lehrlinge müssen verstehen, was KI kann – und was nicht. Es geht nicht darum, Programmierer auszubilden, sondern digitale Grundkompetenzen, kritisches Denken und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Das gelingt am besten praxisnah im Betrieb, unterstützt durch moderne Berufsschulen. Viele Tiroler Betriebe sind hier bereits auf einem guten Weg. Wichtig ist, dass KI als hilfreiches Werkzeug benutzt wird. Der Mensch arbeitet mit der KI und nicht umgekehrt.

Viele fürchten die wachsende Bedeutung von KI. Bleibt der Faktor Mensch in der Lehrlingsausbildung und auch im Beruf unersetzlich?

Narr: Ja, ganz klar. Gerade in der Lehre und im Handwerk bleibt der Mensch zentral. KI kann analysieren und Vorschläge machen. Sie kann keine Heizrohre verlegen, keine Dämmplatten montieren, keine Mauer im fünften Stock im Altbau versetzen. Handwerkliches Können und situative Entscheidungen lassen sich nicht automatisieren. Handwerk bleibt Handwerk.

Wie geht es den Tiroler Betrieben mit dem Thema KI? Gibt es Unterstützungsangebote von Seiten der Wirtschaftskammer?

Narr: Die Betriebe gehen pragmatisch an das Thema heran. Viele nutzen bereits digitale und KI-gestützte Tools – etwa in Planung, Einkauf oder Kommunikation. Die Wirtschaftskammer unterstützt mit Information, Beratung und Qualifizierungsangeboten. Unser Ziel ist es, Orientierung zu geben und zu zeigen: KI ist ein Werkzeug – und richtig eingesetzt ein Vorteil für Betriebe und Lehrlinge.