Aus Liebe zu den Tieren

Traumberuf zwischen Skalpell und Streicheleinheiten

Selina mit einem tapferen Patienten. Geht es dem Tier wieder gut, ist das immer auch ein Erfolgserlebnis.
© KUFvets

Tiere sind ihr Ein und Alles. Mit der Lehre zur Tierärztlichen Ordinationsassistentin macht Selina ihre große Leidenschaft zum Beruf.

„Ich war immer sehr tierlieb und von klein auf von Tieren umgeben. Mit ihnen zu arbeiten, ihre Anatomie zu verstehen – das ist einfach faszinierend.“ Selina absolviert ihr zweites Lehrjahr als angehende Tierärztliche Ordinationsassistentin in der Tierarzpraxis KUFvets in Kufstein. Dort fühlt sich die 17-jährige Scheffauerin seit ihrem ersten Tag pudelwohl. „Das Team hat mich sofort sehr herzlich aufgenommen und mir alles gezeigt. Es ist immer jemand da, der einem hilft oder auch Dinge mehrmals erklärt, wenn man etwas nicht sofort versteht.“

Eigentlich hatte Selina ursprünglich mit dem Gedanken gespielt, Lehrerin oder Krankenpflegerin zu werden. Doch das änderte sich schlagartig beim ersten Tierarztbesuch mit der eigenen Katze. Das große Interesse an der Arbeit mit Tieren führte zu einem Praktikum bei einer Tierärztin. Nun stand der Entschluss für die Lehre endgültig fest.

Nur nicht stressen lassen

Die vierbeinigen Patienten sind bei Selina in sehr gewissenhaften Händen. Sie unterstützt die Tierärztinnen und -ärzte, hilft bei Ultraschall-Untersuchungen, assistiert bei Operationen. Zum Arbeitsalltag gehören auch schwere Erkrankungen und schlimme Verletzungen. Braucht man dafür nicht ein starkes Nervenkostüm? „Ich bin da recht unempfindlich, und das war schon immer so. Natürlich hat man Mitleid mit den Tieren, besonders bei Unfällen. Aber in erster Linie ist man froh, dass sie hier bei uns gelandet sind und behandelt werden. Und das ist wiederum ein gutes Gefühl.“

„Die Tiere brauchen Geduld und Verständnis. Sie wissen ja nicht, dass wir ihnen helfen wollen.“

Selina Schellhorn, Lehrling bei KUFvets

Neben Tierliebe ist Stressresistenz für Selina in jedem Fall eine Fähigkeit, die man in diesem Beruf mitbringen muss. „Die Abläufe müssen funktionieren, auch wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, oder plötzlich ein Unfalltier eingeliefert wird.“ Wenn schnell reagiert werden muss, ist Konzentration und Ruhe bewahren angesagt. Ganz wichtig ist es, Geduld mit den Tieren zu haben. „Wenn man ihnen sagt, dass sie stillhalten sollen, funktioniert das in den seltensten Fällen“, schmunzelt Selina. Man müsse Verständnis aufbringen. „Sie wissen in dem Moment ja nicht, dass wir ihnen helfen möchten.“ Auch Teamfähigkeit ist eine unbedingte Voraussetzung. „Es gibt kaum einen Arbeitsschritt, der funktioniert, ohne dass einem jemand zur Hand geht.“ Behandelt werden bei den KUFvets vor allem Kleintiere wie Hunde, Katzen und Nagetiere. Obwohl besondere Tierarten an die jeweiligen Experten überwiesen werden, passiert es schon manchmal, dass auch der eine oder andere Exot aufschlägt. „Einmal hatten wir einen Otter hier. Und auch ein Alpaka musste schon versorgt werden.“

Besondere Momente

Immer wieder kommt es in der Tierklinik zu eindrücklichen Erlebnissen, die Selina im Gedächtnis bleiben. „Vor einiger Zeit hatten wir eine Katze mit einem Brustraum voller Eiter. Wir haben dann entdeckt, dass sie einen Zahn eingeatmet hatte.“ Die Katze wurde wochenlang stationär behandelt. Mehrmals täglich musste der betroffene Bereich gespült werden.

Das Tier war in schlechtem Zustand, sogar das Einschläfern stand schon im Raum. Doch dann erholte sie sich plötzlich über Nacht entscheidend und sprang dem Tod von der Schippe. „Wir haben sie dann den erleichterten Besitzern wieder übergeben können. Das sind schon Momente, in denen man glücklich und auch stolz ist.“