Dem Hotel Sailer ein Leben lang treu
Im Innsbrucker Hotel Sailer arbeitete sich Richard Benedikter vom Lehrling zum Küchenchef hoch.
Richard Benedikter ist das beste Beispiel, dass ein Lebenslauf Kapriolen schlagen kann und doch zu einem erfreulichen Ergebnis führt. Plante der Innsbrucker doch Archäologe zu werden und ist heute Küchenchef: „Meine Mutter, die selbst Köchin ist, riet mir zu meinem heutigen Beruf. Den sollte ich ,gscheid‘ lernen – also in einem namhaften, guten Betrieb.“
Kurzum organisierte sie ihm eine Lehrstelle im Hotel Sailer in Innsbruck. „Damals arbeiteten dort vier Leute in der Küche. Heute haben wir alleine vier Koch-Lehrlinge“, schildert Benedikter, der seinem Betrieb ein Leben lang treu war – abgesehen von ein paar Monaten während der Pandemie. „Damals reagierten ein Freund und ich auf ein Jobangebot, das auf Dauer aber nichts für mich war.“
„Führungskräfte sollten heute eine psychologische Ausbildung haben.“
Richard Benedikter, Küchenchef
Früh schon Verantwortung
Kurzum kehrte der gebürtige Innsbrucker zurück: „Im Hotel Sailer durfte ich bereits in jungen Jahren so manchen Bereich der Küche leiten.“ Diese Verantwortung habe ihm zugesagt. Seine Herausforderung lag vielmehr darin stets neue Gerichte zu „erfinden“: „Anfangs jedenfalls.“ Dass immer wieder neue Kollegen in der Küche anfingen, die neue Ideen im Gepäck hatten, förderte Benedikters Kreativität.
Subtile Komplimente
Inzwischen ist er zum Küchenchef aufgestiegen, was neue Herausforderungen mit sich bringt: „Ich finde Führungskräfte sollten eine psychologische Ausbildung haben.“ Wird doch so manches psychologische Problem von seinen Kollegen an den Koch herangetragen, was er als großes Kompliment empfindet: „Das zeigt mir, dass wir ein Team haben, das sich gut versteht und man mir vertraut.“
Psychologe und Koch
Cholerischen Vorgesetzten, denen er während seiner Ausbildung auch begegnete, würde man nichts Privates mitteilen. Benedikter hingegen wird gefragt, welchen Rat er im Fall von Liebeskummer oder Einsamkeit parat hat: „Manche tragen noch Probleme aus der Schulzeit mit sich herum – wenn sie etwa gemobbt wurden.“ In der Berufsschule sei das zum Glück kaum noch der Fall, weil es sich dort um Gleichgesinnte handelt.
„Meine Mutter meinte, ich solle den Beruf ,gescheid‘ lernen.“
Richard Benedikter, Hobby-Psychologe
Faszination für Geschichte
Überrascht ist der 26-Jährige, dass so mancher privat keinen Ansprechpartner für solche Probleme hat: „Andererseits liegt es nahe, dass man unter Kollegen eine starke Bindung aufbaut. Verbringen wir doch fünf Tage die Woche viele Stunden miteinander.“
Alles in allem ist Bendikters Aufgabenbereich so umfangreich, dass er sich mindestens ein Jahr Zeit nehmen würde, um einen Nachfolger einzuschulen: „Doch ich habe keine Pläne mich beruflich zu verändern.“ Vorerst jedenfalls. Nicht ganz ausschließen kann Benedikter eines Tages doch noch die Matura nachzumachen und neben dem Kochen zu studieren: „Denn ganz lässt mich die Faszination für Geschichte nicht los.“