Persönliche Beratung und Shopping-Erlebnis: Wie Mode Feucht auf den stationären Handel setzt
Leopold Feucht vom Tiroler Modeunternehmen Feucht kennt kaum Online-Händler, die wirtschaftlich erfolgreich arbeiten.
Im Jahr 1977 haben Ihre Eltern Mode von Feucht in Hall gegründet, 1998 sind Sie in die Firma eingestiegen. Wie hat sich der Modehandel inzwischen verändert, Herr Feucht?
Leopold Feucht: Bei meinem Berufsstart in der Firma lag die Mindestgröße eines Geschäftes bei 100 Quadratmetern. Wenn wir heute Interesse an einer Fläche haben, muss sie mindestens 500 Quadratmeter haben. Rund 1500 Quadratmeter brauchen wir heute für eine Feucht-Filiale mit Vollsortiment, um unser Angebot übersichtlich, großzügig und erlebnisorientiert präsentieren zu können.
Warum ist der Flächenbedarf größer geworden?
Leopold Feucht: Die Kundinnen und Kunden können sich auf ihren Handys durch eine riesige Auswahl an Mode scrollen. Daher müssen wir auch im stationären Handel mehr bieten, Orientierung, Auswahl, Atmosphäre – und vor allem persönliche Beratung. Genau das erwarten unsere Kundinnen und Kunden von uns. Zudem hat sich die Kostensituation geändert. Es muss mehr Umsatz pro Filiale gemacht werden, damit sie rentabel arbeitet. Dazu ist eine größere Fläche nötig und auch eine gewisse Anzahl an Modeberaterinnen und -beratern, damit die Filiale ordentlich geführt wird.
Sie haben den Online-Handel angesprochen, wie sehr ist der stationäre Handel unter Druck?
Leopold Feucht: Das hängt immer davon ab, ob man die Zeichen der Zeit richtig erkannt hat. Wir haben schon vor vielen Jahren das Ziel ausgegeben, den Kunden in den Mittelpunkt unsers Handelns zu setzen. Das haben wir geschafft. Daher sind wir als Mode von Feucht durch den Online-Handel gar nicht unter Druck geraten. Ja, es gibt den Online-Handel, so wie es früher den Versandhandel mit seinen Katalogen gegeben hat. Der hatte früher auch einen Marktanteil zwischen 20 und 25 Prozent. Der des Online-Handels liegt nun zwischen 25 und 30 Prozent. Dagegen steht der stationäre Handel bei mindestens 70 Prozent. Das ist doch deutlich mehr als die 30 Prozent des Online-Handels. Und ich kenne kaum Online-Händler, die wirtschaftlich erfolgreich arbeiten.
Was nagt an der Marge der Online-Händler?
Leopold Feucht: In erster Linie die Retourenquote. Wir waren einmal Partner von Zalando. Das hat anfangs recht gut funktioniert. Während der Energiekrise sind die Retouren plötzlich auf mehr als 60 Prozent angestiegen. Wir haben daraufhin die Kooperation beendet. Diese Ware kommt oft nicht mehr verkaufsfähig zurück und kann so nicht mehr regulär verkauft werden. Das kann nicht rentabel sein. Zudem ist der Aufwand des Verschickens enorm.
Wie viel wird normalerweise in der Textilbranche zurückgeschickt?
Leopold Feucht: Mehr als 50 Prozent sind ganz normal. Wir könnten damit nicht überleben.
Haben Sie noch einen Online-Shop?
Leopold Feucht: Wir präsentieren unser Sortiment auch online, um Inspiration zu bieten. Der eigentliche Mehrwert entsteht aber im Geschäft – durch persönliche Beratung, Schneiderei und das Einkaufserlebnis vor Ort.
Mode von Feucht
Standorte und Mitarbeiter: Das Unternehmen besteht aus 20 Filialen, davon eine in Tulln (Niederösterreich). Das Unternehmen beschäftigt 290 Mitarbeiter.
Weitere Expansion: Geschäftsführer Leopold Feucht schließt eine weitere Expansion in andere Bundesländer nicht aus, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll ist. Er führt gemeinsam mit seinen Brüdern Christoph und Wolfgang das Modehaus.