Das Highlight jeder Hochzeitsfeier

Der süße Höhepunkt

Cupcakes, kleine Kuchen, Pralinen und mehr erfreuen kleine Gäste und bieten süße Alternativen bei Unverträglichkeiten.
© Markus Hufnagl

Das Anschneiden der Torte ist ein Highlight bei jeder Hochzeitsfeier. Konditor Markus Hufnagl über geschmackliche Dauerbrenner – und die unterschätzte Rolle des Türrahmens.

Von Elke Ruß

Sie soll optisch ein Knaller sein und möglichst vielen Gästen schmecken. Das klingt nach einem Spagat – den der Innsbrucker Konditormeister Markus Hufnagl in der Praxis als gar nicht so schlimm erlebt. Extravagante Geschmacksrichtungen sind bei Hochzeiten in aller Regel nicht gefragt. „Wer will schon Chili?“, meint er nur. Schokolade, Frucht und Yoghurt – das sind Dauerbrenner als Basis, die auch beim Gros der Gäste Anklang finden. Als tolle Kombinationen nennt Hufnagl beispielsweise auch Schokolade mit Salzkaramell und Nuss mit Marc de Champagne. Aber: „Klassiker werden sich bei den Geschmacksrichtungen immer durchsetzen. Eher spielt man mit der Optik.“

Hoch und schmal liegt im Trend.
© Marina Radon

Opulentes Barock-Design

Im Trend liegen da laut Hufnagl gerade opulent dekorierte Barock- und Rokokotorten, die aussehen, als hätte der Konditor auch einen Meisterbrief als Stuckateur, aber auch extrem lange und extrem breite Designs. Im Film wird oft ein großes Brimborium um die Wahl der Hochzeitstorte gemacht: Paare schwärmen teils mit größerem Anhang zu nur mit großer Mühe ergatterten Verkostungsterminen bei angesagten Tortendesignern aus – und wenn es einer der Brautleute (gerne der Ehemann in spe) nicht pünktlich schafft, bricht eine veritable Beziehungskrise aus. Im echten Leben geht das meist etwas entspannter zu. In aller Regel kommt das Brautpaar alleine in Hufnagls Dulcesserie, manchmal mit den Trauzeugen. Fruchtig, schokoladig oder lieber mit Nuss? – Die bevorzugte Geschmacksrichtung klärt er im Vorfeld ab und bereitet Tortenstücke und Kuchenschnitten zum Kosten vor, dazu gibt es eine Tasse Kaffee. „Kalorienzählen ist zum Glück kein Thema!“

„Klassiker werden sich beim Geschmack immer durchsetzen. Man spielt mehr mit der Optik.“

Markus Hufnagl

Bei aller Liebe teilen die Brautleute natürlich nicht immer denselben Kuchengeschmack. Dann kriegt halt jeder einen Stock, lautet ein möglicher Kompromiss. Man muss sich nur noch auf die Reihenfolge einigen. „Meistens gibt der Mann nach“, schildert Hufnagl schmunzelnd. Das erinnert irgendwie an (Film-)Szenen, in denen die frisch Angetraute beim Anschneiden der Torte klar die Oberhand behält. Viel stärker als früher wird heute auf Allergien und Unverträglichkeiten geachtet. „Wenn das Brautpaar selbst etwas hat, dann wird z. B. die ganze Torte glutenfrei“, berichtet Hufnagl. Weiß man, dass einzelne Gäste ein Problem haben, wird anders vorgesorgt: Für sie gibt es dann als Alternative z. B. Cupcakes, kleine Kuchen „oder etwas im Glas“, erklärt der Konditormeister.

Auch romantisch dekorierte Kuchen punkten.
© Markus Hufnagl

So gemütlich die Verkostung ablaufen kann: Früh genug buchen muss man allerdings schon. „Im Winter sind weniger Hochzeiten, da geht es auch kurzfristiger. Bei einer Sommerhochzeit muss man sich aber so früh wie möglich melden – mindestens ein halbes Jahr vorher. Ich habe jetzt schon Tortenanfragen für 2027 und 2028, auch für Wien oder Liechtenstein.“

Das Liefern als Zitterpartie

Für solche Entfernungen muss der Transport in Kühlboxen oder Kühlwagen erfolgen. Ab drei Stockwerken wird die Torte in Teilen transportiert. Dekoriert wird in der Hochzeitslocation. „Das Liefern ist das Schlimmste“, weiß Hufnagl aus Erfahrung. Nicht nur, weil etwa hohe Torten heikle Schwerpunkte haben und eine Notbremsung nie auszuschließen ist. Zwar werden Stäbe und Zwischenböden eingebaut und ein Notfallset mit Creme und Konditorwerkzeug ist immer dabei. Doch einmal verschoben sich bei einer Bergfahrt die Böden einer Sachertorte so sehr, dass Hufnagl umkehren musste, um sie neu zusammenzubauen.

Opulent verzierte Torten im Barock- und Rokokostil sind gerade sehr angesagt.
© Jan Hetfleisch

Zum Höllenritt wurde eine „Luxushochzeit“ in der Toskana. Für die zweistöckige Torte mit einem Meter (!) Durchmesser wurde ihm kurzfristig der Kühlwagen storniert, ein Ersatz war erst ab dem Gardasee aufzutreiben und er musste die Teile für die erste Wegstrecke einfrieren. In der Toskana angekommen, stellte sich heraus, dass der Türrahmen der Location zu schmal war. „Platten auf den Kuchen, Folien drüber, dass sie nicht kippt“ – so konnte Hufnagl die Torte schräg stellen und ins Haus manövrieren, um sie vor Ort zu dekorieren. Technisch geht ja vieles: Seine bislang höchste Torte lieferte Hufnagl ins Seefelder Klosterbräu. „Sie hatte 13 Stock und war zwei Meter hoch.“ Kostenpunkt: rund 5500 Euro – aber das ist zwölf Jahre her.