„Völlig unnötige Eskalation“

Lufthansa streikt am Donnerstag: Das müssen Tiroler Reisende wissen

Unzählige Flüge vom Münchner Flughafen werden am Unsinnigen Donnerstag am Boden bleiben.
© Sven Hoppe

Die Piloten und das Kabinenpersonal von Deutschlands größter Fluggesellschaft streiken am Donnerstag. Unzählige Flüge werden ausfallen oder sind bereits gestrichen worden. Auch viele Verbindungen vom Flughafen München werden betroffen sein.

Der Streik kam kurzfristig und mitten in der Wintersaison, während einige deutsche Bundesländer Ferien haben. Erst am Mittwochvormittag haben die Gewerkschaften angekündigt, dass sowohl die Pilotinnen und Piloten als auch das Kabinenpersonal am Donnerstag von 00.01 Uhr bis 23.59 Uhr die Arbeit niederlegen werden. Die Crews haben angekündigt, den ganzen Tag lang sämtliche Abflüge in Deutschland verhindern zu wollen. Die Lufthansa, die im heurigen Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert, nennt den Streik eine „völlig unnötige Eskalation“.

Welche Flüge fallen aus?

Der Arbeitskampf trifft die Airline unerwartet. Aus diesem Grund konnte die Lufthansa noch keine Details zum Flugplan am Donnerstag bekannt geben. Man prüfe die Auswirkungen noch, heißt es von offizieller Seite. Vorsorglich sollen schon vorab viele Flugverbindungen gestrichen werden. Laut den digitalen Abflugtafeln großer Flughäfen wie München, Berlin oder Frankfurt fällt eine Vielzahl der Lufthansa-Flüge aus, einzelne Verbindungen sollen aber offenbar angeboten werden. Schon am Mittwochabend werden mehrere Flüge annulliert.

Unzählige Lufthansa-Flüge werden am Donnerstag ausfallen.
© Peter Kneffel

Alle Passagiere, die für Donnerstag Flüge oder auch Anschluss-Verbindungen mit der Lufthansa gebucht haben, werden aufgefordert, ihre Kontaktdaten zu hinterlegen. Betroffene Fluggäste sollen auf jeden Fall automatisch benachrichtigt werden.

Welche Airlines in der Lufthansa-Gruppe werden bestreikt?

Die Piloten streiken bei den Airlines Lufthansa und der Lufthansa Cargo. Die Kabinengewerkschaft Ufo hat das Personal ebenfalls bei der Lufthansa-Kerngesellschaft sowie bei der Regionaltochter Cityline zu einem Warnstreik aufgerufen. Neben den beiden internationalen Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München sind auch die Airports in Hamburg, Bremen, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Berlin und Hannover direkt betroffen.

Alle Flüge der Lufthansa-Tochter Austrian Airlines (AUA) sollen am Donnerstag planmäßig abheben. Aber Achtung: Bei der Buchung sollte man genau schauen, welche Airline innerhalb der Lufthansa-Gruppe den Flug durchführt.
© Nicolas Economou via www.imago-images.de

Welche Airlines fliegen noch?

Innerhalb des Kranich-Konzerns werden nicht alle Airlines bestreikt. Neben den Flügen der ausländischen Gesellschaften Swiss, Austrian, Ita und Brussels Airlines sind auch die deutschen Lufthansa-Töchter Eurowings und Discover nicht von dem Streik betroffen. Noch unklar sind die Auswirkungen auf den Flugbetrieb der jüngsten Lufthansa- Tochter Lufthansa City Airlines.

Achtung: Wer einen Verbindung bei einer Lufthansa-Tochter gebucht hat, sollte bei der Buchung kontrollieren, welche Fluggesellschaft den Flug durchführt. Oft teilen sich mehrere Airlines im Zuge so genannter Codeshare-Abkommen dieselbe Flugnummer.

Wie kommen betroffene Passagiere weiter?

Lufthansa verspricht den betroffenen Passagieren schnell und unbürokratisch zu helfen. Bei Annulierungen bietet die Airline kostenlose Umbuchungen, überwiegend auf andere Fluglinien der Lufthansa-Gruppe. Innerdeutsche Tickets können auch in Fahrkarten für die Bahn umgetauscht werden.

Welche Rechte haben Passagiere?

Bei einem Streik des eigenen Personals muss die Fluggesellschaft ihre Passagiere laut EU-Recht entschädigen, wenn die Flüge annulliert werden oder stark verspätet abheben. Hängen gebliebenen Reisenden stehen bis zu 600 Euro zu. Die bestreikte Airline muss außerdem Ersatzbeförderungen schnellstmöglich organisieren und auch fremde Fluggesellschaften oder Umsteigeverbindungen anbieten. Wer auf Umbuchungen verzichtet oder wegen zu langer Verzögerung nicht in Anspruch nimmt, kann Ticketpreis zurückverlangen. Am Flughafen haben gestrandete Passagiere darüber hinaus Anspruch auf Essen und Getränke. Bei längerer Dauer muss die Airline zudem Hotelzimmer zur Verfügung stellen.

Warum streiken die Lufthansa-Beschäftigten?

Offiziell streiken die rund 4800 Pilotinnen und für höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangspensionen. Dafür liegt bereits seit Herbst eine Urabstimmung der Mitglieder vor, die sich mit deutlicher Mehrheit für den Arbeitskampf ausgesprochen haben. Von einem Streik hatte die Gewerkschaft in den vergangenen Monaten abgesehen. Nach sieben Verhandlungsrunden blieb ein vorerst letztes Angebot der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) ohne Reaktion.

Die Pilotinnen und Piloten der Lufthansa legen wegen den Unternehmensbeiträgen zur Betriebsrente die Arbeit nieder.
© Uwe Anspach

Die Kabinengewerkschaft Ufo schließt sich dem Arbeitskampf an und willl mit dem Warnstreik Verhandlungen für Tarifverträge erzwingen. Wegen der Konzernstrategie sind rund 800 Jobs bedroht. Das fliegende Personal bekämpft schon seit einigen Jahren die Strategie des Vorstands, der mit neu gegründeten Flugbetrieben (AOC) die etablierten Airlines samt ihrer gut dotierten Arbeitsplätze unter Druck zu setzen droht.

Aus Sicht des Unternehmens hebt gerade die Kerngesellschaft Lufthansa mit zu hohen Personalkosten. Die neuen AOCs sollen touristische Flüge (Discover) und den regionalen Zubringerverkehr (City Airlines) mit billigeren Crews kostengünstiger machen. Noch sind die neuen Gesellschaften im Lufthansa-Konzern mit ingesamt rund 740 Flugzeugen verhältnismäßig klein. City Airlines zählt aktuell 14 Flugzeuge und Discover hat 30 Mittel- und Langstreckenflugzeuge in der Flotte. (TT.com, dpa)

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