Fitness

Fitness fängt auf dem Teller an

Gute Ernährung: Vor der Supplementierung kommt die richtige und vor allem bedarfsgerechte Ernährung.
© iStockphoto

Der Internist, Sport- und Ernährungsmediziner Kurt Moosburger hält wenig von teuren Supplementen und setzt stattdessen auf eine gute und bedarfsgerechte Ernährung.

Supplementieren oder nicht? Eine Frage, bei der sich die Geister auch von vielen Experten scheiden. Einer, der ganz auf gesunde und bedarfsgerechte Ernährung setzt, ist Dr. Kurt Moosburger. Der Innsbrucker Internist, Sport- und Ernährungsmediziner ist davon überzeugt, dass die meisten Nahrungsergänzungsmittel schlichtweg nicht nötig sind. Und eckt damit ganz bewusst an.

Das unterschätzte Relative Energiedefizit im Sport

„Ich werde mir natürlich den Unmut von Apotheken und Herstellern zuziehen“, sagt Moosburger, „aber das ist deren Problem.“ Seine Botschaft ist ebenso einfach wie provokant: Die Lösung liegt nicht in bunten Pillen und oft teuren Pulvern, sondern auf dem Teller.

Das größte Problem im Leistungs- und sogar im Hobbysport sei nicht ein Mangel, der durch ein Supplement behoben werden müsste, sondern ein fundamentales Energiedefizit. Es nennt sich „RED-S“ – das Relative Energiedefizit im Sport. „Viele Athleten, von Bergläufern über Radprofis bis hin zu Skispringern, neigen dazu, zu wenig zu essen, um ein möglichst geringes Körpergewicht zu halten“, erklärt der Mediziner. Das Resultat sei eine gefährliche Abwärtsspirale: Der Körper bekommt von allem zu wenig: zu wenig Proteine, Kohlenhydrate, Fettsäure, Mikronährstoffe (Vitamine, Spurenelemente etc.). Die Leistung könne so einbrechen, das Verletzungsrisiko steigen und im schlimmsten Fall drohe ein Burnout. „Wer seinem Körper nicht genug Treibstoff gibt, wird kurz oder lang ausbrennen“, betont Moosburger.

Kakao statt Proteinshake: Das beste Regenerationsgetränk ist für Dr. Moosburger ein fettarmer Kakao.
© iStockphoto

Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch und Hülsenfrüchte

Deshalb lautet seine goldene Regel: Eine bedarfsgerechte Energiezufuhr ist die unumstößliche Basis. Wer das beherzigt, kann sich laut Moosburger fast jedes Supplement sparen. Dabei setzt er sich kritisch mit den gängigen Überzeugungen der Fitnessbranche auseinander.

Proteinshakes für Kraftsportler? „Völlig überflüssig“, urteilt er. „Den Proteinbedarf über die normale Ernährung zu decken, ist eine der leichtesten Übungen.“ Mit Milchprodukten, Eiern, Fisch, Hülsenfrüchte und magerem Fleisch sei das kein Problem. Ironischerweise, sagt Moosburger, benötige ein Hochleistungs-Ausdauersportler oft sogar mehr Protein als ein reiner Kraftsportler.

Kritischer Blick auf Kreatin und Omega 3

Und Kreatin, das Wundermittel für Muskelpump? „Viel Marketing“, winkt er ab. Sinnvoll sei es allenfalls für eine winzige Elite im Sprintbereich, wo es um Sekundenbruchteile geht. „Für den Hobbysportler im Fitnessstudio ist es rausgeschmissenes Geld.“ Auch Omega-3-Kapseln zur Regeneration hält er für überbewertet und warnt sogar: „Bei jungen, gesunden Menschen können hochdosierte Gaben möglicherweise Herzrhythmusstörungen auslösen.“

Vitamin D im Winter

Besonders kritisch sieht er die beliebten Antioxidantien-Cocktails mit den Vitaminen A, C und E. „Training bedeutet oxidativen Stress, der den Körper zur Anpassung zwingt. Das ist gewollt“, erklärt er. Wer nach dem Sport hochdosierte Vitamine zuführt, behindere diesen wichtigen Prozess. „Das ist absolut kontraproduktiv.“ Statt auf Pulver setzt Moosburger auf simple, aber effektive Strategien. Die wichtigste Mahlzeit des Tages sei immer jene nach dem Training, um die Speicher wieder aufzufüllen, egal zu welcher Uhrzeit. „Dinner-Cancelling nach dem Abendtraining ist völliger Schwachsinn.“ Und das beste Regenerationsgetränk? „Ein fettarmer Kakao. Er sticht jeden kommerziellen Recovery-Shake um Längen aus.“

Das einzige Supplement, das er gelten lässt, ist Vitamin D im Winter. Ansonsten lautet sein eindringlicher Appell an alle Sportler, vom Profi bis zum ambitionierten Amateur: „Schaut‘s euch zuerst eure Ernährung an!“ Denn die wahren Leistungsreserven, so die Überzeugung von Dr. Kurt Moosburger, schlummern nicht in der Pillendose, sondern im Kühlschrank.