„Risiko, dass es kippt, ist groß“: Düstere Prognose für Bundestheater
Trotz Rekord-Auslastung schmelzen die Rücklagen der Bundestheater dahin. Der scheidende Holding-Chef Christian Kircher warnt vor einem Finanzkollaps nach der kommenden Saison. Schließungen und massiver Personalabbau könnten die Folge sein.
Bei den Bundestheatern (Staatsoper, Volksoper, Burgtheater) schmelzen die Rücklagen wie Schneedepots in der Frühlingssonne. Im Geschäftsjahr 2024/25 musste die Holding 3,6 Millionen Euro aus den Reserven nehmen, um den Jahresfehlbetrag des Konzerns auszugleichen. Die per Ende August 2025 noch 70 Millionen Euro betragenden Rücklagen werden laut Holding-Chef Christian Kircher aber nach Ende der kommenden Saison voraussichtlich zur Gänze aufgebraucht sein.
Erfolgreich, aber am finanziellen Limit
„Es geht den Bundestheatern derzeit sehr gut. Die drei Bühnengesellschaften sind, was den Publikumszuspruch anbelangt, extrem erfolgreich“, erklärte Kircher, der mit Ende März nach zehn Jahren aus dem Amt scheidet, am Mittwoch bei seiner letzten Bilanz-Pressekonferenz. Mit Sitzplatzauslastungen von 98,9 % (Staatsoper), 85,5 % (Volksoper) und 79,2 % (Burgtheater) in der Saison 2024/25 sei man wieder auf Vor-Corona-Niveau. Kircher warnt aber: „Wir sind erfolgsverwöhnt. Aber das ist keine Garantie für die Zukunft. Das Risiko, dass es kippt, ist groß.“
Auch die Kartenerlöse sind mit 64,7 Mio. Euro auf einem „superhohen Niveau“. Der Eigendeckungsgrad liegt bei beachtlichen 38 Prozent. „Wir sind damit europaweit on the top“, so Kircher. Spielraum für Preiserhöhungen sehe er aber kaum.
Planung ohne Sicherheit
Das Kernproblem: Die Basisabgeltung des Bundes von heuer 203,8 Millionen Euro reiche schon jetzt nicht aus. Kircher wünscht sich, ähnlich wie bei den Universitäten, eine dreijährige Planungssicherheit, doch die Realität sieht anders aus. Die Drei-Jahres-Planung ist erneut „nicht genehmigungsfähig“. Kircher stellt klar: „Wir haben aktuell keine Sicherheit für das Geschäftsjahr 2026/27.“ Nach der Saison 2025/26 seien die Rücklagen aufgebraucht: „Nächstes Jahr ist der Break-even erreicht.“
Was kommt nach dem Break-even?
Um für den Ernstfall gewappnet zu sein, werden verschiedene Szenarien durchgerechnet. Denkbar wäre eine Abkehr vom täglichen Spielbetrieb, wobei Schließtage nur eine „Marginalie“ im Budget wären. Die einzige wirklich große Kostenreduzierung, so Kircher, wäre die Schließung von Spielstätten samt massivem Personalabbau. Auch eine Reduzierung von Premieren sei „ein Thema“.
Klar ist für den scheidenden Geschäftsführer nur: Der aktuelle kulturpolitische Auftrag ist mit der derzeitigen Finanzierung künftig nicht mehr zu erfüllen. Diese Aufgabe übernimmt ab 1. April seine Nachfolgerin, die ehemalige Bildungsministerin Sonja Hammerschmid. (APA, TT)