Vorwurf des Amtsmissbrauchs: Der Sturzflug von „Air Miles Andy“
Nach der vorübergehenden Festnahme des einstigen Prinzen gehen die Untersuchungen weiter: Andrew soll vertrauliche Informationen an Epstein weitergegeben haben. Jüngst enthüllte E-Mails zeigen, dass auch Sarah Ferguson über Jahre geheime Geschäfte mit dem Sexualstraftäter machte.
London – „Seine Festnahme hat die moderne Monarchie in ihre größte Not gestürzt“, titelte die britische Zeitung Daily Mail nach den jüngsten Ereignissen rund um den einstigen Lieblingssohn von Queen Elizabeth II. Es sei ein Niedergang, der in Großbritannien aktuell fast alle anderen Probleme vollständig verdränge. „Das ist der spektakulärste Sturz eines Mitglieds der Königsfamilie in der Neuzeit“, sagte Craig Prescott, Verfassungsexperte und Royal-Kenner, über die vorübergehende Festnahme Andrews.
Vorwurf des Amtsmissbrauchs
In den aktuellen Ermittlungen geht es den offiziellen Angaben zufolge nicht um mutmaßliche Sexualdelikte, die dem Ex-Prinzen im Epstein-Skandal seit Jahren vorgeworfen werden. In diesen Fällen beteuerte er stets seine Unschuld. Vielmehr folgte seine Festnahme am vergangenen Donnerstagmorgen auf die Freigabe von Millionen weiteren Akten zu Epstein durch das US-Justizministerium im Jänner.
Dazu gehört eine E-Mail vom November 2010, in der Andrew dem US-Finanzinvestor nach einer Dienstreise Informationen zu Investitionsmöglichkeiten übermittelte, die er bei dem Trip gesammelt hatte. Als britischer Handelsbeauftragter reiste er in den Nullerjahren um die Welt und pflegt Beziehungen zu Herrscherfamilien im Mittleren Osten und Zentralasien, was ihm den Spitznamen „Air Miles Andy“ einbrachte.
Neun verschiedene Einheiten der britischen Polizei haben bestätigt, dass man Berichte über Andrews Verbindungen zu Epstein prüfe.
Kann lebenslange Freiheitsstrafe bedeuten
Die BBC erklärte: „Im Kern geht es um den Vorwurf, dass jemand, der im Auftrag der britischen Öffentlichkeit tätig war, etwas schwerwiegend Falsches getan hat – und dabei wusste, dass es falsch war.“ Die Aufgabe der Polizei ist es nun, Beweise dafür zu finden, dass Andrew seine Pflicht vorsätzlich vernachlässigt oder sich vorsätzlich pflichtwidrig verhalten hat.
Die Entscheidung, Anklage zu erheben, trifft die Staatsanwaltschaft – in England und Wales der Crown Prosecution Service (CPS). Dieser handelt zwar auch dem Namen nach im Auftrag der Krone, Andrew bekommt aber keine gesonderte Behandlung. „Lassen Sie mich klarstellen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen“, hatte Charles III. am Donnerstag mitteilen lassen. Das Vergehen des Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt kann mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe bestraft werden.
Polizei durchsucht ehemaligen Wohnsitz
Der einstige Prinz wurde rund zehn Stunden nach seiner Festnahme wieder entlassen, die Untersuchungen laufen aber weiter. Die Thames Valley Police hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass die Durchsuchungen in der Grafschaft Norfolk, wo das Sandringham-Anwesen liegt und auf dem Andrew Mountbatten-Windsor mittlerweile wohnt, beendet seien.
In Berkshire würden sie aber andauern. In jener Grafschaft westlich von London hatte Andrew auf dem Gelände von Schloss Windsor seinen früheren Wohnsitz. Anfang Februar musste er diesen endgültig verlassen.
Ex-Frau zunehmend im Fokus
Auch für Andrews Ex-Frau Sarah „Fergie“ Ferguson (66) dürfte es ungemütlich werden. Die britische Zeitung The Guardian berichtete unter Berufung auf die Registerbehörde Companies House, dass die Auflösung von sechs Unternehmen beantragt wurde, bei denen Ferguson als alleinige Geschäftsführerin gelistet ist.
Die Liquidation stehe im Zusammenhang mit der anhaltenden öffentlichen Diskussion über Fergusons frühere Verbindungen zu dem Sexualstraftäter Epstein. In einer jüngst aufgetauchten E-Mail gab jener in einer Konversation mit einem Freund zu, Ferguson über 15 Jahre lang heimlich finanziell unterstützt zu haben.
Damit habe er 1996 angefangen, genau in jenem Jahr, in dem sich die zweifache Mutter von Andrew scheiden ließ. Öffentlich hatte Ferguson bereits eingeräumt, eine Summe von rund 17.150 Euro angenommen zu haben. Die E-Mail legt allerdings nahe, dass die Finanzspritze deutlich höher ausgefallen sein dürfte. (APA, TT)
Epstein-Affäre