Erfolg für das Kino aus Deutschland und Österreich: Das sind die Gewinner der Berlinale
Mit „Gelbe Briefe“ gewinnt İlker Çatak den Goldenen Bären der Berlinale. Auch aus österreichischer Sicht gibt es Grund zum Feiern – Sandra Hüller wird für ihre Hauptrolle in Markus Schleinzers „Rose“ mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.
Berlin – Es ist ein politischer Film – aber ein stiller. Der Goldene Bär der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin geht an „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak. Die Internationale Jury unter Vorsitz von Wim Wenders zeichnete damit einen Film aus, der von Ausgrenzung erzählt, ohne laut zu werden. Und der zugleich ein kleines Berlinale-Geschichtskapitel schreibt: Erstmals seit mehr als 20 Jahren gewinnt wieder ein Film eines deutschen Regisseurs den Hauptpreis. Zuletzt war das 2004 Fatih Akin mit „Gegen die Wand“ gelungen.
Çatak, international bekannt geworden durch „Das Lehrerzimmer“ (2023), richtet den Blick diesmal in die Türkei, nach Ankara. Erzählt wird die Geschichte eines türkischen Künstlerpaares aus der Theaterwelt, dessen politische Haltung zunehmend existenzielle Folgen hat: Berufsverlust, materielle Not, gesellschaftliche Isolation. Ein Film über den Versuch, kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen – und über den Preis, den Kunst dafür zahlt. „Gelbe Briefe“ kommt am 10. April in die heimischen Kinos.
Alle Ausgezeichneten im Überblick
Goldener Bär – Bester Film: „Gelbe Briefe“, Regie: İlker Çatak
Großer Preis der Jury: „Kurtuluş“ („Salvation“), Regie: Emin Alper
Preis der Jury: „Queen at Sea“, Regie: Lance Hammer
Silberner Bär – Beste Hauptrolle: Sandra Hüller für „Rose“ (Regie: Markus Schleinzer)
Silberner Bär – Beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle: Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay für „Queen at Sea“
Silberner Bär – Beste Regie: Grant Gee für „Everybody Digs Bill Evans“
Silberner Bär – Bestes Drehbuch: Geneviève Dulude-de Celles für „Nina Roza“
Silberner Bär – Herausragende künstlerische Leistung: „Yo (Love is a Rebellious Bird)“, Regie: Anna Fitch und Banker White
Goldener Bär – Bester Kurzfilm: Marie-Rose Osta
Preis für das beste Spielfilmdebüt: „Chronicles of the Siege“, Regie: Abdallah Alkhatib
Silberner Bär für Sandra Hüller
Der Silberne Bär für die Beste Hauptrolle geht an Sandra Hüller für „Rose“ von Markus Schleinzer. In dem Schwarz-Weiß-Film verkörpert die derzeit auch international gefragteste deutsche Schauspielerin eine Frau, die sich im Dreißigjährigen Krieg in einem abgelegenen Dorf als Mann ausgibt – eine Rolle zwischen Selbstbehauptung und Verdrängung. Für die 47-jährige Hüller, deren erste große Hollywoodproduktion „Der Astronaut“ im März in Österreichs Kinos anläuft, ist es nach „Requiem“ (2006) bereits die zweite Hauptrollen-Auszeichnung bei der Berlinale.
Der zweite österreichische Wettbewerbsbeitrag, „The Loneliest Man in Town“ von Tizza Covi und Rainer Frimmel, ging bei der Preisverleihung am Samstagabend leer aus.
Zwei Preise für ein Demenzdrama
Der Große Preis der Jury wurde „Kurtuluş“ („Salvation“) von Emin Alper zugesprochen. Der Film, formal an den Western angelehnt, schildert den eskalierenden Konflikt zweier Dorfgemeinschaften – archaisch, brutal, zeitlos.
Gleich zwei Auszeichnungen erhielt das Demenzdrama „Queen at Sea“ von Lance Hammer. Neben dem Preis der Jury wurden Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay gemeinsam mit einem Silbernen Bären für die beste schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle geehrt. Sie spielen ein Ehepaar, das versucht, dem schleichenden Verlust der Erinnerung standzuhalten.
Weitere Preisträgerinnen und Preisträger
Der Silberne Bär für die Beste Regie ging an Grant Gee für das Jazzmusiker-Porträt „Everybody Digs Bill Evans“. Für das Drehbuch von „Nina Roza“ wurde die Kanadierin Geneviève Dulude-de Celles ausgezeichnet. Eine Ehrung für herausragende künstlerische Leistung erhielt „Yo (Love is a Rebellious Bird)“ von Anna Fitch und Banker White.
Politische Debatte auf der Bühne
Wie schon das Festival insgesamt war auch die Preisgala von politischen Statements geprägt, insbesondere mit Blick auf den Gaza-Krieg. Der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib, ausgezeichnet für sein Spielfilmdebüt „Chronicles of the Siege“, entrollte auf der Bühne eine Palästinenserflagge und nutzte seine Dankesrede für deutliche Worte. Aus dem Publikum wurde deutlich hörbar auch „ein von der Hamas befreites Palästina“ gefordert.
Auch Emin Alper sowie die libanesische Filmemacherin Marie-Rose Osta, die den Goldenen Bären für den besten Kurzfilm erhielt, positionierten sich politisch. Désirée Nosbusch, die die Preisverleihung moderierte, versuchte zu vermitteln: Man sei, so ihre Worte, mit dem Herzen bei allen Menschen, die leiden – sei es durch Krieg oder Terrorismus. (dpa, APA, TT)
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