Russische Propaganda

Geschäftstüchtige Künstler trommeln für Putin und seinen Krieg

Seine Liebeslieder kamen nicht. Mit Kriegspropaganda für Wladimir Putin bringt Jaroslaw Dronow (Shaman) das Publikum zum Johlen und Mitgrölen.
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Der Kreml kann sich auf etliche Russen verlassen, die für die völkerrechtswidrige Invasion in der Ukraine und Wladimir Putins Großmachtphantasien Stimmung machen. Und er belohnt sie dafür.

Die Menge johlt, als der weiß blondierte Sänger Jaroslaw Dronow – bekannt unter dem Pseudonym Shaman – seinen Hit „Ja Russki“ („Ich bin Russe“) anstimmt. Unten im Publikum schwenken sie russische Flaggen und singen begeistert mit. Irgendwo in der Menge hält ein Kind ein Plakat hoch. „Der Sieg wird mit uns sein“ steht darauf – eine Anspielung auf den Krieg, den Russlands Präsident Wladimir Putin vor vier Jahren gegen die Ukraine befohlen hat.

„Ich bin Russe. Ich gehe bis zum Ende. Ich bin Russe. Das Blut meines Vaters in mir. Ich bin Russe. Das ist ein Glück. Ich bin Russe. Der ganzen Welt zum Trotz“ singt derweil auf der Bühne Shaman – und das Publikum stimmt beseelt mit ein.

Shaman ist das Paradebeispiel für eine Karriere, die durch Russlands Krieg einen Schub bekommen hat. Mit seinen Liebesliedern konnte der 34-Jährige nicht Fuß fassen, so sattelte er auf Patriotismus um. Eines seiner Lieder trägt ins Deutsche übersetzt den Titel „Mein Kampf“. Ein anderer Song heißt „Wstanem“ („Erheben wir uns“).

Das Stück, das ursprünglich dem Andenken an die sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg gewidmet war, wurde schnell zur Hymne des neuen Kriegs. Gut ein Dutzend anderer, ebenso geschäftstüchtiger Interpreten beteiligte sich an einer Alternativversion der Single. Sie alle sind Dauergäste auf den zahlreichen vom Kreml zur Kriegsunterstützung abgehaltenen Konzerten. Doch nicht nur Sänger haben sich für die Kremlpropaganda einspannen lassen. Auch Sportler, Schauspieler, Moderatoren und Journalisten treten mit teils haarsträubenden Botschaften bei den Veranstaltungen auf.

Großes Budget für Propaganda

Schauspieler Michail Porotschenkow etwa gehört seit Kriegsbeginn zu den „Agitationsbrigaden“ der Kremlverwaltung. Ihre Aufgabe ist es, vor russischen Kämpfern in der Ukraine aufzutreten, um die Kampfmoral der Truppe zu heben. Finanziert wird das Ganze über „Integrazija“, angeblich eine NGO, die ihr Geld allerdings von staatlichen und staatsnahen Konzernen erhält.

Über Strukturen wie diese sind nach Informationen von Investigativjournalisten allein 2023 umgerechnet Hunderte Millionen Euro geflossen. Das Geld dient PR-Maßnahmen zur Rechtfertigung der völkerrechtswidrigen Invasion.

In der Riege der Kriegspropagandisten darf Nikita Michalkow nicht fehlen. Der 80-jährige Kino-Altmeister war schon immer für seine Nähe zu den Mächtigen in Moskau bekannt. In den 1990er Jahren unterstützte er Präsident Boris Jelzin und gewann mit dem Film „Die Sonne, die uns täuscht“, der den Großen Terror unter Sowjetdiktator Josef Stalin kritisiert, einen Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

Unter Putin wandelte er sich zum glühenden Anhänger von dessen Politik. In seiner eigenen Sendung „Bessogon TV“ („Teufelsaustreiber TV“) verbreitet er Verschwörungstheorien und russische Großmachtphantasien und hetzt gegen Liberale, Minderheiten und den Westenn. Den Krieg gegen die Ukraine rechtfertigte er als „Kampf gegen den Satanismus“. Im Gegenzug profitiert er von zahlreichen Prämien und lukrativen Posten. Seit Jahren ist er einer der Vertrauensleute Putins bei den Wahlen.

Patriotismus mit Volksmusik

Diesen Status hat sich auch Shaman verdient. Und sein Aufstieg hat bereits Nachahmer animiert. Ein Beispiel ist die Sängerin Tatjana Kurtukowa. Sie setzt zwar auf die weichen Klänge russischer Volksmusik, doch auch bei ihr sind die patriotischen Untertöne nicht zu überhören – wie im derzeit sehr populären Lied „Matuschka Semlja“ („Mütterchen Erde“).

Tatjana Kurtukowa setzt auf Volksmusik und hofft, mit ihrer Unterstützung für den Kreml von diesem mit einem Posten belohnt zu werden.
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Gemeinsam traten sie bei einem Konzert vor dem Kreml auf. Dorthin zieht es die 32-Jährige, die Spötter als „Shaman im Rock“ bezeichnen, offenbar stark. Dem Vernehmen nach hofft sie, irgendwann einmal Ministerin zu werden. Jedenfalls studiert sie jetzt schon einmal Verwaltungswissenschaften, wie sie in einem Interview angab. (TT, dpa)