Sitzung eskalierte

„Er hat uns richtig provoziert“: Causa Hinterhäuser spitzt sich zu

Markus Hinterhäuser leitet die Salzburger Festspiele seit 2016.
© Manfred Siebinger via www.imago-images.de

Wird die Auseinandersetzung des Intendanten der Salzburger Festspiele mit dem Kuratorium des Festivals zum Fall für das Arbeitsgericht? Kuratoriumsmitglieder sprechen von einer „worst-worst-Situation“.

Die Auseinandersetzung zwischen dem Kuratorium der Salzburger Festspiele und Intendant Markus Hinterhäuser spitzt sich weiter zu – und könnte am Ende sogar ein Fall für das Arbeitsgericht werden. Diese Einschätzung äußerten am Freitag mehrere Mitglieder des Kuratoriums. Dem Intendanten wurde am Donnerstag ein Angebot unterbreitet, das eine Verlängerung seines Vertrags um ein Jahr bis September 2027 vorsieht. Für diesen Zeitraum dürfte er zudem seine Wunschkandidatin Karin Bergmann als Schauspielchefin bestellen.

Sitzung wird am 20. März fortgesetzt

Ziel des Kuratoriums sei es gewesen, Hinterhäuser so weit entgegenzukommen, dass eine gemeinsame Erklärung möglich werde, bei der keine Seite öffentlich das Gesicht verliere, schilderte ein Mitglied des Aufsichtsgremiums. Doch die Sitzung am Donnerstagnachmittag eskalierte. Mehrfach wurde unterbrochen, unter anderem versuchte der kaufmännische Direktor Lukas Crepaz, vermittelnd auf den Intendanten einzuwirken.

„Er hat uns richtig provoziert“, hieß es aus dem Kreis der Sitzungsteilnehmer. Hinterhäuser habe nicht nur gefordert, dass sich Landeshauptfrau Karoline Edtstadler und Bürgermeister Bernhard Auinger für ihre medialen Äußerungen entschuldigen, sondern jede Wortmeldung gegen das Gremium gewendet.

Am Ende habe er sogar bestritten, selbst Fehler begangen zu haben – obwohl er diese zuvor in einem vorbereiteten Statement eingeräumt habe. Nach fast fünf Stunden wurde die Sitzung unterbrochen; am 20. März soll sie fortgesetzt werden. Bis dahin soll Hinterhäuser entscheiden, ob er das Angebot annimmt.

Zur Rechtfertigung seines Vorgehens verwies der Intendant darauf, Christian Kircher, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, als Vertreter des Kuratoriums in die Suche nach einer neuen Schauspielleitung eingebunden zu haben.

Dieser habe ihm signalisiert, dass Karin Bergmann auch ohne formelle Bewerbung und Hearing infrage komme. Unabhängig davon, ob Kircher – der dem Kuratorium nur beratend, ohne Stimmrecht angehört – das Gremium informiert habe oder nicht, sei es Aufgabe des Intendanten gewesen, die Kuratoriumsvorsitzende laufend über den Stand des Verfahrens in Kenntnis zu setzen, betonte ein Kuratoriumsmitglied. Kircher selbst wollte sich am Freitag nicht zu den von Hinterhäuser geschilderten Abläufen äußern.

Edstadler: „Keine Voraussetzungen für eine Verlängerung“

Landeshauptfrau Edtstadler, die heuer turnusmäßig den Vorsitz im Kuratorium führt, hatte bereits am Donnerstag erklärt, das Gremium sei geschlossen der Ansicht, dass Hinterhäuser die Voraussetzungen für eine Fortsetzung seines Vertrags über den 30. September hinaus nicht erfüllt habe.

Zugleich habe man ihm jedoch ein Angebot gemacht, um „im Sinne der Salzburger Festspiele eine gute Lösung“ und einen geordneten Übergang zu ermöglichen. Bürgermeister Auinger äußerte sich am Freitag zurückhaltend: Man habe viele Stunden versucht, eine Brücke zu bauen, und hoffe weiterhin, gemeinsam darüber gehen zu können.

Ein weiterer Sitzungsteilnehmer sprach rückblickend von einem äußerst schwierigen Verlauf, an dessen Ende eine verfahrene Situation stehe: eine „worst-worst-Situation“. Für Hinterhäuser bedeutet die Einschätzung des Kuratoriums, er habe mit seinem Verhalten gegenüber dem Direktorium und nach außen gegen die Wohlverhaltensklausel verstoßen, einen erheblichen Gesichtsverlust.

Die ursprünglich vereinbarte Vertragsverlängerung bis 2031 gilt damit als hinfällig. Auch rechtlich dürfte sich der Intendant beraten lassen.

Intendantensuche auf der Großbaustelle?

Für das Kuratorium wiederum ist die Aussicht, mitten im Planungsprozess eines umfassenden Umbaus des Festspielbezirks eine neue Leitung suchen zu müssen, problematisch. Ebenso belastend ist die Außenwirkung eines Konflikts, der weniger um künstlerische Fragen kreist als um Macht, Verfahren und Umgangsformen. Schlechte Stimmung und schlechtes Benehmen, so heißt es im Gremium, sollten jedenfalls nicht länger durch künstlerische Qualität entschuldigt werden. (APA, TT)

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