Großangriff auf „Hunderte Ziele“

Israel und USA wollen iranische Führung stürzen, 70 Mädchen bei Raketenangriff getötet

In der iranischen Hauptstadt Teheran kam es zu zahlreichen Explosionen.
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Israel und die USA haben einen Angriff gegen den Iran gestartet. Teheran übt Vergeltung und antwortet mit Raketenangriffen auf Israel und vier US-Stützpunkte in der Region.

Teheran, Washington, Jerusalem – Die USA und Israel haben massive Luftangriffe auf den Iran mit dem Ziel eines Machtwechsels in Teheran gestartet. US-Präsident Donald Trump rief die Iraner auf, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen. "Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung", wandte er sich an das 90-Millionen-Volk. Laut Berichten wurde der iranische Verteidigungsminister und der Chef der Revolutionsgarden getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte.

Trump mit Aufruf an iranisches Volk

Es handle sich um einen Präventivschlag, erklärte Israel. US-Präsident Donald Trump teilte mit, die USA hätten mit der Militäraktion "Operation Epic Fury" (Operation gewaltige Wut) gegen den Iran begonnen. Den USA zufolge dürfte der Militäreinsatz mehrere Tage andauern. "Unser Ziel ist es, das amerikanische Volk zu verteidigen, indem wir die unmittelbaren Bedrohungen durch das iranische Regime beseitigen", sagte Trump.

Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung.
US-Präsident Donald Trump an das iranische Volk

Zugleich rief Trump alle iranischen Soldaten und Sicherheitskräfte auf, sich zu ergeben und ihre Waffen niederzulegen. Sie würden dann "absolute Immunität" erhalten, andernfalls drohe ihnen der "sichere Tod". Der iranischen Bevölkerung stellte Trump "Freiheit" in Aussicht – und rief die Menschen auf, die Regierung in Teheran zu stürzen. "Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung", sagte der US-Präsident.

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Dem Iran dürfte es niemals gestattet werden, Atomwaffen zu besitzen, erklärte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. "Es ist an der Zeit, dass alle Bevölkerungsgruppen im Iran das Joch der Tyrannei abschütteln und einen freien und friedliebenden Iran schaffen."

Israels Generalstabschef: „Greifen Hunderte Ziele im Iran an“

"In diesem Moment greifen israelische Luftwaffenpiloten unter erheblichem persönlichen Risiko und in Abstimmung mit US-amerikanischen Angriffen Hunderte Ziele im Iran an", sagte Israels Generalstabschef Eyal Zamir einer Mitteilung zufolge. In einer weiteren Mitteilung des Militärs hieß es, rund 200 Kampfjets seien eingesetzt worden. Es handle sich um den größten Einsatz dieser Art in der Geschichte der israelischen Luftwaffe, hieß es weiter.

Luftverteidigungssysteme und die Marine seien im Einsatz, um Israels Luftraum und Küsten vor Raketenangriffen und Bedrohungen aus der Luft und vom Meer zu schützen, hieß es von Zamir weiter. "Unsere Bodentruppen sind entlang der Grenzen positioniert, um jeden Versuch, in israelisches Gebiet einzudringen, zu vereiteln und abzuwehren."

Iran mit Gegenangriffen, Raketen auf Golfstaaten

Unter den Zielen iranischer Gegenangriffe war der Militärstützpunkt Al-Udeid in Katar, der Stützpunkt Al-Salem in Kuwait, der Luftwaffenstützpunkt Al-Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie die US-Flotte in Bahrain, wie die iranische Nachrichtenagentur FARS berichtete.

Nach den US-israelischen Angriffen hat es auch auf der bekannten künstlichen Inselgruppe „The Palm“ in Dubai Augenzeugen zufolge eine Explosion gegeben. Vier Menschen seien verletzt worden. In der Metropole seien alle paar Stunden Explosionen zu hören, berichteten Einwohner.

Das emiratische Verteidigungsministerium teilte mit, die Luftabwehr habe eine neue Welle iranischer Raketen und Drohnen abgefangen. Es habe "keinen bedeutenden Schaden" gegeben. In Dubai und der Hauptstadt Abu Dhabi seien mehrere Trümmerteile von abgefangenen Raketen niedergegangen. Mindestens ein Mensch kam dabei bisher ums Leben.

Auch die kuwaitischen Streitkräfte haben mehrere Raketen abgefangen, die auf den US-Luftwaffenstützpunkt Ali Al-Salem in dem Golfstaat abgefeuert wurden. Das Verteidigungsministerium in Katar teilte mit, man habe eine Reihe von Angriffen auf das eigene Territorium erfolgreich abgewehrt. Die staatliche Nachrichtenagentur in Bahrain berichtete, ein Versorgungszentrum der US-Marine sei mit Raketen angegriffen worden. Auch Saudi-Arabien bestätigte am Samstagnachmittag iranische Angriffe auf sein Territorium.

Verteidigungsminister getötet, Angriffe auf Khamenei-Amtssitz

Bei den Angriffen auf den Iran wurde Insidern zufolge der iranische Verteidigungsminister Aziz Nasirzadeh und der Kommandant der Revolutionsgarden, Mohammad Pakpour, getötet worden. Dies sagen drei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Irans Außenminister Araqchi sagte dem US-Sender NBC hingegen, alle hochrangigen Vertreter des Landes seien am Leben.

Die gemeinsamen Angriffe der USA und Israels zielten israelischen Medienberichten zufolge auch auf das geistliche Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, ab. Khamenei wurde laut einem iranischen Regierungsvertreter an einen sicheren Ort gebracht.

Berichten zufolge wurde der Amtssitz von Staatsoberhaupt Khamenei bombardiert. Ein vom iranischen Nachrichtenkanal Sabrin-News veröffentlichtes Satellitenfoto zeigte das vollständig zerstörte Areal des als "Beyt" bekannten Hochsicherheitsbereichs in der Hauptstadt Teheran. Auch Bewohner in Teheran berichteten davon. Aus mehreren iranischen Städten wurden am Samstag Explosionen gemeldet, so etwa aus Teheran, Isfahan, Qom, Karaj, Kermanshah und Shiraz.

Israels Armee griff eigenen Angaben zufolge seit der Früh „Hunderte iranische Militärziele“ im Westen des Landes an. Ins Visier habe das Militär etwa Raketenwerfer genommen, hieß es in einer Mitteilung. Die Armee greife weiterhin Ziele im Westen des Irans an. Für den neuen Krieg mit dem Iran will Israel zudem rund 70.000 Reservisten einberufen.

Iran: 70 Schülerinnen getötet

Bei einem Raketenangriff im Süden des Iran kamen nach iranischen Angaben 70 Schülerinnen ums Leben. Getroffen worden sei eine Volksschule für Mädchen in der Provinz Hormozgan, berichteten Staatsmedien. Rund 90 weitere Schülerinnen seien verletzt worden. In der Provinz Hormozgan liegen mehrere Marinestützpunkte der iranischen Streitkräfte. Weitere Details zu dem Angriff lagen zunächst nicht vor.

Beim Angriff auf eine Volksschule für Mädchen in der Provinz Hormozgan wurden laut iranischen Angaben Dutzende Kinder getötet.
© APA/AFP/IRIB TV/ALEX MITA

US-Militär rechnet mit mehrtägigem Einsatz

Den USA zufolge dürfte der Militäreinsatz mehrere Tage andauern. „Unser Ziel ist es, das amerikanische Volk zu verteidigen, indem wir die unmittelbaren Bedrohungen durch das iranische Regime beseitigen“, sagte Trump. Zugleich rief Trump alle iranischen Soldaten und Sicherheitskräfte auf, sich zu ergeben und ihre Waffen niederzulegen. Sie würden dann „absolute Immunität“ erhalten, andernfalls drohe ihnen der „sichere Tod“. Der iranischen Bevölkerung stellte Trump „Freiheit“ in Aussicht - und rief die Menschen auf, die Regierung in Teheran zu stürzen. „Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung“, sagte der US-Präsident.

Es ist an der Zeit, dass alle Bevölkerungsgruppen im Iran das Joch der Tyrannei abschütteln und einen freien und friedliebenden Iran schaffen.
Benjamin Netanjahu, israelischer Premier

Dem Iran dürfte es niemals gestattet werden, Atomwaffen zu besitzen, erklärte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. „Es ist an der Zeit, dass alle Bevölkerungsgruppen im Iran das Joch der Tyrannei abschütteln und einen freien und friedliebenden Iran schaffen.“

Sicherheitsrat des Iran rät zur Flucht aus Teheran

Der Sicherheitsrat des Iran riet indes der Bevölkerung zur Flucht aus der Hauptstadt Teheran. Wegen der Angriffe „sollten Sie, soweit möglich und unter Wahrung der Ruhe, in andere Orte und Städte reisen, sofern es Ihnen möglich ist“, hieß es in einer Erklärung des mächtigen Sicherheitsgremiums der Islamischen Republik.

Menschen in Teheran verließen massenweise die Stadt.
© APA/AFP

In Teheran bildeten sich lange Schlangen an den Tankstellen. Massen versuchten, die Hauptstadt zu verlassen, wie Augenzeugen berichteten. Geschäfte waren vielerorts geschlossen. Im Norden der lebendigen Metropole herrschte gespenstische Stille. Teheran ist Ziel mehrerer Angriffswellen.

Angriff inmitten von Verhandlungen

Die Angriffe erfolgten inmitten neuer Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Bereits im vergangenen Jahr hatten Washington und Teheran über das umstrittene iranische Atomprogramm verhandelt, ehe Israel den Iran angriff. Die USA schlossen sich den Luftangriffen an und bombardierten zentrale Atomanlagen. Iranische Luftstreitkräfte feuerten daraufhin ballistische Raketen auf Israel.

Sirenen in Jerusalem: Eine Person sucht Schutz.
© APA/AFP/AHMAD GHARABLI

Die Staatsführung des Iran betonte zuletzt ihre Bereitschaft zu einem Abkommen wie auch zu einer militärischen Eskalation. Präsident Pezeshkian drohte mit einem „umfassenden Krieg“, sollte etwa Khamenei attackiert werden. Khamenei selbst warnte die USA Anfang Februar: „Die Amerikaner sollen wissen, wenn sie einen Krieg vom Zaun brechen, wird es dieses Mal ein regionaler Krieg sein.“ (APA/Reuters/AFP/dpa)