Lage im Nahen Osten eskaliert

Schwere Explosionen erschüttern erneut Teheran, Partei dementiert Tod Ahmadinedschads

Große Rauch- und Aschewolken prägen das Bild Teherans auch am Sonntag. Die Angriffe beider Seiten gehen unvermindert weiter.
© ATTA KENARE

Die USA und Israel hatten am Samstagmorgen eine massive Welle von Luftangriffen gegen den Iran gestartet und dabei unter anderem Khamenei getötet. Als Reaktion griff der Iran Israel sowie US-Militäreinrichtungen in Staaten der Golfregion an. Die gegenseitigen Angriffe dauerten am Sonntag an.

Teheran, Jerusalem, Washington – Die iranische Hauptstadt Teheran ist am Sonntagabend von schweren Explosionen erschüttert worden. Im Norden der Stadt zitterten die Wände, als kurz hintereinander zwei laute Detonationen zu hören waren. Auf Bildern waren unter anderem ein großer Feuerball und eine dunkle Rauchwolke über der Stadt zu sehen. Die Nachrichtenagentur ISNA meldete, Einrichtungen des staatlichen Rundfunks seien zum Ziel eines israelisch-amerikanischen Angriffs geworden.

Weiteren Berichten zufolge wurde auch der Sitz der iranischen Atombehörde angegriffen. Augenzeugen berichteten von israelischen Angriffen auf ein Spital.

Israel: Kommandozentren attackiert

Das israelische Militär berichtete am Abend, dass im Rahmen groß angelegter Angriffe mehrere Dutzend militärischer Kommandozentren des Irans attackiert worden seien, darunter das Hauptquartier der Revolutionsgarden, Hauptquartiere der Geheimdienste, der Luftwaffe sowie von Einrichtungen der inneren Sicherheit des Irans. Ziel sei es gewesen, Einrichtungen zu treffen, von denen aus Kampfeinsätze gegen Israel und andere Staaten gesteuert wurden, hieß es.

Partei dementiert Berichte über Tod Ahmadinedschads

Bei dem US-israelischen Militärangriff gegen den Iran sind am Samstag nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums drei Soldaten getötet worden. Fünf weitere Soldaten seien „schwer verletzt“ worden, teilte das US-Kommando für den Nahen Osten (CENTCOM) am Sonntag im Onlinedienst X mit. Ortsangaben oder Angaben zur Identität der getöteten Soldaten wurden nicht gemacht. Zuvor war vermeldet worden, dass der iranische Ex-Präsident Mahmoud Ahmadinejad bei einem Luftangriff in Teheran starb.

Seine Partei Dolate Bahar dementierte die Berichte am Sonntagabend indes: „Dolate Bahar gibt hiermit bekannt, dass die Berichte über den Märtyrertod von Dr. Ahmadinejad bei den amerikanisch-israelischen Angriffen falsch sind“, hieß es in einer Mitteilung auf der Internetseite der Partei. Die Nachrichtenagentur ISNA veröffentlichte zudem eine Mitteilung Ahmadinejads zum Tod von Khamenei.

Trump: US-Militär hat neun iranische Marineschiffe versenkt

Bei den Angriffen hat das US-Militär nach Angaben von Präsident Donald Trump neun Marineschiffe versenkt. Darunter seien „einige relativ große und wichtige“ gewesen, teilte er auf seiner Plattform Truth Social mit. Trump kündigte an, dass bald weitere iranische Kriegsschiffe versenkt würden. Bei einem weiteren Angriff sei das Marinehauptquartier „weitgehend zerstört“ worden. Zunächst stand eine Bestätigung von iranischer Seite aus.

Trump bekundete auch seine Bereitschaft zu Gesprächen mit Vertretern der iranischen Führung erklärt, ohne allerdings genauere Angaben zum Zeitpunkt oder den Teilnehmern zu machen. „Sie wollen reden und ich habe zugestimmt, zu reden, also werde ich mit ihnen reden. Sie hätten das früher tun sollen“, wurde Trump am Sonntag von der Zeitschrift „The Atlantic“ zitiert. Auf die Frage, wann die Gespräche stattfinden könnten, sagte Trump: „Das kann ich ihnen nicht sagen.“

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Zuvor hatten die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) mitgeteilt, den US-Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ mit vier ballistischen Raketen angegriffen zu haben. Dies sei Teil der Operation „Wahres Versprechen 4“, in der als Vergeltung für die Angriffe im Iran Ziele der USA und Israels von den iranischen Streitkräften zerstört werden, erklärten die IRGC auf ihrer Internetseite. CENTCOM bestritt dies. „Die ‚Lincoln‘ wurde nicht getroffen. Die abgefeuerten Raketen sind nicht ansatzweise in die Nähe gekommen“, hieß es. Von dem Flugzeugträger starteten weiterhin Flugzeuge. Zudem teilte CENTCOM mit, dass B-2-Bomber gesicherte Raketenanlagen im Iran angegriffen hätten. Die Tarnkappenbomber seien mit 2000 Pfund schweren Bomben bestückt gewesen, hieß es.

CENTCOM: Iran attackiert auch zivile Einrichtungen

Ferner warf CENTCOM der Führung in Teheran vor, dass der Iran bei seinen Gegenangriffen anders als dargestellt auch zivile Einrichtungen attackiert habe. Neben mehreren Flughäfen und Hotels seien auch eine Ölraffinerie und Wohngebiete in mehreren Golfstaaten beschossen werden, hieß es. Der iranische Außenminister Abbas Araqchi hatte in einem Interview mit dem Nachrichtensender Al-Jazeera gesagt, dass ausschließlich Stützpunkte und Einrichtungen der Vereinigten Staaten ins Visier genommen worden seien.

CENTCOM teilte wiederum mit, dass die US-Streitkräfte bei dem Einsatz namens „Gewaltiger Zorn“ ein iranisches Kriegsschiff ins Visier genommen hätten. „Das Schiff sinkt derzeit an einem Pier in Chahbahar auf den Grund des Golfes von Oman.“ Das Militär hatte angekündigt, Ziele priorisiert zu haben, „von denen eine unmittelbare Bedrohung ausging“. Unter anderem seien Kommando- und Kontrollzentren der Islamischen Revolutionsgarden, iranische Luftverteidigungsanlagen, Raketen- und Drohnenstartplätze sowie Militärflugplätze ins Visier genommen worden, hieß es.

Die iranischen Revolutionsgarden griffen als Reaktion auf die US-israelischen Angriffe auf den Iran nach eigenen Angaben einen US-Flugzeugträger im Persischen Golf an. „Der US-Flugzeugträger 'USS Abraham Lincoln' wurde von vier ballistischen Raketen getroffen“, teilten die Revolutionsgarden am Sonntag laut örtlichen Medien mit. „Land und Meer werden mehr und mehr zum Friedhof der terroristischen Aggressoren“, warnten sie demnach. Das US-Verteidigungsministerium dementierte die Angaben jedoch. „Die 'Lincoln' wurde nicht getroffen“, teilte CENTCOM mit und sprach von einer Lüge. „Die abgeschossenen Raketen sind ihr nicht einmal nahe gekommen.“

Iranische Agentur: 43 Sicherheitskräfte getötet

Bei einem Angriff auf das Hauptquartier eines Grenzregiments in der westiranischen Stadt Mehran nahe der irakischen Grenze wurden am Sonntag der Nachrichtenagentur Mehr News zufolge 43 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet. „Dieser Angriff, der von Bombardierungen begleitet war, hat leider zum Märtyrertod von 43 Sicherheitskräften geführt, bei denen es sich zumeist um Grenzschützer handelte“, hieß es. 21 weitere Menschen seien verletzt worden.

Außerdem seien Teile nahe gelegener Gebäude schwer beschädigt worden, berichtete Mehr weiter. „Ersten Berichten zufolge wurde dieser feindselige Akt von Agenten der Vereinigten Staaten und des zionistischen Regimes ausgeführt.“

Irans Ex-Präsident Ahmadinejad bei Luftangriff getötet

Gegen Ende seiner Amtszeit wuchs die Kritik an seinem Kurs. Seine harte Linie in der Atompolitik löste internationale Sanktionen aus, die das Land in eine schwere Wirtschaftskrise führten. Wegen seiner militärischen Drohungen gegen Israel sowie der Leugnung des Holocaust war der Iran international isoliert. Seine Unterstützer wandten sich immer mehr von ihm ab, selbst unter den Hardlinern war er am Ende seiner Amtszeit umstritten.

Der ehemalige iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad ist bei einem Luftangriff in Teheran getötet worden.
© IMAGO/Rouzbeh Fouladi

Ahmadinejad stützte sich während seiner Präsidentschaft massiv auf die Revolutionsgarden (IRGC). Im Gegenzug verschaffte er ihnen Gewinne bei Privatisierungen sowie Kontrolle über strategische Wirtschaftssektoren. Obwohl Ahmadinejad als Ziehsohn des jetzt getöteten Ayatollah Ali Khamenei galt, entwickelte er sich gegen Ende seiner Präsidentschaft und darüber hinaus zu einer unberechenbaren Opposition innerhalb des Systems.

Sein Versuch, die Befugnisse des gewählten Präsidenten gegenüber dem Klerus zu erweitern – insbesondere durch den offenen Konflikt um das Geheimdienstministerium 2011 – führte zum Bruch mit dem Obersten Führer. In den Folgejahren wurde er politisch marginalisiert; der Wächterrat schloss ihn 2017, 2021 und 2024 von den Präsidentschaftswahlen aus.

Neun Tote bei iranischen Raketenangriffen in Israel

Unterdessen wurden bei einem iranischen Raketenangriff auf Israel am Sonntag mindestens neun Menschen getötet. Laut Polizei traf eine Rakete in der westlich von Jerusalem gelegenen Stadt Beit Shemesh ein Gebäude. Die Rettungskräfte erklärten, sie hätten zudem 28 Verletzte geborgen, unter ihnen zwei Schwerverletzte. Das Gebäude sei eingestürzt.

📽️ Video | Israel: Mehrere Tote bei iranischen Raketenangriffen

Die USA und Israel hatten am Samstagmorgen massive Luftangriffe gegen den Iran gestartet. Bei Angriffen in Teheran wurde der oberste iranische Führer Ayatollah Ali Khamenei getötet. Als Reaktion griff der Iran Israel sowie US-Militäreinrichtungen in mehreren Staaten der Golfregion an. Neun Menschen wurden in Israel seitdem getötet. Am Sonntag dauerten die gegenseitigen Angriffe an.

Explosionen und Tote bei iranischen Angriffen in Golfregion

Durch iranische Vergeltungsangriffe wurden in der Golfregion am Wochenende mehrere Menschen getötet. In Städten wie Dubai, Doha und Riad wurden Explosionen gemeldet. Abu Dhabi und Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden ebenfalls von Detonationen erschüttert. Insgesamt seien seit Beginn der iranischen Angriffe drei Menschen in den Vereinigten Arabischen Emiraten getötet worden, erklärte das Verteidigungsministerium der Emirate. Es handle sich um Staatsbürger aus Pakistan, Nepal und Bangladesch. 58 weitere Menschen seien verletzt worden.

Rauch nach Raketen-Einschlägen in Abu Dhabi am Sonntag.
© RYAN LIM

Die Vereinigten Arabischen Emirate hätten 165 ballistische Raketen entdeckt. 152 seien zerstört worden. 541 iranische Drohnen seien registriert worden, 506 von ihnen seien abgefangen und zerstört worden. Auch aus Kuwait wurden Opfer durch iranische Angriffe gemeldet. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums des Landes wurde ein Mensch getötet. 32 Menschen seien verletzt worden, alle seien Ausländer. Zudem fielen nach Angaben des Elektrizitätsministeriums infolge herabfallender Trümmerteile beim Abfangen von Drohnen mehrere Stromleitungen aus. In verschiedenen Gebieten sei der Strom teilweise unterbrochen gewesen. Die Behörden erklärten, insgesamt seien 97 iranische ballistische Raketen sowie 283 Drohnen in Richtung des Landes gestartet worden.

Auch Bahrain meldete weitere Schäden. Nach Angaben des Innenministeriums wurde ein Hotel in der Hauptstadt Manama getroffen. Es habe Schäden gegeben, Verletzte seien jedoch nicht gemeldet worden. Die US-Botschaft in Bahrain riet ihren Staatsbürgern, Hotels in der Hauptstadt zu meiden, da diese mögliche Ziele weiterer Angriffe sein könnten. Die Behörden forderten die Bevölkerung zudem auf, Hauptverkehrsstraßen zu meiden.

Öltanker vor Küste Omans angegriffen

Vor der Küste des Golfstaats Oman wurde indes zwei Schiffe angegriffen. Der Öltanker „Skylight“ sei etwa neun Kilometer vor der omanischen Küste bei Musandam getroffen worden, meldete die Nachrichtenagentur Oman News Agency unter Berufung auf das omanische Zentrum für maritime Sicherheit. Dabei seien vier Personen verletzt worden. Die 20-köpfige Besatzung des Schiffs unter der Flagge des pazifischen Inselstaats Palau sei evakuiert worden. Weitere Details waren zunächst nicht bekannt.

Die Seehandelsaufsicht der britischen Marine (UKMTO) meldete einen weiteren Vorfall etwa 90 Kilometer nordöstlich der omanischen Hauptstadt Maskat. Ein Schiff sei von einem unbekannten Geschoss angegriffen worden, hieß es. Ein Brand im Maschinenraum sei mittlerweile unter Kontrolle. Weitere Details waren auch hier zunächst nicht bekannt.

Iran: Opferzahl nach Attacke auf Mädchenschule stieg auf 165

Die Zahl der Todesopfer an einer Mädchenschule im Iran, die nach Angaben Teherans von einem israelisch-amerikanischen Angriff getroffen wurde, soll auf 165 gestiegen sein. Die Bergungsarbeiten seien inzwischen abgeschlossen, teilte der Gouverneur der Stadt Minab im Süden des Landes laut der Nachrichtenagentur IRNA mit. Bei dem angeblichen Luftangriff auf die Schule seien zudem 95 Menschen verletzt worden. Israel wies den Vorwurf, eine Schule beschossen zu haben, zurück.

Getroffen worden sei eine Volksschule für Mädchen in der Provinz Hormuzgan, hieß es von iranischer Seite. „Zu diesem Zeitpunkt sind uns keine israelischen oder amerikanischen Angriffe dort bekannt. Ich weiß, dass die Amerikaner nachprüfen, ich weiß, dass wir nachprüfen“, sagte der israelische Militärsprecher Nadav Shoshani. „Und was ich weiß, ist, dass wir in der Lage waren – und das wird auch von den Amerikanern und den Iranern bestätigt – 40 Personen auszuschalten, die sich vor uns versteckt hatten, auf sehr präzise Weise, mehr als tausend Meilen entfernt“, sagte Shoshani offenbar mit Blick auf die Tötung des iranischen Staatsoberhaupts und Religionsführers Ajatollah Ali Khamenei. Die Angaben beider Seiten lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

UNICEF: Angriff auf Schule wäre Verstoß gegen Völkerrecht

Das Kinderhilfswerk UNICEF zeigte sich indes „zutiefst besorgt“ über die Bombardierungen im Iran. „Es gibt Berichte über Angriffe auf Schulen im Iran, darunter eine Mädchenschule in Minab“, teilte das Kinderhilfswerk am Sonntag in Köln mit. „Angriffe auf Zivilpersonen und zivile Objekte, einschließlich Schulen, stellen einen Verstoß gegen das Völkerrecht dar.“

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