Krieg eskaliert weiter

Trump will Angriffe gegen Iran verstärken: „Wir haben noch nicht einmal angefangen“

Der US-Präsident will die Angriffe auf den Iran noch ausweiten.
© APA/AFP/MANDEL NGAN

Auch zwischen Israel und dem Libanon gibt es nun gegenseitige Angriffe. Auf allen Seiten werden Tote gemeldet, im Iran mehr als 550. Die kuwaitische Luftabwehr hat indes drei US-Kampfjets abgeschossen – unabsichtlich, wie es heißt.

Zwei Tage nach Beginn des US-israelischen Kriegs gegen den Iran hat die israelische Armee erneut massive Angriffe auf Teheran geflogen. Die Luftwaffe habe „unter Anleitung der Geheimdienste“ einen weiteren „umfassenden Angriff auf Ziele des iranischen Terrorregimes“ im Zentrum der Hauptstadt gestartet, erklärte die Armee am Montag. Irans Sicherheitsratschef Ali Larijani lehnte mögliche Verhandlungen mit den USA ab.

Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten am Montag von starken Explosionen im Zentrum von Teheran, die Wohngebäude erschütterten. Auch im Westen der Stadt waren heftige Detonationen zu hören.

Laut Trump steht große Angriffswelle noch bevor

US-Präsident Donald Trump will die Angriffe auf den Iran indes noch verstärken. „Wir haben noch nicht einmal angefangen, hart zuzuschlagen“, sagte er in einem Interview dem Sender CNN. „Die große Welle kommt bald.“ Trump sagte, die Attacken liefen bisher sehr gut. „Wir prügeln sie windelweich.“ Er bekräftigte sein Ziel, den Krieg in etwa vier Wochen zu beenden. „Wir sind dem Zeitplan sogar voraus.“ Bis dato hätten die USA 49 iranische Anführer ausgeschaltet.

Ein zerstörtes Krankenhaus in der iranischen Hauptstadt Teheran. Die Kämpfe gehen unvermindert weiter.
© APA/AFP/ATTA KENARE

„Sie wissen nicht einmal, wer sie derzeit anführt.“ Als größte Überraschung nannte Trump die Angriffe des Irans auf die arabischen Staaten in der Region und deren Reaktion. „Sie wollten sich nur sehr geringfügig beteiligen. Und jetzt bestehen sie darauf, einbezogen zu werden.“

📽️ Video | 550 Tote im Iran

Nach Angaben des Roten Halbmonds wurden seit Beginn der US-israelischen Angriffe im Iran mehr als 550 Menschen getötet. Das berichteten staatliche Medien in der Islamischen Republik. Der Iran wiederum hat nach Angaben des israelischen Militärs erneut Raketen auf den jüdischen Staat abgefeuert.

Krieg weitet sich aus

Bereits Montagfrüh hat sich der Konflikt mit dem Eingreifen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz auf den Libanon ausgeweitet. Als Reaktion auf Raketen- und Drohnenangriffe der Hisbollah auf Israel griff das israelische Militär Ziele im gesamten Libanon an. Das libanesische Gesundheitsministerium teilte mit, 31 Menschen seien getötet und 149 verletzt worden.

Das israelische Militär verlautbarte, es habe ranghohe Mitglieder der Hisbollah angegriffen. Das israelische Militär ordnete die Evakuierung von mindestens 50 Städten im Libanon an. Die Bewohner sollen sich einen Kilometer von den Ortschaften entfernen, teilte ein Militärsprecher mit.

Zerstörte Gebäude nach israelischen Raketenangriffen in der libanesischen Hauptstadt Beirut.
© APA/AFP/-

Die libanesische Regierung hat die militärischen Aktivitäten der Hisbollah-Miliz am Montag für illegal erklärt. Das kündigte Ministerpräsident Nawaf Salam in einer Fernsehansprache an. Damit verändert sich der Status der Gruppe von einer teilweise geduldeten Widerstandsbewegung zu einer verbotenen Organisation.

Kuwaitische Luftabwehr hat drei US-Kampfjets abgeschossen

Das US-Zentralkommando Centcom hat am Montag den Abschuss von drei eigenen Kampfjets durch die kuwaitische Luftabwehr gemeldet. Die Maschinen vom Typ F-15E seien versehentlich ins Visier genommen worden.

Alle sechs Besatzungsmitglieder der drei Kampfflugzeuge hätten sich retten können und seien in stabilem Zustand. Der Vorfall werde untersucht. Irans Armee erklärte, sie habe den Stützpunkt Ali al-Salem der US-Luftwaffe in Kuwait ins Visier genommen.

Es kommen nur wenige Fotos aus dem Iran in den Rest der Welt. Menschen in Teheran trauern auf diesem um Ayatollah Ali Khamenei. Bilder von Feiernden, die es wohl in viel größerer Zahl gibt, gibt es nur wenige.
© APA/AFP/-

Iranischer Sicherheitschef schließt weitere Verhandlungen mit USA aus

Der iranische Sicherheitschef Ali Larijani schließt Verhandlungen mit den USA aus. Teheran werde nicht mit Washington verhandeln, erklärte Larijani am Montag auf der Plattform X. Er reagierte damit auf einen Bericht, wonach der Iran versuche, die Verhandlungen wiederzubeleben.

Es sei eine neue umfangreiche Angriffswelle gegen das „iranische Terrorregime im Herzen von Teheran“ begonnen worden, teilte das israelische Militär in der Nacht ohne weitere Details mit. Die Entfernung zwischen der israelischen Stadt Tel Aviv und Teheran beträgt Luftlinie rund 1600 Kilometer. Der am Samstagfrüh in Koordination mit den verbündeten USA gestartete Einsatz der israelischen Luftwaffe gegen den Erzfeind Iran ist nach Armeeangaben der bisher größte in ihrer Geschichte.

📽️ Video | Binnen 24 Stunden 1000 Ziele im Iran angegriffen

Raketentrümmer stürzen auf Schiff in Bahrain

In Bahrain stürzten indes Trümmer einer von der Luftabwehr abgefangenen Rakete auf ein Schiff und lösten ein Feuer aus. Dabei kam ein aus Asien stammender Arbeiter ums Leben, zwei weitere wurden schwer verletzt, wie das Innenministerium des Inselstaats im Persischen Golf auf der Plattform X mitteilte. Der Brand in einem Hafengebiet nahe der Hauptstadt Manama sei inzwischen gelöscht worden.

Von der Leyen fordert Deeskalation und politischen Übergang

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat im Iran-Krieg zu Deeskalation aufgerufen. Man müsse intensiv daran arbeiten, eine Ausweitung des Konflikts zu verhindern, sagte sie in Brüssel. Die einzige dauerhafte Lösung sei eine diplomatische. Diese müsse aber einen politischen Übergang sowie ein definitives Ende des iranischen Atom- und Raketenprogramms beinhalten. Auch die destabilisierenden Aktivitäten des Landes in der Region müssten ein Ende haben.

Die Lage bringe „neue Hoffnung für die unterdrückte Bevölkerung des Irans“ unterstrich von der Leyen. Die EU unterstütze nachdrücklich deren Recht, über ihre eigene Zukunft zu bestimmen. (APA, dpa, Reuters)

📽️ Video | Trump: Krieg im Iran dauert vier Wochen

Mehr zum Thema:

undefined

Eskalation in Nahost

Tiroler Urlauberinnen in Dubai gestrandet: „Man spürt die Angst bei allen“

undefined

Lage im Nahen Osten eskaliert

Schwere Explosionen erschüttern erneut Teheran, Partei dementiert Tod Ahmadinedschads

undefined

Nach Tod Khameneis

Von Massenprotesten bis zum Regionalkrieg: Wie es im Iran nun weiter gehen könnte

undefined

Angriff auf Iran

„Sie wollen reden und ich habe zugestimmt“: Trump kündigt Gespräche mit iranischer Führung an

undefined

Fragen und Antworten

Tiroler Iran-Experte Walter Posch: Ein neuer Krieg mit vielen Fragezeichen