Sensation in Amsterdam: Bisher unbekannter Rembrandt entdeckt
Eine jahrzehntelange Ungewissheit ist beendet: Nach umfassenden Analysen wurde ein lange verschollenes Bild dem niederländischen Meister zugeschrieben.
Amsterdam – Experten des Amsterdamer Rijksmuseum haben die Wiederentdeckung eines Werks von Rembrandt van Rijn (1606–1669) bestätigt. Wie das Museum am Montag mitteilte, handelt es sich um das lange verschollene Gemälde „Vision von Zacharias im Tempel“ aus dem Jahr 1633, dessen Echtheit nun durch modernste Analyseverfahren zweifelsfrei nachgewiesen wurde.
Hightech-Analyse bestätigt Echtheit
Für die Untersuchung nutzten die Forscher dieselben fortschrittlichen Techniken wie bei der „Operation Nachtwache“. „Materialanalysen, stilistische und thematische Ähnlichkeiten, von Rembrandt vorgenommene Änderungen und die gesamte Qualität des Gemäldes stützen alle die Schlussfolgerung, dass dieses Gemälde eine echte Arbeit von Rembrandt van Rijn ist“, erklärte das Museum. Die Untersuchung des Holzes bestätigte zudem, dass das Entstehungsdatum 1633 korrekt ist.
Das Werk zeigt eine biblische Szene: Der Hohepriester Zacharias erhält im Tempel Besuch vom Erzengel Gabriel, der ihm die Geburt seines Sohnes, Johannes des Täufers, verkündet. Der Engel selbst wird nicht dargestellt; seine Ankunft wird durch ein Licht in der oberen rechten Ecke des Bildes angedeutet.
Taco Dibbits, Direktor des Rijksmuseum, erklärt: „Es ist wunderbar, dass die Menschen nun mehr über den jungen Rembrandt erfahren können – er schuf dieses sehr ergreifende Werk kurz nach seinem Umzug von Leiden nach Amsterdam. Es ist ein wunderschönes Beispiel für die einzigartige Art und Weise, wie Rembrandt Geschichten darstellt.“
Rembrandt malte das Bild im Alter von 27 Jahren. Es steht in einer Reihe mit anderen bedeutenden Werken aus dieser frühen Periode, wie „Daniel und König Cyrus vor dem Götzen Bel“ (1633, J. Paul Getty Museum, Los Angeles), „Simeons Lobgesang“ (1631, Mauritshuis, Den Haag) und „Jeremias trauert um die Zerstörung Jerusalems“ (1630, Rijksmuseum, Amsterdam).
Odyssee eines Meisterwerks
Das Gemälde wurde 1960 aus Rembrandts Gesamtwerk ausgeschlossen und nach dem Kauf durch eine Privatperson 1961 der Öffentlichkeit entzogen. Seither galt das Bild als verschollen. Kürzlich kontaktierte der jetzige Besitzer das Rijksmuseum, was eine erstmalige Prüfung seit 65 Jahren ermöglichte.
„Vision von Zacharias im Tempel“ ist eine langfristige Leihgabe an das Rijksmuseum und wird ab Mittwoch, 4. März, für die Öffentlichkeit zu sehen sein.
Über den Wert des Bildes sind keine seriösen Angaben möglich. Da das Gemälde nicht zum Verkauf steht, kann ein etwaiger Preis nur geschätzt werden, zumal Werke der Alten Meister extrem selten auf den Markt kommen. 2022 kaufte der niederländische Staat Rembrandts „Der Fahnenträger“ für 175 Millionen Euro. (TT, APA)
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