Trend auch in Österreich

Studie warnt vor deutlichem Anstieg bei Brustkrebs bis 2050

Brustkrebserkrankungen und Todesfälle steigen insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen stark an.

Die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen steigen weiterhin stark an. Für 2050 werden 3,5 Millionen erwartet.

Brustkrebs ist nach wie vor die häufigste Krebsart bei Frauen weltweit. Eine Studie in der Fachzeitschrift Lancet Oncology prognostiziert einen deutlichen Anstieg: von 2,3 Millionen Neuerkrankungen und 764.000 Todesfällen im Jahr 2023 auf über 3,5 Millionen Fälle und fast 1,4 Millionen Todesfälle bis 2050. Schon jetzt entsprechen die Todesfälle „einem Verlust von rund 24 Millionen gesunden Lebensjahren durch Krankheit und vorzeitigen Tod“, heißt es in der Studie.

Das Wichtigste in Kürze

Prognostizierter Anstieg jährliche Neuerkrankungen: von 2,3 Millionen auf über 3,5 Millionen Fälle für 2050

Prognostizierter Anstieg jährliche Todesfälle: von 764.000 (2023) auf fast 1,4 Millionen bis 2050

Internationale Trends: Raten in wohlhabenden Ländern bleiben auf hohem Niveau stabil, Erkrankungen und Todesfälle in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen steigen stark an.

Fachleute sehen dennoch großes Potenzial in Früherkennung und der Reduktion vermeidbarer Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes und Tabakkonsum.

Großer Anstieg in ärmeren Weltregionen

Beunruhigend seien die internationalen Trends. Während die Raten in wohlhabenden Ländern auf hohem Niveau stabil bleiben und die Sterblichkeit dort sinkt, steigen Erkrankungen und Todesfälle in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen stark an.

„Während Frauen in Ländern mit hohem Einkommen in der Regel von Vorsorgeuntersuchungen, frühzeitiger Diagnose und umfassenden Behandlungsstrategien profitieren, verlagert sich die zunehmende Belastung durch Brustkrebs in Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Dort sind Betroffene oft mit einer Diagnose in einem fortgeschrittenen Stadium, einem schlechteren Zugang zu qualitativ hochwertiger Versorgung und höheren Sterblichkeitsraten konfrontiert“, sagte die Hauptautorin Kayleigh Bhangdia vom Institute for Health Metrics and Evaluation (IHME) der University of Washington (USA).

So ist die Zahl der Neuerkrankungen beim Mammakarzinom in Ländern mit hohem BIP mit einem Anteil von 73 Prozent weiterhin am höchsten. Sie wächst aber am schnellsten in Ländern mit niedrigem Bruttoinlandsprodukt.

Unverhältnismäßiges Wachstum

Die Entwicklung hat auch etwas mit der Demografie zu tun. Um Vergleiche zwischen Ländern und im Zeitverlauf zu ermöglichen, können globale Fall- und Sterberaten für Brustkrebs mittels Altersstandardisierung bereinigt werden. Die Studie offenbart duch dieses Verfahren gravierende Ungleichheiten.

So waren beispielsweise die altersstandardisierten Inzidenzraten (Neudiagnosen pro Jahr und 100.000 Frauen) für Brustkrebs im Jahr 2023 in Ländern mit hohem Einkommen, darunter Monaco, Andorra, Frankreich, Deutschland und Irland, im Durchschnitt am höchsten (rund hundert Neuerkrankungen pro 100.000 Frauen oder mehr) und in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, darunter Afghanistan, Somalia und Mosambik, drastisch niedriger (13 Neuerkrankungen pro 100.000 Frauen oder weniger).

Allerdings sind die altersstandardisierten Neuerkrankungsraten seit 1990 in Ländern mit niedrigem Einkommen stark angestiegen (durchschnittlich um 147 Prozent), während sie in Ländern mit hohem Einkommen stabil geblieben sind. Das unterstreiche das unverhältnismäßige Wachstum ausgerechnet in Weltregionen mit geringeren Ressourcen.

Mortalität in wohlhabenden Staaten zurückgegangen

Ferner sanken die altersstandardisierten Sterberaten aufgrund von Brustkrebs in Ländern mit hohem Einkommen zwischen 1990 und 2023 im Durchschnitt um 30 Prozent auf 16 Todesfälle pro 100.000 Frauen, während sie sich in Ländern mit niedrigem BIP fast verdoppelten und auf 24 Todesfälle pro 100.000 Frauen anstiegen. Dies ist offenbar die Folge der Ungleichheit in Früherkennung, späteren Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten.

Für Österreich gibt die Studie eine altersstandardisierte Abnahme der Neuerkrankungen an Brustkrebs um 2,5 Prozent für den Zeitraum von 1990 bis 2023 an. Das liegt im Trend der vermögendsten Staaten der Welt. Altersstandardisiert hätte die Brustkrebs-Sterblichkeit um 35,6 Prozent abgenommen. Die Zahl der Todesfälle (nicht altersstandardisiert) sei aber um 2,5 Prozent gestiegen.

Die Statistik Austria hat in ihrer Publikation „Krebserkrankungen in Österreich 2024“ die Situation unter anderem so dargestellt: „Mit 6096 Neuerkrankungen im Jahr 2022 und einem Anteil von knapp 30 Prozent an allen Tumoren war Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. 2022 waren auch 65 Männer mit dieser Diagnose konfrontiert. 1588 Frauen und 17 Männer verstarben zuletzt daran.“ Die relativen Überlebensraten seien im Zeitraum von 2004/2008 bis 2022 (einjähriges Überleben) von 94,7 Prozent auf 97,2 Prozent gestiegen, auch die Fünf-Jahres-Überlebensrate hätte sich auf zuletzt 87 Prozent erhöht.

Großes Präventionspotential

Früherkennung mit regelmäßigen Mammografie-Screening-Untersuchungen stellen ein wirksames Mittel zur Verhinderung von Brustkrebs im Spätstadium und dementsprechend auch von Todesfällen dar.

Doch es gibt auch ein großes Präventionspotenzial. „Mehr als ein Viertel der durch Brustkrebs verlorenen gesunden Lebensjahre sind auf sechs veränderbare Risikofaktoren zurückzuführen, darunter ein hoher Konsum von rotem Fleisch, Tabak, ein hoher Blutzuckerspiegel (Diabetes; Anm.) und ein hoher BMI (Adipositas; Anm.) - was wichtige Möglichkeiten zur Prävention bietet", heißt es vonseiten der Fachzeitschrift. (APA, TT)