Warum die „Kultur Weberei“ in Telfs trotz Erfolgen in eine ungewisse Zukunft blickt
Das neue Vorstands-Team der Telfer „Kultur Weberei“ will neue Maßstäbe für die Entwicklung von Subkultur setzen und gleichzeitig ein leistbares Angebot schaffen. Die finanziellen Rahmenbedingungen erschweren diesen Plan aber zunehmend.
Telfs – Das Fenster in der Telfer „Kultur Weberei“ steht offen, ein Schwall frischer Luft legt sich über den typischen Geruch einer überstandenen Nacht im Club. Anna Wieser hantiert noch hinter der Bar, die blonden Haare hat sie teils unter einer Wollmütze versteckt. In den vergangenen Monaten stand sie häufig hinter dieser Bar. „Ich mache hier mittlerweile gefühlt alles. Von Getränkebestellungen bis hin zum Putzen, Bardiensten, Booking, Werbung oder Soundcheck-Begleitung“, erklärt die 30-Jährige. „Nur das Handwerkliche konnte ich mir bislang vom Leib halten“, fügt sie lachend hinzu.
Früher, als hier noch die „Riddim Bar“ untergebracht war, stand Wieser auf der anderen Seite. „Das war mein Wohnzimmer hier. Als das Riddim geschlossen hat, hat mich das emotional sehr getroffen“, gibt die Telferin zu. Das Kult-Lokal bot jungen Bands und Musiker aus der Umgebung stets eine Bühne. Umso glücklicher ist die Tirolerin, als eine Gruppe rund um den Telfer Musiker Jesse Grande und Tabea Köhle mit dem neu gegründeten Verein „Kultur Weberei“ im Telfer Pischl-Areal weitermachte.
Neuer Vorstand mit neuen Ideen
Der Verein hat von Anfang das Ziel, Subkultur in Telfs zu etablieren, einen Kulturraum zu schaffen, der leistbar ist. Doch was den Besuchern zugute kommen soll, stellt die Vereinsführung von Beginn an vor Herausforderungen. Die Finanzierung von Umbaumaßnahmen frisst das finanzielle Polster rasch auf, Förderungen kommen nicht wie geplant. Unzählige ehrenamtliche Stunden gehen dabei drauf. Nach einem Jahr ist klar, dass eine Veränderung her muss. „Als ich mitbekommen habe, dass der alte Vorstand nicht mehr weitermachen wollte, dachte ich, dass es sehr schade wäre, wenn das Projekt stirbt. Es gab noch so viel Potenzial“, verdeutlicht Wieser.
Gemeinsam mit Kaspar Fischer übernimmt sie deshalb bei der letzten Generalversammlung die Vereinsführung. Doch ohne Vorkenntnisse ist das gar nicht so einfach. Wie stampft man ein Programm aus dem Boden, ohne ein Minimalbudget zu überschreiten? Wie hält man die Kosten gering? Wie erreicht man ein junges Zielpublikum? Und vor allem: Wie begeistert man Menschen für ein derartiges Projekt und findet ehrenamtliche Helfer? Fragen, die sich Kaspar und Anna mit den anderen Mitgliedern der „Kultur Weberei“ von nun an stellen müssen.
Das neue Programm kommt gut an, die meisten Konzerte, die seither stattfanden, sind ausgebucht. Sogar aus Innsbruck kommen Besucher nach Telfs. Doch die finanziellen Probleme, mit denen auch die Vorgänger zu kämpfen hatten, bleiben. „Ein großes Problem sind die jungen Besucher, die gehen abends nicht wirklich aus. Unser Publikum fängt eigentlich erst bei Mitte 20 an. Subkultur klingt immer so positiv, aber was macht man, wenn das Programm am Land nicht angenommen wird?“, meint Wieser.
Enger Finanzrahmen
Für den Verein ist die Planung schwierig, wenn der Finanzrahmen so eng gesteckt ist. Dennoch wird das Angebot langsam erweitert. Neben Konzerten und Clubbings stehen in der laufenden Saison auch Kabarettabende, Workshops oder ein „Fünf-Uhr-Tee“ mit DJ-Begleitung auf dem Programm. Platz ist außerdem für Theater, Lesungen oder Poetry Slams. Einiges davon findet in Kooperation mit ortsansässigen Vereinen, motivierten Privatpersonen und Betrieben wie beispielsweise der Bergstation Telfs oder der Bücherei Telfs statt. „Die Frage ist nur, wie lange es sich finanziell durchhalten lässt. Wir können nicht viel ausprobieren, was das Testen schwierig macht“, beschreibt die Telferin das Spannungsfeld zwischen Kultur und Kommerz.
Frühlingsprogramm in der „Kultur Weberei“
- 6.3. Musikkabarett Posch
- 14.3. Karaoke Party
- 21.3. Irish Night mit Konzert o‘Hamlet
- 28.3. Konzert - Von Seiten der Gemeinde
- 4.4. Kinderprogramm - Die Beatboxerei
- 17.4. Konzert - Die Analphabeten
- 14.5. Konzert - Manu Delago & Max ZT
Trotz der schwierigen Gemengelage schaut die Vereinsführung aber positiv in die Zukunft. Um nicht nur von Förderungen abhängig zu sein, wollen die Mitglieder aktiv auf Sponsorensuche gehen. „Jeder Fußballverein wird von Sponsoren gestützt, warum nicht auch ein Kulturbetrieb?“, fragt sich Wieser. Es sei jedenfalls ein gutes Mittel, um den Fortbestand der „Kultur Weberei“ abzusichern.
Ein zweites ist das ehrenamtliche Team, das sich auch in Zukunft dem Betrieb voll verschreiben muss. Wieser ist jedenfalls zuversichtlich, dass es mit dem Verein weitergeht. „Die Motivation ist groß – wir machen das wirklich mit Leib und Seele. Die Erfolge der letzten Monate sprechen für sich. Gleichzeitig können wir nicht wirklich sagen, wie es weitergeht. Ich sehe aber auf jeden Fall Potenzial.“
„Ruptur“ für lokale Kultur