Vertritt Österreich

ESC-Sänger Cosmó im TT-Interview: „Habe schon als Kind Disco gespielt“

Ob der Stern auch Teil der ESC-Showbühne sein wird, steht für Sänger Cosmó noch nicht fest.
© © APA/Wieser

Im Wohnzimmer hat er früher „Disco“ gespielt, denn schon als Kind wollte Benjamin Gedeon Sänger werden – oder Zahnarzt. Jetzt wird er beides. Und vertritt unter dem Namen Cosmó Österreich beim ESC im Mai 2026.

Dein Künstlername Cosmó bedeutet auf Deutsch Kosmos, oder?

Nein, Cosmó ist kurz für „Cosmopolitan“, das steht für „weltoffen“. Ich bin ja in Budapest geboren, meine Mama ist aus Ungarn, mein Papa aus Deutschland, und als ich zwei war, sind wir ins Burgenland gekommen. Österreich ist mein Heimatland, ich hab’ zusätzlich noch Einflüsse zweier Kulturen, und das prägt. „Cosmopolitan“ ist eine Message über mich.

Band Boys: Mit seiner Band „The Thumbs“ musiziert Sänger Cosmó seit 2022. Die Gruppe hat bereits einige Studioaufnahmen veröffentlicht, steht aber auch auf Live-Auftritte.
© privat

Was bedeutet dir die Musik?

Ich hatte immer schon eine sehr interessante Beziehung zu Musik. Heute, wenn ich einen Song höre und schreibe, dann mache ich es noch immer genauso wie vor 15 Jahren. Ich denke mir nichts dabei, sondern lasse es auf mich wirken. Als Kind habe ich so getanzt, wie sich die Musik angefühlt hat – das projiziere ich auch auf die Bühne: Was löst die Musik in mir aus? Das Befriedigendste ist für mich, wenn Musik und Körper im Einklang sind und ich so auch andere Menschen zum Tanzen bringen kann. Das ist der größte Gewinn und die größte Freude für mich.

Hast du Geschwister, und singen die auch so gerne und gut?

Ich habe einen Bruder, der singt nicht so gerne, aber er spielt begeistert Klavier. Wir haben früher zusammen musiziert, unser erstes gemeinsames Konzert war „Ave-Maria“. Und mein Papa spielt Schlagzeug. Zu Weihnachten machen wir immer als Familienband der Mama eine Freude, ich singe, mein Bruder spielt Klavier und mein Papa Schlagzeug. Wir performen Weihnachtsnummern, aber auch Songs von Elvis Presley.

Welche Kindheitserinnerung magst du besonders gerne?

Als Kind habe ich gerne „Disco“ gespielt. Das Spiel war simpel: Wohnzimmer, Licht aus, bunte Lichter an, Sonnenbrille auf und Musik aufdrehen. Ganz oft habe ich zu „Diamonds“ von Rihanna getanzt. Das war mein absolutes Lieblingsspiel.

Andere Saite: Neben Stimme und Klavier mochte Ben auch immer andere Instrumente, wie hier die Ukulele.
© privat

Aufgewachsen bist du am Neusiedler See, kannst du auch Segeln und Surfen?

Ja, ich bin wirklich glücklich darüber, am See aufgewachsen zu sein. Ich hab’ tatsächlich einen Segelkurs gemacht in der Schule und in einem Sommer den Surfschein. Das macht Megaspaß, der Neusiedler See ist wirklich perfekt für alle Wassersportarten.

Bleibt ein Wasser-Kind immer ein Wasser-Kind?

Jaaa. Der See fehlt mir sehr, aber die Donau ist eine gute Alternative, da kann man stellenweise Bahnen ziehen von einem Ufer zum anderen. Schwimmen ist so ein schönes Hobby, ich freue mich schon auf den Sommer.

© Benjamin Gedeon

Du warst als Pubertier bei der Gesangsshow „The Voice Kids“. Die erste Runde lief nicht so gut und du musstest recht früh ausscheiden. Wie geht man in so einem jungen Alter damit um?

Das kann zuerst sehr niederschmetternd sein, zu hören, dass es nicht gereicht hat. Danach habe ich ein bisschen gebraucht, um das zu verdauen, und wollte mich gar nicht mehr bewerben. Meine Mama hat mich dann überzeugt, das doch als Chance zu sehen, mich noch einmal vorzubereiten. Mit mehr Motivation als vorher noch einmal anlaufen. Denn es gibt immer Luft nach oben, das ist ein wertvolles Mindset: Immer besser werden zu wollen.

Baby Ben: Der Sänger im Alter von ungefähr einem Jahr. Heute hat der Sänger dunkle Korkenzieherlocken.
© Benjamin Gedeon

Warst du immer schon eine kleine Rampensau oder kann man sich hinter dem aufgemalten Stern auch ein bisschen verstecken?

Eigentlich war ich ein ganz ruhiges Kind und bin auch heute ein ruhiger Mensch, finde ich. Außer die Bühne ist frei und die Musik läuft. Da werde ich zur Rampensau. Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, ein Publikum zu entertainen – ob singend oder tanzend, ganz egal. Ich darf also mein kleines Kind jetzt in der Wiener Stadthalle auf der ganz großen Bühne ausleben.

Ganz ehrlich: Hast du vor dem ESC eher positives Lampenfieber oder negatives Muffensausen?

Ich denke, ich hab’ eher Lampenfieber. Beim Soundcheck bin ich nervöser. Ich möchte, dass alles sitzt und klappt. Aber kurz vor dem Auftritt bin ich voller Adrenalin, Muffensausen hab’ ich da eher weniger. Volle Kraft voraus!

Der kleine Ben am Klavier in seinem Zuhause in Burgenland.
© Benjamin Gedeon

Wie fandest du die Tirolerinnen Lena und Kayla beim ESC-Vorentscheid?

Lena und Kayla haben beide so großartige Stimmen, die direkt ins Herz gehen. Nicht nur das Gefühl, sondern auch die Technique ist wahnsinnig beeindruckend, es war so schön, das live zu erleben. Ich habe nun beim Einschlafen abwechselnd Ohrwürmer von den beiden.

Du studierst eigentlich Zahnmedizin. Woher kommt dieses Interesse?

Arzt war ein Job, den ich immer total interessant fand. Ich arbeite so gerne mit meinen Händen. Früher hab’ ich geduldig Modellhäuser für die Modelleisenbahn gebaut und mochte es, die kleinen Teile zusammenzufügen. Ich vertiefe mich so gerne. Und der Patientenkontakt und jeden Tag mit Menschen zu tun zu haben ist auch eine große Freude für mich. Deshalb wurde es Zahnmedizin.

Cosmó als Sieger der Show Vienna Calling - Wer singt für Österreich?
© ORF/Thomas Ramstorfer.

Nun wird dein Traum von der großen ESC-Bühne wahr. Apropos Traum: In welcher Sprache träumst du?

Ich träume auf Deutsch. Außer ich träume von der Bühne und dem ESC, dann träume ich auf Englisch – und auf Französisch: „Douze points!“ („12 Punkte!“)

Sprichst du Hochdeutsch, Ungarisch oder burgenländischen Dialekt?

Zuhause spreche ich meist Hochdeutsch und natürlich Ungarisch mit der Mama, damit ich es nicht vergesse. Es ist eine sehr schwere Sprache. Dialekt aus dem Burgenland kann ich nur imitieren, aber nicht ganz natürlich sprechen. Meine Freunde sind da auch nicht sehr überzeugt von meinen Versuchen.

Ist ein Kind freier in Ungarn oder in Österreich?

Ich hatte das Glück, in beiden Ländern frei sein zu können. Ob Neusiedler See oder Balaton – beides ist wirklich sehr schön, ich hab mich als Kind sehr wohl gefühlt und heute immer noch. Wir sind heute noch an beiden Seen gerne auf Urlaub.

Wie nennen dich deine Freunde eigentlich, ganz einfach Benni?

Meine Freunde nennen mich Ben. Ganz früher als Kind hieß ich Beni mit einem „n“, da hab’ ich mich geärgert, als mich die Leute mit zwei „n“ geschrieben haben. So wurde es Ben. Mein Onkel sagt: Dein Name wird immer kürzer, irgendwann wird aus Ben der Be und dann der B.