Führer verschollen

Wo ist der neue Machthaber des Iran, Mojtaba Khamenei?

Dieses Plakat in Teheran zeigt den neuen Revolutionsführer Mojtaba Khamenei.
© AFP

Selbst der innere Kreis des Regimes weiß angeblich nicht, wo sich der Revolutionsführer aufhält. Er soll verletzt, aber „wohlauf“ sein.

Teheran – Seit Sonntag ist Mojtaba Khamenei der neue oberste Führer des Iran und hat damit in allen politischen und strategischen Fragen das letzte Wort. Doch Freund und Feind warten noch immer auf ein Lebenszeichen des 56-Jährigen.

In der Regierung herrscht dem Vernehmen nach Verwirrung. Man wartet darauf, dass Khamenei erklärt, welchen Kurs er einschlagen will. Doch laut dem Portal Iranwire hat derzeit nicht einmal Präsident Massud Peseschkian, der im System der Islamischen Republik dem obersten Führer untergeordnet ist, Kontakt zum Revolutionsführer.

Israel droht mit Exekution

Die USA und Israel wiederum wüssten gern, wo Khamenei sich aufhält, damit sie ihn ins Visier nehmen können. Israels Verteidigungsminister Israel Katz hat offen erklärt, dass jedes neue Staatsoberhaupt ein Angriffsziel sei. Satellitenbildern zufolge hat Israel den Bunkerkomplex der Familie erneut bombardiert. Und auch US-Präsident Donald Trump sagte auf Fox News: „Ich glaube nicht, dass er in Frieden leben kann.“

Die New York Times berichtete unter Berufung auf Quellen im Iran, dass Khamenei den Luftangriff überlebt habe, bei dem seine Eltern und seine Ehefrau ums Leben kamen. Er soll aber Verletzungen davongetragen haben, unter anderem an seinen Beinen, und verstecke sich an einem gut geschützten Ort mit minimaler Kommunikation.

„Gott sei Dank wohlauf“

Die einzige halboffizielle Information zum Zustand von Khamenei kam am Mittwoch aus Regierungskreisen – möglicherweise in Reaktion auf die Spekulationen im In- und Ausland. Youssef Peseschkian, Sohn des Präsidenten und zugleich Regierungsberater, postete auf Telegram: „Ich habe Freunde mit Verbindungen gefragt. Sie sagten mir, dass er Gott sei Dank wohlauf ist.“ Im staatlichen Fernsehen wurde der neue oberste Führer als „verwundeter Veteran des Ramadan-Krieges“ bezeichnet.

In der iranischen Öffentlichkeit ist Khamenei hingegen präsenter als je zuvor. Binnen Tagen wurden in den Straßen zahlreiche Poster mit seinem Konterfei aufgehängt – manche zeigen ihn auch mit seinem Vater und signalisieren politische Kontinuität. Es gab auch bereits im ganzen Land Veranstaltungen, bei denen die Teilnehmer dem neuen Machthaber Treue schworen und Fahnen schwenkten. (TT, APA)

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