Vorwürfe gegen Behörden

UN-Bericht sieht Anzeichen für ethnische Säuberungen durch Israel im Westjordanland

Das Westjordanland wird seit Jahrzehnten von Israel kontrolliert. Dort ist unter anderem das israelische Militär präsent.
© HAZEM BADER

Der Bericht spricht von rund 1700 dokumentierten Fällen in zwölf Monaten, bei denen israelische SiedlerInnen Gewalt gegen die palästinensische Bevölkerung ausgeübt haben. Das lasse „Befürchtungen einer ethnischen Säuberung“ im besetzten Gebiet aufkommen.

Tel Aviv, Ramallah – Die israelischen Siedleraktivitäten im besetzten Westjordanland sind nach einem Bericht des UNO-Menschenrechtsbüros deutlich ausgeweitet worden. Die Aktivitäten deuteten auf koordinierte Aktionen und eine israelische Politik mit Massenvertreibungen hin, „was Befürchtungen einer ethnischen Säuberung aufkommen lässt“, heißt es in dem Bericht. Die unrechtmäßige Umsiedlung geschützter Personen stelle ein Kriegsverbrechen dar.

Das Büro dokumentierte in den zwölf Monaten bis Ende Oktober 2025 insgesamt 1732 Fälle von Siedlergewalt, nach 1400 Fällen in den zwölf Monaten davor. Der Bericht bezieht sich auf die Periode bis Oktober 2025, die Zeit danach erfasst er nicht. Die palästinensischen Bewohner würden ständig schikaniert und eingeschüchtert, und ihre Häuser und Ackerland würden zerstört, berichtete Ajith Sunghay, Leiter des UNO-Menschenrechtsbüros für die besetzten palästinensischen Gebiete.

Israelische Behörden beteiligt

„Die Gewalt durch Siedler ging in koordinierter, strategischer und weitgehend unangefochtener Weise weiter“, heißt es in dem Bericht. „Wobei die israelischen Behörden eine zentrale Rolle spielten, in dem sie Anweisungen geben, sich beteiligen und dieses Verhalten ermöglichen.“ Viele Siedler würden vom Staat mit Waffen ausgestattet und trainiert.

Im Oktober 2025 habe es zu Beginn der Olivenernte 42 Übergriffe durch Siedler gegeben, 131 Palästinenser seien verletzt worden, so viele wie nie in einem Monat seit 2006. Allein im besetzten Ostjerusalem hätten israelische Behörden den Bau von fast 37.000 neuen Wohnungen und Häusern erlaubt, ebenso 27.200 im Rest des Westjordanlandes. (APA, dpa)