Theater statt Tabu: Psychische Gesundheit rund um die Geburt auf der Bühne
Schwangerschaft und Geburt bringen nicht nur Freude, sondern auch Unsicherheit, Druck und Sorgen gehören für viele (werdende) Eltern dazu. Ein Projekt der Med Uni Innsbruck hat sich damit befasst, wie man leichter darüber sprechen kann – ein Ergebnis ist ein unterhaltsames Mitmach-Theater.
St. Johann i.T., Kufstein – Jede fünfte Mutter und jeder zehnte Vater sind während der Schwangerschaft bzw. dem ersten Lebensjahr ihres Kindes von psychischen Erkrankungen betroffen. „Es wird viel zu wenig darüber gesprochen“, sagt Philipp Schöch, Projektkoordinator von „Healthy Minds“, einer Forschungsgruppe, die sich an der Med-Uni Innsbruck mit dem Thema befasst.
Dort hat man sich in einer interdisziplinären Gruppe – bestehend aus Müttern, Vätern aber auch Fachleuten aus allen Gebieten rund um das Thema Geburt – die Frage gestellt, was es in Tirol braucht, um die Situation für betroffene Eltern zu verbessern. „Mehr Bewusstsein, weniger Tabuisierung“, war man sich schnell einig. Aber wie ein niederschwelliges Angebot schaffen, das alle Beteiligten erreicht?
Forumtheater hilft gegen Stigmatisierung
„Wir sind dann zufällig auf das Format des Forumtheaters gestoßen und waren begeistert – wir wollten es als einen Baustein in unserer größeren Awareness-Kampagne umsetzen“, sagt Schöch. So wandte man sich an Regisseur Armin Staffler, der bereits im Bereich Suchtprävention mit diesem Format gearbeitet hatte. „Das Forumtheater bietet eine sehr gute Möglichkeit, leichter über stigmatisierte Themen in Austausch zu kommen“, so Schöch.
Dabei handelt es sich um eine Art Laienschauspiel, bei dem das Publikum in die Szenen eingreifen kann – um so Raum für neue Handlungsmöglichkeiten und Reflexion zu schaffen. Dafür hat „Healthy Minds“ in einer kleinen Workshopreihe ein Stück mit mehreren Rollen kreiert – alles auf der Basis der persönlichen Erfahrungen der Mütter und Väter einerseits und auf den Forschungsergebnissen der Fachleute andererseits.
„Wir arbeiten in unserem Projekt partizipativ, auch das Stück ist so entstanden“, erklärt Schöch. Das Ergebnis ist eine 20-minütige Bühnenfassung mit unterschiedlichen Rollen. „Es beginnt damit, dass eine Frau erfährt, dass sie schwanger ist. Sie weiß aber nicht, wie sie damit umgehen soll, weil sie bereits eine Fehlgeburt hatte“, beschreibt er den Einstieg ins Stück.
„Merken nicht, dass sie Druck erzeugen“
Gespielt werden die sechs bis sieben Rollen von LaienschauspielerInnen. Darunter sind Mutter und Vater genauso wie etwa die Oma, die sich schon so sehr auf ihr Enkerl freut. „Die meint das natürlich nur gut und merkt wahrscheinlich gar nicht, wie groß der Druck ist, der dadurch erzeugt wird“, erklärt Schöch. Den meisten würde das nämlich nicht auffallen – für die Frau, die selbst noch gar nicht weiß, wie sie mit der Schwangerschaft umgehen soll, kann aber genau das sehr belastend sein.
Nachdem das Stück einmal durchgespielt wurde, startet es von vorn – mit dem Unterschied, dass nun das Publikum intervenieren darf. „Wer eine Szene anders auflösen will, kann ‘Stop’ rufen und dann die Rolle auf der Bühne für eine Szene übernehmen. Im Anschluss wird gemeinsam reflektiert und diskutiert, so entsteht Austausch und Raum für neue Handlungsmöglichkeiten.“
Hemmschwelle sinkt schnell
Ob sich die Leute aus dem Zuschauerraum auch wirklich auf die Bühne trauen? „Armin macht das hervorragend und baut diese Hemmschwelle schnell ab. Dass die SchauspielerInnen selbst Laien sind, hilft auch.“ So hat die Premiere in Innsbruck sehr gut funktioniert, schon in der Anfangsszene traute sich die Erste auf die Bühne. „Es war wirklich ein humorvoller Austausch.“
So ist das Stück auch keineswegs nur für (werdende) Eltern interessant, sondern auch für ihr Umfeld, etwa die Großeltern. Aber auch für Fachleute rund ums Thema und „alle, die gerne einen unterhaltsamen Theaterabend erleben“, lädt Schöch alle Interessierten ein. Es wird in allen Bezirken aufgeführt.
Termine und Anlaufstellen
Mütter und Väter, die sich rund um die Geburt in einer Krise befinden, finden hier Unterstützung:
Die Termine in ganz Tirol:
- 22. März 2026 in St. Johann, 19.30 Uhr, Alte Gerberei
- 08. April 2026 in Imst, 19.30 Uhr, Stadtbühne Imst
- 10. April 2026 in Kufstein, 19.30 Uhr, Bundesrealgymnasium Kufstein
- 16. Mai 2026 in Schwaz, 15.00 Uhr, Museum der Völker
- 22. Mai 2026 in Innsbruck, 19.00 Uhr, Haus der Begegnung
Der Eintritt ist bei allen Vorführungen frei.