„Fantasiepreise für Grundstücke sind vorbei“: Wie die Tigewosi die Kosten senken will
Die Tigewosi-Chefs, Edgar Gmeiner und Florian Rangger, wollen mit seriellem Bauen die Kosten um bis zu zehn Prozent senken.
Seit Jahrzehnten verspricht die Politik leistbares Wohnen. Den Stein der Weisen hat Sie bisher noch nicht gefunden. Was wäre aus Ihrer Sicht der einfachste Weg dorthin?
Edgar Gmeiner: Diesen einen Stein der Weisen gibt es nicht. Ich würde eher von vielen kleinen „Kieselsteinen“ sprechen. In Tirol trifft eine hohe Nachfrage auf ein geringes Angebot an verfügbarem Dauersiedlungsraum. Daher kann Wohnen hier nie „billig“ sein. Die zwei wichtigsten Grundpfeiler für leistbares Wohnen sind die Wohnbauförderung und die Verfügbarkeit von günstigen Grundstücken. Bei der Wohnbauförderung ist Tirol ausgezeichnet aufgestellt. Der Knackpunkt bleiben die Grundstücke: Ohne günstige Grundstücke keine leistbaren Wohnkosten.
Florian Rangger: Politische Hebel sind Verwaltungsvereinfachung, die Reduktion von Überregulierungen und schnelle Behördenverfahren. Ein weiterer Lösungsansatz ist der „Gebäudetyp E“, der in Deutschland bereits in Versuchsprojekten umgesetzt wird. Das „E“ steht für mich für Einfachheit, Effizienz und auch Experiment. Durch eine Entschlackung von Planungs- und Ausführungsprozessen, Standardisierungsmaßnahmen sowie die Reduktion von Komfort- und Ausstattungsstandards, die nicht sicherheitsrelevant sind, wird Bauen günstiger.
Herr Gmeiner, Sie haben die Grundpreise als Kostentreiber angesprochen. Wie kommt ein gemeinnütziger Bauträger zu günstigen Grundstücken? Denn die Tiroler Wohnbauförderung deckelt ja diese für Gemeinnützige.
Gmeiner: Wir brauchen dabei die Unterstützung der Gemeinden. Das Bewusstsein der Gemeinden, uns als stabilen Partner zu sehen, ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Wir erleben auch, dass Gemeinden von sich aus Grundstücke zu sehr attraktiven Konditionen vergeben. So haben wir vor einigen Jahren ein Baurecht für den symbolischen Betrag von einem Euro jährlich erhalten.
Rangger: Ein Schlüssel ist die konsequente Anwendung der Vertragsraumordnung. Dabei handelt es sich um eine Vereinbarung zwischen Gemeinden, Grundeigentümern und Bauträgern, um leistbare Grundstücke zu sichern.
Ist es für Sie einfacher geworden, an Grundstücke zu kommen?
Gmeiner: Ja, deutlich. Der gewerbliche Sektor schwächelt, weshalb diese Mitbewerber nicht mehr jene Fantasiepreise für Grundstücke zahlen können, die in der Vergangenheit geboten wurden. Wenn Eigentumswohnungen für mehr als 10.000 Euro pro Quadratmeter angeboten werden, dann bedient das nur noch ein sehr schmales Nachfrage-Segment.
Die Tigewosi will auf serielles Bauen setzen. Was heißt das?
Rangger: Serielles Bauen bedeutet für uns Standardisierung, sowohl in der Akquise, im Planungsprozess als auch in der Umsetzung. Das heißt nicht, dass alle Gebäude gleich aussehen, aber man kann skalierbare Planungskonzepte einsetzen. Insbesondere durch die Vorfertigung von Bauteilen können wir die Bauzeit verkürzen und die Qualität steigern, was Kostenvorteile von bis zu 10 Prozent an den Baukosten bringen kann. Wir entwickeln aktuell zwei Projekte im Großraum Innsbruck, bei denen wir das ausprobieren werden.
Steckbriefe
Edgar Gmeiner: Der kaufmännische Geschäftsführer der Tigewosi ist seit über 25 Jahren beim gemeinnützigen Bauträger tätig. Er ist auch Obmann der gemeinnützigen Bauträger Tirols.
Florian Rangger: Der technische Geschäftsführer der Tigewosi war u.a. Bauleiter eines großen Baukonzerns und Bauamtsleiter von Völs. Er ist Baumeister und Sachverständiger.
Das Gespräch führte Frank Tschoner