Renommierte Auszeichnung

„Leicht und abgründig“: Leipziger Buchpreis für Katerina Poladjan

Katerina Poladjan wurde 1971 in Moskau geboren, sie wuchs in Rom und Wien auf – und lebt inzwischen in Deutschland.
© IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Der Preis der Leipziger Buchmesse geht an „Goldstrand“ von Katerina Poladjan. Der Tiroler Norbert Gstrein war mit „Im ersten Licht“ nominiert. In der Kategorie Übersetzung wurde der Österreicher Manfred Gmeiner ausgezeichnet.

Leipzig – Die unter anderem in Wien aufgewachsene deutsche Autorin Katerina Poladjan wurde am Donnerstagnachmittag für ihren Roman „Goldstrand“ mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Belletristik ausgezeichnet. Die Jury lobte das Buch als „meisterliche Vorführung, wie eine Biografie aus Selbstbefragung und Erfindung entsteht, aus Fabulieren und dem Umschiffen von Schmerz“. „Goldstrand“ handelt von einem alternden Regisseur bildgewaltiger Filme, der in einer bröckelnden Villa in Rom versucht, sich seiner selbst zu versichern.

Poladjans Sprache sei „leicht und abgründig zugleich, ihre Hauptfigur betrachtet sie mit Zuneigung und sanftem Spott, solange, bis das Bild eines Menschen entsteht, der sich auf einen Abschied vorbereitet und selbst noch nicht weiß, wohin ihn die Reise führt.“

Zum Buch

Katerina Poladjan: Goldstrand. S. Fischer, 160 Seiten, 23,50 Euro.

Auch der Tiroler Autor Norbert Gstrein war mit seinem neuen Roman „Im ersten Licht“ für die renommierte Auszeichnung nominiert. Die Jury lobte „Im ersten Licht“ als „kunstvoll“ und „vielschichtig“. Der Roman umkreise „elementare Fragen unserer Gegenwart: Mit welcher Sprache erzählen wir von Tod und Gewalt? Und wie verhindern wir, dass aus Faszination für Krieg wieder Begeisterung wird?“

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Der Preis für die beste Übersetzung geht nach Österreich: Der Wiener Manfred Gmeiner wurde für „Unten leben“ ausgezeichnet. Der Roman des peruanischen Autors Gustavo Faverón Patriau ist im Grazer Literaturverlag Droschl erschienen.

Die Jury schreibt: „Dutzende Stimmen bilden in diesem meisterhaften Horror- und Schelmenroman ein Mosaik der düsteren Geschichte Lateinamerikas. Manfred Gmeiner hat diese labyrinthische Erzählung mit spielerischer Eleganz übersetzt, ohne jemals den Blick für ihre eigensinnigen Figuren, die literarischen Querverweise und das magische Funkeln der Poesie zu verlieren.“

Zum Buch

Gustavo Faverón Patriau: Unten leben. Aus dem Spanischen übersetzt von Manfred Gmeiner. Literaturverlag Droschl, 600 Seiten, 34 Euro.

Die Auszeichnung für das beste Sachbuch erhielt Marie-Janine Calic für „Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa“ (C. H. Beck). Calic schließe mit ihrem „eindrucksvollen Werk“ eine Lücke, die in der Exilforschung bislang kaum beachtet wurde, heißt es in der Jurybegründung.

„In ihrer enormen und akribischen Recherche erzählt sie die wechselvolle Geschichte der Balkanroute anhand vieler Einzelschicksale, erschließt politisch-historische Zusammenhänge und zeigt den Balkan als Region der Hoffnung und des Übergangs.“

Zum Buch

Marie-Janine Calic: Balkan-Odyssee. 1933-1941. Auf der Flucht vor Hitler durch Südosteuropa. C. H. Beck, 383 Seiten, 28,80 Euro.

Die Auszeichnungen sind mit jeweils 15.000 Euro dotiert. Nicht ausgezeichnete Nominierte erhalten 1000 Euro.

Die Jury setzte sich heuer aus Katrin Schumacher, Zita Bereuter, Kais Harrabi, Katharina Herrmann, Thomas Hummitzsch, Tilman Spreckelsen und Judith von Sternburg zusammen.