Zuspruch von Promi-Frauen

„Wie bei Todesnachricht“: Collien Fernandes erhebt erschütternde Vorwürfe gegen Ex Christian Ulmen

Collien Fernandes schildert den Wendepunkt: „Es war wie bei einer Todesnachricht.“
© IMAGO/Klaus W. Schmidt

Collien Fernandes erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen und macht den Fall öffentlich. Auf Instagram und im „Spiegel“ schildert die Schauspielerin mutmaßliche digitale Gewalt. Eine Wiener Expertin erklärt die Dynamiken.

Collien Fernandes hat sich entschieden, mit ihren Erfahrungen an die Öffentlichkeit zu gehen. In einem Bericht des Spiegel sowie auf Instagram erhebt die Moderatorin und Schauspielerin schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen. Demnach soll er sich über Jahre hinweg im Internet als sie ausgegeben und in ihrem Namen teils sexuelle Chat-Kontakte mit fremden Männern geführt haben. Außerdem wirft sie ihm vor, manipulierte Fotos und Videos verbreitet zu haben.

Besonders erschütternd ist dabei jener Moment, den Fernandes selbst als Wendepunkt beschreibt. Laut ihrer Darstellung soll Christian Ulmen ihr am 25. Dezember 2024 in einem Hotel in Hamburg gestanden haben, hinter den digitalen Übergriffen zu stecken. Im Spiegel beschreibt sie diesen Augenblick mit den Worten: „Es war wie bei einer Todesnachricht.“ Für sie sei in diesem Moment eine Welt zusammengebrochen.

Damals Bilderbuch-Paar: Christian Ulmen mit Ehefrau Collien Fernandes im Jahr 2011.
© imago stock&people

Nach ihren Angaben hatte sie sich bereits lange zuvor mit digitalem Missbrauch auseinandergesetzt. Über Jahre kämpfte Fernandes demnach gegen Fake-Profile sowie gegen manipulierte Bilder und Videos, die sie teils nackt oder in sexuellen Handlungen gezeigt haben sollen. Dass ausgerechnet ihr damaliger Ehemann dahintergesteckt haben könnte, habe sie nie geahnt. Fernandes spricht in diesem Zusammenhang selbst von „virtueller Vergewaltigung“.

Wie schwer solche Formen digitaler und sexualisierter Gewalt für Betroffene wiegen, werde gesellschaftlich oft unterschätzt, sagt die Wiener Expertin und Buchautorin Ingrid Brodnig.„Die konkrete Gewalt, die Frauen erleben, ist für Außenstehende oft unsichtbar.“ Gerade deshalb sei es für viele Betroffene ein bedeutender Schritt, das Erlebte öffentlich zu machen.

Denn nach Einschätzung Brodnigs verändert sich derzeit auch der gesellschaftliche Umgang mit solchen Erfahrungen. „Gerade verschiebt sich gesellschaftlich etwas: Thematisieren und öffentlich ansprechen wird zur Selbstverteidigung der Frauen.“ Dass Fernandes mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit geht, wird von vielen daher nicht nur als persönlicher Schritt gelesen, sondern auch als Signal an andere Betroffene.

Buchautorin („Feindbild Frau“) Ingrid Brodnig.
© Gianmaria Gava

Dass in solchen Fällen oft auch sprachlich verharmlost oder verschoben werde, sieht Brodnig kritisch. Viele Männer gebrauchen sprachliche Verteidigungsformen. Man spricht von ‚Dämonen‘ und ‚Fetisch‘. Von Dämonen zu sprechen, stellt die Situation so dar, als seien die Männer selbst Opfer ihrer Taten. Und zum Thema Fetisch darf man nicht vergessen: Einen Fetisch zu leben bedingt einen Konsens mit meinem Gegenüber – ansonsten ist es sexuelle Gewalt.“ Solche Begriffe, so die Expertin, können den Blick auf das Erlebte verzerren und Betroffene zusätzlich belasten.

Ingrid Brodnigs neues Buch „Feindbild Frau“ ist im Brandstätter Verlag erschienen (208 Seiten Hardcover, € 25).

Die Vorwürfe und eine Anzeige von Fernandes führten laut Berichten zu Vorermittlungen der spanischen Staatsanwaltschaft auf Mallorca, wo beide bis zuletzt lebten.

Ulmens Anwalt weist die Darstellung zurück und spricht von unzulässiger Verdachtsberichterstattung sowie unwahren Tatsachen auf Grundlage einer einseitigen Schilderung.

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Große Solidarität in den sozialen Netzwerken

Unabhängig vom juristischen Ausgang des Falls ist bereits jetzt deutlich, wie groß die Welle der Solidarität für Collien Fernandes in den sozialen Netzwerken ist. Vor allem viele Frauen sprechen ihr öffentlich Mut, Mitgefühl und Unterstützung zu.

So schrieb Autorin Anika Decker: „Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Es tut mir unendlich leid, was dir passiert ist.“ Auch Journalistin Düzen Tekkal fand eindringliche Worte. Sie dankte Fernandes für den Mut, das Schweigen zu brechen, und betonte, dass Betroffene nicht allein seien. Die Scham müsse die Seite wechseln, schrieb Tekkal, und digitale Gewalt müsse endlich klar benannt und gesellschaftlich geächtet werden.

Moderatorin Rebecca Mir (links) mit Angelina Kirsch (Mitte) und Collien Fernandes (rechts).
© IMAGO/Klaus W. Schmidt

Auch aus der Medienbranche kommt viel Zuspruch. Moderatorin Rebecca Mir zeigte sich tief erschüttert und bezeichnete den Schritt an die Öffentlichkeit als mutig und bewundernswert.

Auch Palina Rojinski, eine Familienfreundin von Fernandes und Ulmen, solidarisiert sich klar mit Fernandes und dankte ihr dafür, öffentlich zu machen, was ihr widerfahren sein soll.

Palina Rojinski war eine Freundin des Ehepaares Ulmen-Fernandes, stellt sich nun aber hinter ihre Freundin Collien.
© IMAGO/Gartner

Schauspielerin Susan Sideropoulos reagierte mit emotionalen Worten und schickte ihrer Kollegin öffentlich eine feste Umarmung. Auch Carolin Kebekus, Janin Ullmann und viele weitere Frauen äußerten sich bestürzt und solidarisch. In tausenden Kommentaren unter Fernandes’ Beitrag wird vor allem eines deutlich: Viele Frauen sehen in ihrem Schritt ein wichtiges Zeichen für andere Betroffene.

Auf der Instagramseite des Magazins Spiegel steht: „Ulmens Anwälte boten dem Spiegel ein Hintergrundgespräch an, das in der vergangenen Woche stattfand. Die Juristen gingen dabei auf einen Teil der Vorwürfe gegen Ulmen ein – zuvor hatten sie es allerdings zur Bedingung gemacht, dass in diesem Artikel nicht über ihre Einlassungen berichtet werden darf.“