Hunderte Kühe und Kälber auf Schiff verendet: Österreichische Firma soll hinter Transport stehen
Recherchen der „ZIB2“ zeigen, dass ein österreichisches Unternehmen hinter dem grausamen Rindertransport von Uruguay in die Türkei im Herbst 2025 stand. Dieses weist die Vorwürfe zurück.
Ein grausamer Transport von Tausenden Rindern auf einem Frachtschiff von Uruguay in die Türkei sorgte im Herbst 2025 weltweit für Schlagzeilen. Laut am Montagabend veröffentlichten Recherchen der ZIB2-Redaktion des ORF war ein österreichisches Unternehmen für die Überfahrt verantwortlich.
Demnach wurde der Rindertransport von der Agro Breeding GmbH mit Sitz in Jagenbach im Waldviertel organisiert. Laut den türkischen Importeuren war eine Kette von Fehlentscheidungen des österreichischen Unternehmens die Ursache für die katastrophalen Verhältnisse an Bord. Die Agro Breeding GmbH weist dies zurück und sieht die Importeure in der Verantwortung.
Ursprünglich sei vereinbart worden, dass das Schiff mit den 2900 Rindern Mitte Juli 2025 in Montevideo ablegen sollte. Die Kühe wurden jedoch erst zwei Monate später auf den Frachter „Spiridon II“ verladen. „Viele Kühe waren trächtig, sie hätten im fünften oder sechsten Schwangerschaftsmonat verschifft werden sollen. Wegen der Verspätung sind die Tiere aber sehr trächtig aufs Schiff gebracht worden“, sagte Savas Dursun, einer der türkischen Importeure, gegenüber der ZIB2. Zahlreiche Kälber kamen somit an Bord zur Welt – und viele davon überlebten nicht.
Videomaterial, das der ZIB2 vorliegt, zeigt den Zustand innerhalb des Schiffs bei der Ankunft in der Türkei, rund vier Wochen nach der Abfahrt in Uruguay. Zu sehen sind mehrere tote Kälber, die am Boden liegen, teilweise bereits im Verwesungszustand.
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Die Agro Breeding GmbH weist die Vorwürfe zurück: „Tatsächlich hat es aus Gründen, die nicht von uns zu vertreten sind, Verzögerungen gegeben. Dies wurde jeweils mit den Käufern besprochen und der geänderte Zeitplan von den Käufern genehmigt“, erklärte das Unternehmen gegenüber der ZIB2.
Tiere monatelang an Bord
Das Schiff kam nach zwei Monaten auf See am 22. Oktober vor der Küste der türkischen Stadt Bandirma im Marmarameer an. Unter anderem wegen fehlender Dokumente durften die Tiere aber nicht in der Türkei abgeladen werden. Bei einer Untersuchung an Bord sei festgestellt worden, dass 140 Kühe auf der Reise Kälber geboren hätten. 90 der Kälber seien jedoch nicht auffindbar gewesen. Dutzende Tiere seien auf dem langen Weg in Richtung Türkei umgekommen.
Nach einem dreiwöchigen Aufenthalt und notdürftiger Versorgung der überlebenden Rinder legte das Schiff laut der Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation wieder ab. Endpunkt der Reise sei Bengasi in Libyen gewesen, wo die Rinder verkauft worden sein sollen.
Importeure sehen Viehhändler in der Verantwortung
Die Importeure in der Türkei sehen nun den Viehhändler aus dem Waldviertel in der Verantwortung für die Ereignisse. Dieser soll den folgenreichen Transport organisiert haben. Die Rinder sollen zudem verladen worden sein, obwohl dem Unternehmen bewusst gewesen sei, dass die Einfuhr verweigert werden könnte. Seitens der Importeure wurden auch rechtliche Schritte eingeleitet, es soll um zwei Millionen Dollar (1,72 Mio. Euro) gehen. Eine Zivilklage wurde in Österreich eingereicht.
Vom Unternehmen wurden die Vorwürfe indes zurückgewiesen. Die Übergabe sei vertragsgemäß mit der Verladung in Uruguay erfolgt, von Käufer-Seite sei das Schiff mit den Tieren im türkischen Hafen „gerichtlich blockiert“ worden. Bestätigt wurde der Rechtsstreit mit den türkischen Importeuren, von denen die niederösterreichische Firma wiederum selbst Geld fordert. (TT.com, APA)