„America’s Dad“ wegen Missbrauchs verurteilt: Bill Cosby muss Millionen an Opfer zahlen
Der frühere US-Komiker und Schauspieler Bill Cosby (88) ist erneut des sexuellen Missbrauchs für schuldig befunden und zu einer hohen Entschädigung verurteilt worden. Die Jury sprach der Klägerin in einer ersten Entscheidung Schadenersatz von umgerechnet mehr als über 16 Millionen Euro zu.
Geschworene in Kalifornien hatten es in dem Zivilprozess als erwiesen angesehen, dass Cosby vor mehr als 50 Jahren eine heute 84 Jahre alte Frau missbraucht hatte. In einem weiteren Schritt verhängten die Geschworenen eine zusätzliche Strafzahlung in Höhe von 40 Millionen Dollar. Derartige „Punitive Damages“ sind im US-Rechtssystem gebräuchlich, um zusätzlich zu einer Entschädigung auch eine Bestrafung oder Abschreckung zu erwirken. Damit liegt die Gesamtsumme nun bei knapp 60 Millionen Dollar.
Die Klägerin, die 84-jährige Donna Motsinger, hatte Cosby vorgeworfen, sie vor mehr als 50 Jahren unter Drogen gesetzt und vergewaltigt zu haben. Cosby gab an, sich selbst nicht mehr an den Vorfall zu erinnern.
Schwere Vorwürfe
Nach Motsingers Angaben nahm Cosby sie ins Visier, als sie als Kellnerin in einem Restaurant in Sausalito nördlich von San Francisco arbeitete. Im Jahr 1972 habe er sie mit seiner Limousine abgeholt und ihr ein Glas Wein und eine vermeintliche Aspirin-Tablette gegeben. Danach habe sie immer wieder das Bewusstsein verloren und sei zu Hause in ihrer Unterwäsche aufgewacht. "Sie wusste, dass sie von Bill Cosby betäubt und vergewaltigt worden war", hieß es in der Klageschrift.
54 Jahre auf Gerechtigkeit gewartet
Es habe 54 Jahre gedauert, um Gerechtigkeit zu erfahren, sagte die Klägerin nach Bekanntwerden des Urteils laut der New York Times. Sie hoffe damit, auch anderen Frauen ein wenig zu helfen. Ein neues kalifornisches Gesetz ermöglicht Schadenersatzklagen wegen sexuellen Missbrauchs ohne Einschränkung durch eine Verjährungsfrist.
Cosby war in dem Verfahren nicht persönlich erschienen, hatte die Vorwürfe aber über seine Verteidiger und in einer eidesstattlichen Aussage zurückgewiesen. Seine Anwälte gaben an, der 88-Jährige könne sich an keinen sexuellen Kontakt zu Motsinger erinnern. Falls es doch zu Sex gekommen sei, sei dieser einvernehmlich gewesen. Das Anwaltsteam kündigte an, in Berufung zu gehen.
Der Fall wurde in demselben Gerichtsgebäude verhandelt, in dem eine Jury Cosby im Jahr 2022 dazu verurteilt hatte, einer anderen Frau 500.000 US-Dollar Schadensersatz zu zahlen. Die Geschworenen hielten es für erwiesen, dass der Schauspieler die Klägerin 1975 missbraucht hatte, als sie erst 16 Jahre alt war.
Schauspieler galt als „America’s Dad“
Cosby wurde in den USA jahrzehntelang als „America's Dad“ verehrt. In der Rolle als liebenswürdiger Arzt und gutmütiger Familienvater in der „Bill Cosby Show“ war er einer der beliebtesten TV-Stars des Landes. Durch die Missbrauchsvorwürfe Dutzender Frauen wurde er dann jedoch zum Geächteten.
Mehr als 60 Frauen beschuldigten Cosby des sexuellen Missbrauchs. Über einen Zeitraum von 40 Jahren soll er immer wieder Frauen mit Betäubungsmitteln und Alkohol gefügig gemacht und vergewaltigt haben. Die meisten Fälle sind allerdings verjährt.
Dutzende Frauen haben der TV-Ikone, bekannt durch die Sitcom „Die Bill Cosby Show“, im Rahmen der MeToo-Bewegung Missbrauch vorgeworfen. Er hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.
Knapp drei Jahre im Gefängnis
Der Komiker war 2018 in einem Strafprozess wegen sexueller Nötigung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, doch nach knapp drei Jahren im Gefängnis kam er 2021 frei. Wegen eines Verfahrensfehlers war die Verurteilung überraschend gekippt worden.
1970–2025