1941–2026

Praktische Philosophie im Hörsaal und auf der Bühne: Zum Tod von Allan Janik

Der Philosoph Allan Janik war seit 1995 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Innsbrucker Brenner-Archivs.
© Wittgenstein Initiative

Der gebürtige US-Amerikaner zählte zu den größten Kennern der österreichischen Geistesgeschichte. Seit den 1970er-Jahren war er eng mit Innsbruck verbunden. Mit der Universität genauso wie mit dem Kellertheater.

Manchmal stand Allan Janik sogar auf der Bühne. Etwa im Spätsommer 2004, als im Innsbrucker Kellertheater „Ein Abend mit Loriot“ gespielt wurde. Offiziell firmierte Janik im Kellertheater aber als „Chiefdramaturg“. Und als solcher gelang ihm immer wieder Bemerkenswertes: ein aufs Skelett reduzierter „Klein Eyolf“ zum Beispiel oder eine mit „Cordelias Schweigen“ überschriebene Zwei-Personen-Fassung von Shakespeares „König Lear“, die 1996 selbst die Wiener Theaterkritik nach Innsbruck lockte.

„Shakespeare“, so sagte es Janik einmal, „führt im Lear besser als jeder Philosoph vor, was es bedeuten kann, sich selbst nicht zu kennen. Da es die Hauptaufgabe der praktischen Philosophie ist, sich selber kennenzulernen, muss man Shakespeare als wichtigen Philosophen anerkennen.“ Allan Janik wusste genau, wovon er sprach. Schließlich war er selbst Philosoph von internationaler Strahlkraft.

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„Wittengsteins Wien“ wurde zum Standardwerk

1973 veröffentlichte er, gerade einmal 32 Jahre alt, gemeinsam mit Stephen Toulmin „Wittgenstein’s Vienna“, das nicht nur in der englischsprachigen Welt schnell zum Standardwerk über das österreichische Geistesleben um 1900 wurde. Die Recherchen für die Studie führten Janik erstmals auch nach Innsbruck, um im Brenner-Archiv Quellen zu erschließen. „Ich verspürte sofort einen Anschluss – wissenschaftlich wie persönlich“, sagte er. 2018 veröffentlichte Janik eine überarbeitete Version des Buches.

Allan Janik kam 1941 in Chicopee, Massachusetts, zur Welt. Er studierte Philosophie und klassische Philologie an mehreren US-amerikanischen Universitäten. 1971 promovierte er mit einer Arbeit über Ludwig Wittgenstein.

Mehrfach ausgezeichnet

1989 wurde er Honorarprofessor an der Universität Wien. Als Gastprofessor kam er immer wieder nach Innsbruck. Von 1995 bis 2006 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Brenner-Archiv. Bereits 1993 begann die Zusammenarbeit mit dem Kellertheater. Außerdem saß Allan Janik lange im wissenschaftlichen Beirat des Wiener Leopold-Museums und war Mitgründer der „Wittgenstein Initiative“.

Allan Janik hat mehr als 20 Bücher veröffentlicht, Studien über „Hitlers favourite Jew“ Otto Weininger genauso wie – als Herausgeber – über das „Berufswissen des Schauspielers“. 2006 wurde er mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet, 2020 erhielt er das Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

Am 22. März ist Allan Janik im Alter von 85 Jahren nach längerer Krankheit gestorben.

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