Dirndl- und Trachtenmode

Dem Dirndl wachsen Flügel

Pastellige Töne und viel Grün bestimmen die Trachtenmode im Frühjahr/Sommer.
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Die Trachtenmode wird leicht und pastellig, die Bluse transparenter. Oder überflüssig.

Von Elke Ruß

Es wird Frühling! Passend dazu rückt die festliche Schwere in der Dirndl- und Trachtenmode in den Hintergrund. Im heurigen Frühjahr und Sommer machen Pastelltöne, feine Stoffe und harmonische Farbverläufe das Dirndl femininer, leichter und insgesamt deutlich moderner, erklärt Katharina Krassnitzer, die Leiterin der Fachmesse Fesch in der Salzburger Brandboxx. Nuancen wie Apfelgrün, Pfirsich, zarte Beerentöne, Flieder und Holunderblütenweiß treten auf den Plan. Harmonische Farbspiele zwischen Rock und Mieder und sanfte Ton- in Ton-Übergänge sind angesagt.

Grün in allen Nuancen

Auffällig sei 2026 „die starke Präsenz von Grün — von Salbei bis zum Jägerton“, berichtet Krassnitzer weiter. „Gleichzeitig zeigt sich, dass Tracht heute weit über klassische Festanlässe hinausgeht und immer selbstverständlicher im Alltag getragen wird.“

Man sieht extrazarte, teils transparente Blusen.
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Das sieht man auch sehr schön in der Herrenmode. Sie übersetze Tracht heute in eine zeitgemäße, urbane Sprache. Die Farben werden auch bei den Herren „lichter, mit Ak­zen­ten in pastelligen Nuan­cen“, schildert Martina Müllner, Chefin der Agentur ueberMODE. Da kann sogar ein Trachtensakko in Rosé dabei sein – „aber immer in einem gedeckten Ton“.

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Bei den Dirndln findet man in dieser Saison auch Modelle in einem sonst selten gesehenem Farbton: in zartem Buttergelb. „Gelb steht aber nicht jedem. Und man sieht sich daran leicht ab“, weiß Cornelia Rauscher, die Geschäftsführerin von Heu & Stroh in Innsbruck. Ihr zufolge sieht man heuer auch viel Blau, von sehr hellen Schattierungen bis hin zu dunkleren Nuancen. Wer doch lieber etwas kräftigere als die vorherrschenden zarten Töne tragen möchte, finde auch Kleider in Pink, Matchagrün und Königsblau, erklärt Rauscher.

Die Bluse im Mittelpunkt

Stichwort blau: Neu sind laut Müller Dirndln, deren Mieder und teils auch die Rockteile wie Denim wirken. Weil der aber viel zu schwer wäre, handle es sich dabei um Viskose- und Baumwollstoffe in Jeansoptik. Zum „modischen Schlüsselstück“ der Saison entwickelt sich aber ganz klar die Dirndlbluse. Mit Ballon- und Flügelärmeln bleiben die Silhouetten feminin und verspielt. Die Bluse setzt aber frische Akzente mit sehr luftigen, teils sogar transparenten Materialien, mit aufwendigen Details wie Perlenstickereien, Schmucksteinen und floralen Motiven. Wie Krassnitzer ergänzt, gibt es auch Blusen mit zartem Flor oder Fransenstruktur.

Neu sind Akzente in Denim. Die Trachtenmode für Herren wird alltagstauglicher.
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Rauscher zufolge kommt aber auch die klassisch geschnittene Baumwollbluse wieder, nur eben „fein und dünn“. Es gibt jetzt außerdem Dirndlschnitte, bei denen die Flügelärmelchen bereits integriert sind. Diese Kleider werden ganz ohne Bluse getragen, was beim Dirndl sonst ein No-Go ist. Die Rocklänge geht weg von kurzen, neckischen 50 Zentimetern und wächst laut Rauscher auf bis zu 80 Zentimeter an. „Ein Dirndl soll ja auch edel ausschauen.“

Dirndlkleider bekommen kleine Flügel aus demselben Stoff wie das Mieder. Modelle wie dieses werden ohne Bluse getragen – was sonst ein No-Go ist.
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Von glänzenden Pumps bis zu komfortablen, trachtigen Sneakern

Der Trachtenschuh als Muss – das hat im Trachtenverein volle Gültigkeit. Beim modischen Dirndl darf auch der Schuh modisch sein. „Je nach Anlass umso auffälliger“, sagt Martina Müller von ueberMODE, Zur Weißwurstparty beim Stanglwirt etwa kann er sogar glänzen und glitzern. Wer vom Dirndl nicht ablenken will, tragt am besten neutrale, nudefarbene Pumps.

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Gehen Sneaker zu Lederhose und Dirndl? Nur bei jungen Trägern und beim Zeltfest, meint Cornelia Rauscher. Zu festlichen Anlässe wie einer Hochzeit gehöre ein schöner Schuh mit Absatz. Wer den Komfort eines Sneakers nicht missen will, findet laut Müller heute „kompetente Abhilfe“ in Form trachtiger Varianten mit Oberleder, das dem einer Lederhose ähnelt. „Das sieht richtig gut aus und blitzt nicht so aus den Outfits raus wie der weiße Sneaker.“ Der werde jungen Menschen, die diesen Look fast schon kultivieren, aber absolut verziehen. Ein Dirndl- oder Trachtenlook sei ein großes Investment. „Da ist es völlig okay, wenn man den Look nach und nach „komplettiert“.