Goldbraune Osterhasen

Darum „furzt“ der Germteig-Hase

Celina Hruschka ist erst dann in Osterlaune, wenn ihre liebevoll kreierten Germ-Hasen im Garten versteckt sind.
© genusskind.at

Die hohe Kunst des Aufgehens: Wie bringt man Germteig, das Sensibelchen in der Backstube, dazu, auf die doppelte Größe anzuwachsen? Eine Tiroler Kochbuch-Autorin klärt auf.

Die einen kneten emsig, nutzen Bio-Eier und flechten aufwändige Hasenkörper aus Germteig. Hier der Puschelschwanz. Dort die ovalen Öhrchen. Erwartungsvoll blicken sie dann zum Herd, doch als sich dessen Türe öffnet – sind die Haserl‘ zerlaufen und man kann das Ostergebäck bestenfalls als moderne Kunst deklarieren. Oder als essbare Frisbee. Naja, die findet jetzt im Frühling vielleicht auch ihr Einsatzgebiet. Immerhin.

Hätten diese Hobby-Bäcker nur die Tipps von Celina Hruschka umgesetzt. Die sind ebenso simpel wie effektiv: „In vielen Rezepten wird geraten, lauwarme Zutaten zu verwenden. Germteig sollte aber mindestens zehn, wenn nicht 15 Minuten geknetet werden. Dabei erwärmt er sich ebenfalls. Wird die Temperatur zu hoch, geht er nicht auf.“

Zuletzt werden die essbaren, fluffigen Ostergeschenke mit verquirltem Ei und Hagelzucker bestreut.
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Wie kommt die Luft in den Teig?

Selbst die jüngsten Kinder der hauptberuflichen Kindergartenpädagogin wissen das. Deren Fachwissen geht noch weiter. „Wenn ich mit ihnen backe, erkläre ich, dass die Bakterien im Teig gerne Zucker essen, so wie wir, und dann Luftblasen erzeugen“, schildert die Fügenerin. Für die Kleinen liegt die Schlussfolgerung auf der Hand: „Unser Teig furzt also!“

Wer sich von kulinarischen Flatulenzen nicht irritieren lässt und weiter bäckt, den weiht die Autorin mehrerer Kochbücher in weitere Germ-Tipps ein: „Die vorgegebene Ruhezeit im Rezept ist eher ein Richtwert.“ Sie variiert je nach Raumtemperatur – ist die Küche kalt, braucht er länger, um aufzugehen.

Zwei Ruhezeiten für das Sensibelchen

Die hilfreichen „Furzi-Bakterien“ arbeiten folglich auch langsamer, wenn der Teig im Kühlschrank ruht. Darum kann man ihn problemlos am Vorabend zubereiten und am nächsten Morgen verarbeiten: „Ist er mindestens auf die doppelte Größe aufgegangen, kann man loslegen.“ Im Optimalfall bekommt er sogar zwei Ruhezeiten: „Nach dem Verkneten und nachdem er in Form gebracht wurde.“

Celina Hruschka hat bereits mehrere Bücher herausgegeben.
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Angstgegner oder magischer Osterteig

Diese Ruhezeit ist notwendig, damit der Kleber im Mehl entspannt und sich die lebenden Hefezellen in Ruhe vermehren. Zu viel Pause sollte man dem Sensibelchen wiederum nicht gönnen: Dadurch würde es seine Struktur verlieren und zusammenfallen.

Kein Wunder, dass der klassische Osterteig, dessen Namen aus dem Mittelhochdeutschen stammt – Gerwen steht für gären – für so manchen als Angstgegner gilt. Nicht so für Hruschka. Sie freut sich schon auf den Morgen des Ostersonntag: „Dann schiebe ich meine Teighasen in den Ofen.“

Ein Tipp am Rande: Um fragile Teiggeflechte, wie Schnecken, beim Herunterschneiden nicht zu zerdrücken, kann man statt eines Messers ein Stück Nähgarn verwenden. Das wird unter den zusammengerollten Teig gelegt, die Enden über der Rolle überkreuzt und mit gleichmäßigem Zug auseinandergezogen. Voilá, schon hat man perfekte Frühstücks-Schnecken gezaubert.

Die goldenen Hasen im Garten

Kommt der geflochtene Genuss goldbraun aus dem Ofen, wird er im Garten der Betreiberin des Blogs genusskind.at versteckt: „Meine Familie liebt es, Ostergeschenke zu suchen. Wir sind so routiniert, dass unsere Verstecke immer raffinierter werden.“

Sollte Hruschkas Mann diesen Artikel lesen – ein kleiner Tipp: Werfen Sie einen Blick unter den Kübel im Gartenhäuschen ...

Rezept für zwölf Osterhasen

Zutaten:

500 g Weizenmehl Type 700 AT/550 DE, 80 g weiche Butter, 80 g Zucker, 2 Eigelbe, 30 g frischer Germ oder 1 Päckchen Trockengerm, 250 g Milch, 1 Päckchen Vanillezucker, 5 g Salz, 1 verquirltes Ei zum Bestreichen, Hagelzucker zum Bestreuen

Zubereitung:

Alle Zutaten für den Teig in eine Rührschüssel geben und mit den Knethaken einer Küchenmaschine oder eines Handrührgerätes auf niedriger bis mittlerer Stufe 10-15 Minuten zu einem glatten Teig verkneten. Der sollte sich vom Schüsselrand und -boden gelöst haben.

Den Teig auf der Arbeitsfläche zu einer Kugel schleifen, zurück in die Schüssel legen und abgedeckt bei Zimmertemperatur ca. 1 Stunde aufgehen lassen. Den Teig nun in 80 g schwere Portionen teilen.

Jeweils 10 g davon zu einer Kugel schleifen (Das wird der Puschel-Schwanz des Osterhasen). Den Rest unter Spannung länglich formen und zu einem ca. 30 cm langen Strang rollen. Den Teigstrang danach um die Teigkugel legen und die Enden zweimal miteinander verdrehen.

Die Osterhasen mit genug Abstand auf zwei mit Backpapier belegte Backbleche legen. Den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Osterhasen nun abgedeckt ca. 30 Minuten aufgehen lassen, dann mit dem verquirlten Ei bestreichen und anschließend mit Hagelzucker bestreuen. Danach im vorgeheizten Backofen ca. 20-25 Minuten goldgelb backen.