Dubiose Finanzgeschäfte

Wetten auf Tod und Zerstörung haben Millionengewinne abgeworfen

Der heutige US-Präsident Donald Trump 1991 in seinem Casino in Atlantic City. Er setzte schon vor Jahrzehnten auf Glücksspiel, blieb damit aber zunächst wenig erfolgreich. Jetzt versucht er es mit Prognosemärkten.
© imago/Skoogfors

Der Verdacht lautet auf Insiderhandel und politische Korruption: wie Trumps Familie und Umgebung den Krieg zu Geld machen soll.

Washington – Einen Tag, bevor die ersten Bomben auf den Iran fielen, haben Unbekannte auf der Plattform Polymarket auf einen unmittelbar bevorstehenden Angriff gewettet. Sechs anonyme Konten, die offenbar zu diesem Zweck eingerichtet worden waren, verdienten damit in Summe 1,2 Mio. Dollar.

Das war kein Einzelfall. Wetten auf Entscheidungen von US-Präsident Donald Trump haben immer wieder Millionengewinne abgeworfen.

Kurz vor Trumps Ankündigung

Besonders krass kassierten Unbekannte diesen Montag ab. Um 6.50 Uhr Ortszeit investierten sie an der New Yorker Börse 1,5 Mrd. Dollar in Termingeschäfte. Sie spekulierten auf einen fallenden Ölpreis und steigende Börsenkurse.

Um 7.04 Uhr sagte Trump auf seiner Plattform Truth Social die angedrohten Angriffe auf Kraftwerke vorerst ab und sprach von Verhandlungen. Die Märkte atmeten auf, und die Termingeschäfte warfen binnen Minuten 60 Mio. Dollar ab.

Der Geldregen für Wetten auf den Kriegsverlauf wirft gravierende Probleme auf.

Bisher gibt es keine Beweise

Erstens besteht Verdacht auf Insiderhandel: Personen, die von Trumps Entscheidungen wussten oder vielleicht sogar eingebunden waren, könnten ihre Nähe zum US-Präsidenten zu Geld gemacht haben.

Das Fachportal Blockchainwelt sprach etwa von Hinweisen darauf, dass ein Sohn von Trumps Nahost-Gesandtem Steven Witkoff in die Geschäfte involviert sein soll. Beweise für ein strafbares Verhalten liegen bisher nicht vor.

„Grundlegend korrupte Märkte“

Zweitens herrscht moralische Empörung über die so genannten Prognosemärkte. Der US-Senator Chris Murphy, ein Demokrat, nannte es einen „Wahnsinn“, dass Wetten auf Krieg und Tod erlaubt sind.

Drittens drohen Interessenkonflikte. „Dies sind grundlegend korrupte Märkte“, sagte Murphy. „Sie sind von Insiderhandel durchsetzt und bieten perverse Anreize für Regierende, die Entscheidungsfindung in Richtung ihrer finanziellen Interessen zu lenken.“

Bundesstaaten sind sauer

Außerdem können schon die Wettquoten die Überlegungen von Politikern, Journalisten und anderen beeinflussen.

Die US-Demokraten wollen jetzt Wetten auf Regierungshandeln verbieten. Auch mehrere US-Bundesstaaten und die Glücksspielindustrie fordern Maßnahmen, weil ihnen die Wetten die Profite bzw. die Steuereinnahmen verhageln.

Trumps eigene Plattform

Doch sie stoßen auf das vierte Problem: Die Familie des US-Präsidenten verdient an den Prognosemärkten. Präsidentensohn Donald Jr. ist an Polymarket beteiligt, wo Wetten auf so gut wie alles gehandelt werden, anonym und steuerschonend. Trumps Multimedia-Konzern bastelt indessen an einer eigenen Vorhersage-Plattform namens Truth Predict.

Die Wetten gelten rechtlich nicht als Glücksspiel, wofür die Bundesstaaten zuständig wären, sondern als Termingeschäfte. Dafür zuständig ist die Futures-Sparte der Börsenaufsicht – eine Bundesbehörde unter Kontrolle der Trump-Administration.

Die Regierung wehrt sich gegen Versuche, die Prognosemärkte strenger zu regulieren oder als Glücksspiel einzustufen. Und die Republikaner im Kongress wagen es bisher nicht, den Geschäftsinteressen der Familie Trump in die Quere zu kommen.