„Unüberbrückbare Differenzen“

Salzburger Festspiele trennen sich mit sofortiger Wirkung von Intendant Hinterhäuser

Markus Hinterhäuser ist seit 2016 Intendant der Salzburger Festspiele.
© TOBIAS STEINMAURER

Die Salzburger Festspiele und ihr langjähriger Intendant Markus Hinterhäuser gehen getrennte Wege. Wie das Festspielkuratorium am Donnerstag mitteilte, wurde die Zusammenarbeit aufgrund „unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede“ mit sofortiger Wirkung beendet.

Salzburg – Die Salzburger Festspiele und Intendant Markus Hinterhäuser gehen aufgrund unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede und Differenzen ab sofort getrennte Wege.

Das ist das Ergebnis einer Besprechung der Anwälte der Festspiele und des Intendanten und seiner Rechtsvertretung, teilte das Festspielkuratorium am Donnerstag in einer Aussendung mit. Beide Seiten verständigten sich darauf, dass Hinterhäuser bis zum Ende seines Vertrages – das ist der 30. September 2026 – beurlaubt ist.

Über die Details der Vereinbarung wurde Stillschweigen vereinbart.

Als nächsten Schritt wird das Kuratorium umgehend die Position der künstlerischen Leitung interimistisch besetzen. „Hier laufen bereits Gespräche mit Kandidatinnen und Kandidaten. Ungeachtet dessen laufen die Vorbereitungen für die Ausschreibung der Künstlerischen Intendanz“.

Intendanten der Salzburger Festspiele (seit 1991)

1991–2001: Gerard Mortier

2002–2006: Peter Ruzicka

2007–2010: Jürgen Flimm

2011: Markus Hinterhäuser (interimistisch)

2012–2014: Alexander Pereira

2015–2016: Sven-Eric Bechtolf (interimistisch)

2017–2026: Markus Hinterhäuser (beurlaubt)

Kulturminister Babler: „Jetzt gilt es, nach vorne zu schauen“

„Ich nehme das Ergebnis der Gespräche zwischen Intendant Hinterhäuser und dem Kuratorium zur Kenntnis. Jetzt gilt es nach vorne zu schauen und für die Salzburger Festspiele rasch eine neue künstlerische Intendanz für die kommenden Jahre zu finden, die auch mit der Situation der Generalsanierung der Festspielhäuser gut umgehen kann“, teilte Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) unmittelbar nach Bekanntwerden von Hinterhäusers Beurlaubung mit.

Auslöser neue Schauspielleitung

Unmittelbarer Auslöser der Differenzen war die Neubesetzung der Schauspielleitung. Nach der frühzeitigen Trennung von Marina Davydova nach nur einem Jahr Ende 2024 hatte das Kuratorium eine transparente Vorgangsweise samt Ausschreibung verlangt. Auf diese hatten sich 23 Kandidatinnen und Kandidaten beworben. Sechs von ihnen wurden dann zu einem Hearing geladen, fünf erschienen

Unmittelbar nach dem Hearing berichteten Medien, dass Hinterhäuser die frühere Burgtheaterdirektorin Karin Bergmann als Favoritin für den Posten bezeichnet haben soll. Dabei hat die 72-Jährige weder am Auswahlverfahren noch am Hearing teilgenommen.

Das Kuratorium, in dem die Fördergeber Bund, Land und Stadt Salzburg und der Salzburger Tourismusförderungsfonds vertreten sind, reagierte schwer verärgert. Eine Sitzung, in der sich Hinterhäuser erklären musste, dürfte dann laut Teilnehmern ziemlich aus dem Ruder gelaufen sein.

Schließlich verkündete das Kuratorium, dass Hinterhäuser die Bedingungen zur Fortsetzung seines Vertrages über den 30. September hinaus nicht erfüllt habe. Denn eigentlich war schon eine Verlängerung bis Herbst 2031 vereinbart worden. Gleichzeitig wurde dem Intendanten das Angebot unterbreitet, noch ein Jahr weiterzumachen, um eine geordnete Übergabe zu ermöglichen. Hinterhäuser ließ die gesetzte Frist allerdings verstreichen und teilte schließlich mit, dass er von einem rechtsgültigen Vertrag bis 2031 ausgehe. Daraufhin wurde die Causa den Anwälten übergeben. (TT, APA)

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