Transparenzbeirat im ORF: Generaldirektorin Thurnher reagiert auf Krise
Nach den jüngsten Vorwürfen setzt die interimistische Generaldirektorin Ingrid Thurnher einen Transparenzbeirat ein. Erste Ergebnisse werden noch vor dem Sommer erwartet.
Wien – Die interimistische ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat in der jüngsten ORF-Krise einen Transparenzbeirat eingerichtet. Dieser nimmt seine Arbeit „umgehend“ auf und soll weisungsfrei die kursierenden Vorwürfe untersuchen, Fehlverhalten aufdecken und erforderliche Konsequenzen aufzeigen, heißt es in einer Aussendung. An der Spitze des Beirats steht mit Bettina Knötzl die Vorstandsvorsitzende von Transparency International Austria.
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Nach Weißmann-Rücktritt
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Thurnher kommt mit der Einrichtung des Beirats einer Empfehlung des ORF-Stiftungsrats nach, der nach dem Rücktritt von Roland Weißmann von der ORF-Spitze eine Taskforce angeregt hat, die sich mit der Führungskultur im Haus beschäftigen soll. Nicht zuletzt hat sich jene ORF-Mitarbeiterin, die Weißmann Fehlverhalten ihr gegenüber vorwirft, nicht an die Compliance-Stelle im ORF oder die Whistleblower-Hotline gewandt, sondern direkt über einen Anwalt das Gespräch mit der ORF-Stiftungsratsspitze gesucht – und den Rücktritt Weißmanns gefordert.
„Versprechen eingelöst“
„Ich habe bei meiner Bestellung versprochen, rasch Verantwortung zu übernehmen und alles dafür zu tun, den ORF mit Professionalität durch diese schwierige Phase zu führen“, wurde Thurnher zitiert. Vor allem gehe es nun darum, Klarheit zu schaffen und Klartext zu reden. Denn: „Vertrauen entsteht nur durch Transparenz und Konsequenz“, sagte sie und stellte klar, dass der ORF vom Vertrauen seines Publikums und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lebe.
Neben Knötzl gehören dem Beirat an: Universitätsprofessorin Elisabeth Brameshuber für arbeitsrechtliche Fragestellungen, Universitätsprofessorin Susanne Kalss für Corporate-Governance-Fragen, die „rosa elefant“-Geschäftsführerin Andrea Pilecky für die Prüfung und Weiterentwicklung der Compliance-Strukturen, Christopher Schrank für die „externe juristische Begleitung konkreter Sachverhalte“ und Unternehmensberater Alfred Autischer für die kommunikative Begleitung des Veränderungsprozesses im Beirat.
Erste Ergebnisse vor Sommer
Ziel ihrer Arbeit sei es, nach einer unabhängigen Aufarbeitung Konsequenzen einzufordern und Empfehlungen zur nachhaltigen Verbesserung der internen Organisation des ORF in den Bereichen Compliance und Governance zu geben, hieß es. Mit ersten Ergebnissen ist wohl noch vor dem Sommer zu rechnen. Nach Abschluss seiner Arbeit wird der Beirat wieder aufgelöst.
Indes hat auch die Compliance-Stelle ihre Arbeit rund um die Vorwürfe gegen Weißmann aufgenommen. Sowohl Weißmann als auch die ORF-Mitarbeiterin sollen in der Vorwoche angehört worden sein. Der Medienmanager soll sie zu mehr als einer freundschaftlichen Beziehung gedrängt haben. Weißmann bestreitet die Vorwürfe und ließ über seinen Anwalt ausrichten, dass es sich um eine Beziehung im beidseitigen Interesse gehandelt habe, in der er keinen Druck ausgeübt habe. Mittlerweile erstattete der frühere ORF-Chef Strafanzeige gegen zwei Personen. Bei der Staatsanwaltschaft Wien läuft eine Anfangsverdachtsprüfung. (APA, TT)
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