Mein lieber Sohn, wo ist …? Von vergesslichen Kindern und verlorenen Gegenständen
Ist bei schlechtem Wetter der Regenschirm eingepackt oder die Mütze? Ist das Federpenal nach der Hausübung wirklich wieder in der Schultasche gelandet? Kinder vergessen und verlieren viel. Warum das so ist und was man dagegen tun kann, erklärt Flora Papanthimou von der Elternbildung Tirol.
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Wäre der Kopf nicht angewachsen, hätte mein Sohn diesen bestimmt auch schon verloren. Gefühlt länger als das Jahr bis jetzt andauert, ist die Liste an verschollenen Gegenständen: 3 Mützen, 2 Paar Handschuhe, 2 Trinkflaschen, 1 Jausenbox, 1 Jacke (!), 1 Tennisschläger, 1 Turnbeutel, 1 Paar Patschen, 1 Lieblingskuscheltier. Fortsetzung folgt …
Ich muss zugeben, angesichts dieser Tatsachen bin ich nicht immer entspannt geblieben. Das ein oder andere Mal konnte ich mir neben Seufzen und Augenrollen eine Standpauke nicht verkneifen.
„Schimpfen hilft nicht“, sagt Flora Papanthimou von der Elternbildung Tirol. Der Ärger führe nur zu weiterer Enttäuschung und Scham beim Kind. Besser wäre es, gemeinsam mit dem Kind zu überlegen, wie ein verlorener Gegenstand wiedergefunden oder ersetzt werden kann. Dies fördere die aktive Lösungsfindung.
Aber warum sind denn die Kleinen so zerstreut? Ist diese kindliche Vergesslichkeit (noch)„normal“? Oder steckt vielleicht etwas anderes dahinter?
Kinder befinden sich in der Entwicklung, werden täglich mit vielen neuen Eindrücken und Reizen konfrontiert, die sie erst verarbeiten müssen. Sie erleben Vieles im Kindergarten oder in der Schule aber auch im Alltag, zu Hause und mit Freunden. All diese Eindrücke sollen verarbeitet und eingeordnet werden.„Somit können Dinge, die den Kindern nicht so wichtig erscheinen, vernachlässigt oder schlichtweg vergessen werden“, erklärt die Expertin.
Ein weiterer Grund: Kinder machen normalerweise die Erfahrung, dass sich die Eltern mit ihnen um die alltäglichen Angelegenheiten kümmern. Darauf verlassen sie sich.
Außerdem sind die Prioritäten natürlich andere. Alles, was Spaß macht, hat Vorrang und erscheint wichtig. Und schon sind wir beim nächsten Punkt: Ablenkung. Was Freude bereitet, zieht natürlich alle Aufmerksamkeit auf sich. Kinder – vor allem im Kindergarten und Volksschulalter– sind vom laufenden Fernseher, von den spielenden Geschwistern, vom Handy etc. abgelenkt und können sich nicht mehr auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren.
Flora Papanthimou – selbst Mutter einer vergesslichen Tochter – gibt Tipps, wie Kinder unterstützt werden können, selbstständiger zu denken:
Struktur und Organisation:
- Feste Plätze: Eine geordnete Umgebung schaffen, in der alles einen festen Platz hat (z.B. ein aufgeräumter Schreibtisch).
- Rituale im Alltag: Feste Abläufe etablieren (z.B. für Hausübungen und Pausen), um dem Kind Sicherheit und Struktur zu geben.
- Visuelle Hilfen: Bilder, Tagespläne oder Checklisten für wiederkehrende Aufgaben wie Zähneputzen oder das Packen der Schultasche nutzen.
- Erinnerungshilfen: Ein Wecker kann helfen, an Pausenzeiten oder den Beginn einer Aufgabe zu erinnern.
Gesundheit und Wohlbefinden:
- Tägliche Bewegung: Für 15 bis 30 Minuten Bewegung an der frischen Luft pro Tag sorgen.
- Ausreichend Schlaf: Guter und genügend Schlaf ist entscheidend.
- Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung fördert die Konzentration.
- Stressreduktion: Stress im Alltag des Kindes minimieren.
- Entspannungsrituale: Dem Kind mit kindgerechten Atemübungen oder Fantasiereisen helfen, zur Ruhe zu kommen.
Verantwortung und Selbstständigkeit:
- Aufgaben übertragen: Dem Kind altersgerechte Verantwortung für alltägliche Tätigkeiten (z.B. ein Haustier versorgen, beim Tischdecken helfen) übertragen.
- In Entscheidungen einbeziehen: Das Kind bei Familienentscheidungen, wie der Wochenendplanung, mitwirken lassen. Dies stärkt das Selbstwertgefühl und die Aufmerksamkeit.
Sollte die Vergesslichkeit jedoch sehr ausgeprägt sein und den Alltag in Schule sowie zu Hause stark beeinträchtigen, rät Papanthimou sich professionellen Rat zu holen. Bei der Stelle der Elternbildung Tirol haben Eltern die Möglichkeit, ein kostenloses und vertrauliches Erstgespräch in Anspruch zu nehmen.
Apropos „nicht vergessen“: die Osterferien nahen und somit rückt die Planung der zehn schulfreien Tage in den Fokus. Warum nicht mal eine der zahlreichen Burgen und Schlösser in Tirol besichtigen? Wir haben die familienfreundlichsten unter ihnen herausgesucht. Schaut euch durch! In den alten Gemäuern gibt es Interessantes zu entdecken.
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Es gibt natürlich auch Suche, die durchaus erwünscht ist, wenn man nämlich nach dem Osternest Ausschau hält. Eine Möglichkeit dafür bietet sich bereits am Samstag. Die Kinderfreunde Kitzbühel laden Familien herzlich zur traditionellen Ostereiersuche ein. Spiel und Rätsel-Spaß erwartet Groß und Klein von 12 bis 14 Uhr im Wildpark in Aurach. Um Anmeldung wird online unter www.kinderfreunde-kitzbuehel.at/veranstaltungen oder per Mail info@kinderfreunde-kitzbuehel.at gebeten.
Beim Flohmarkt von und für Kinder in Hall am Samstag von 13 bis 16 Uhr begeben sich die Youngsters in die Rolle der Händlerinnen und Händler und verkaufen, tauschen und feilschen. Ein Besuch am Oberen Stadtmarkt lohnt sich. Es kann geschaut, gestöbert und das ein oder andere Schnäppchen erworben werden.
Am Palmsonntag begibt sich im Figurentheater im Brux Lizzy, die Tochter der Waldfrau, auf die Suche nach Kräutern im Wald. Ihr begegnet eine Riesenspinne, die Hilfe benötigt. Unterstützung kommt sie von Kasper. Eine Kartenreservierung für„Wer sitzt denn da im Vogelhaus“ wird empfohlen.
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