Vorfall in Einkaufspassage

Frau mitten in Hamburg von Wolf gebissen, Polizisten zogen Tier aus der Alster

Seit dem Wochenenden hatten immer wieder Menschen einen Wolf in Hamburg gemeldet. (Symbolfoto)
© APA/dpa/Lino Mirgeler

Ein Wolf hat sich in die Großstadt verirrt – und griff den Behörden zufolge am Montagabend in einer Einkaufspassage in Hamburg-Altona eine Frau an.

Hamburg – Ein Wolf hat im Hamburger Bezirk Altona eine Frau gebissen und verletzt. Das bestätigte die Polizei der Deutschen Presse-Agentur am Abend. Polizeibeamte fingen den Wolf noch am späten Abend in der Hamburger Innenstadt ein: Am Anleger an der Binnenalster zogen sie das Tier mit einer Schlinge aus dem Wasser, wie ein Sprecher des Lagezentrums schilderte.

Zuvor seien Hinweise von Anrufern eingegangen, die dort und an anderen Orten einen Wolf gesehen hatten. Nach Angaben der Umweltbehörde hat sich der Angriff in einer Einkaufspassage ereignet. Bei dem Wolf habe es sich um das Tier gehandelt, das in den Tagen zuvor im Westen der Stadt gesichtet worden sei. „Der betroffenen Frau wünschen wir eine gute Genesung“, hieß es.

Der Wolf ist sicher untergebracht und wird derzeit tiermedizinisch versorgt.
Umweltbehörde Hamburg

Nach dem Vorfall am Montag sei der Wolf bis an die Binnenalster geflüchtet. „Durch die enge Zusammenarbeit und das professionelle Eingreifen aller Beteiligten konnte das Tier am späten Abend an der Alster erfolgreich gesichert werden“, erklärte ein Sprecher. Die Behörde sprach den Einsatzkräften ihren Dank aus.

„Der Wolf ist sicher untergebracht und wird derzeit tiermedizinisch versorgt“, hieß es weiter. Über den weiteren Verbleib des Tieres werde die Umweltbehörde zeitnah und in enger fachlicher Abstimmung entscheiden.

Sichtungen entlang der Elbvororte

Laut früheren Angaben der Umweltbehörde hatten mehrere Menschen seit Samstag einen Wolf gesichtet. Zunächst sei dieser in Parks entlang des Falkensteiner Ufers in Blankenese beobachtet worden, später auch weiter östlich in Nienstedten und Othmarschen. Der Wolfsexperte Norman Stier von der Technischen Universität Dresden habe später anhand eines Videos und eines Fotos aus der Bevölkerung bestätigt, dass es sich zweifelsfrei um einen Wolf handele.

Wölfe sind scheu

Wölfe gelten als scheu und weichen Menschen in der Regel aus. Nach Angaben des Landesamtes für Umwelt in Bayern können vor allem Jungtiere neugierig auf Menschen reagieren. Zumeist ziehe sich ein Wolf aber langsam und gelassen zurück. Menschen sollten sich bei einer Begegnung ruhig verhalten, einen Hund anleinen, nicht weglaufen und dem Wolf auch nicht hinterherlaufen. Auf keinen Fall sollten Wölfe gefüttert werden, um sie nicht an die Nähe von Menschen zu gewöhnen.

Das Bundesumweltministerium schreibt auf seiner Internetseite: „Es gehört zum normalen Verhalten der Wölfe, dass sie gelegentlich auch tagsüber in Sichtweite von bewohnten Gebäuden entlanglaufen, nachts dann und wann Dörfer durchqueren oder am Dorfrand nach Nahrung suchen.“

Angriffe auf Menschen selten

Übergriffe auf Menschen seien aber sehr selten, heißt es mit Verweis auf eine 2002 vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) veröffentlichte Studie. In der Vergangenheit gab es demnach nur wenige Fälle, in denen gesunde Wölfe einen Menschen angegriffen haben. „Wolfsangriffe auf Menschen lassen sich vor allem auf drei Ursachen zurückführen: Tollwut, Provokation und Futterkonditionierung.“

In Deutschland war im August 2023 ein achtjähriger Junge aus Schleswig-Holstein im Filmtierpark Eschede nahe Celle von einem Wolf in die Brust gebissen worden. Die Familie hatte eine sogenannte „Tierbegegnung“ gebucht, bei der der Wolf zunächst an der Hand des Kindes schnupperte und dann aus nicht bekannten Gründen zuschnappte. Der Junge wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht und nach ambulanter Behandlung entlassen.

Immer wieder Wölfe im Norden gesichtet

Bereits Ende Januar dieses Jahres war laut der Hamburger Umweltbehörde ein Wolf im Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook gesichtet worden. Mitte März wurde demnach ein Wolf auf der Autobahn 25 von einem Fahrzeug überfahren. Wölfe wurden der Umweltbehörde zufolge 2013 das erste Mal in Hamburg gesehen. Seitdem wurden immer wieder Wölfe gesichtet. Die Anzahl der bestätigten Tiere häufte sich in den letzten Jahren. Vorwiegend werden die Tiere zwischen März und Mai gemeldet. (dpa, TT.com)